Das perfekte Duo
Landschaftsfotograf Christian Ringer stand der Fujifilm GFX 50S zunächst skeptisch gegenüber. Dann testete er die spiegellose Mittelformatkamera mit dem GF23mmF4 R LM WR an verschiedenen Spots in Nord- und Südeuropa. Jetzt will der eingefleischte X-Fotograf sie nicht mehr hergeben.

Ein Telefoninterview zusammen mit Peter Schuffelen für das Magazin fotoPRO Ausgabe Winter 2017

DIE BEDINGUNGEN WAREN ALLES andere als einladend: Als Christian Ringer im April dieses Jahres mit der neuen Fujifilm GFX 50S auf die Lofoten reist, um die fantastische Küstenlandschaft der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe einzufangen, zeigt sich das Wetter von seiner launischen Seite: Nieselregen und pralle Sonne wechseln sich ab, schließlich, als der Landschafts- fotograf eine Gruppe von Holzhäusern ins Visier fasst, setzt Schneeregen ein und überzieht die schwarze, auf einem massiven Stativ ruhende Kamera und das angedockte Fujinon GF23mmF4 R LM WR mit einem weißen Flaum.

„Mir war schon etwas mulmig bei dem Anblick, andererseits wusste ich ja, dass die GFX 50S und das Objektiv spritzwassergeschützt und bis minus zehn Grad kälteresistent sind“, sagt Rin- ger. „Die Szenerie war so bezaubernd, dass ich einfach weitermachen musste. Es war die richtige Entscheidung: Die Kamera hat mich in keinem Moment im Stich gelassen.“
Überlegene Details
Die Robustheit der innovativen spiegellosen Mittelformatkamera war allerdings nicht das, was den 41-Jährigen am meisten begeisterte, es war vielmehr die Bildqualität. „Als ich die ersten Bilder sah, konnte ich es kaum glauben. Der Detailreichtum ist einfach jenseits von Gut und Böse“, sagt Ringer über die Kamera, deren 43,8 × 32,9 mm großer Sensor Dateien von 8256 × 6192 Pixel liefert, die sich problemlos auf drei mal zwei Meter vergrößern lassen. „Beim Hineinzoomen entdeckt man Dinge, die man mit dem bloßen Auge nicht mehr zu sehen vermag.“ Auch vom Dynamikumfang der GFX 50S, den die Fujifilm-Ingenieure unter anderem durch lichtsammelnde Mikrolinsen auf dem Sensor auf 14 Blendenstufen ausweiten konnten, zeigt sich der fotografische Autodidakt begeistert. Ringer erzählt in diesem Zusammenhang von seiner Reise auf die Färöer-Inseln im Juni dieses Jahres. Er hatte die Kamera an der Steilküste einige hundert Meter südlich des kleinen Orts Gásadalur aufgebaut. Es hatte den ganzen Tag genieselt, dann, kurz vor der blauen Stunde, riss der Himmel hinter den steil aufragenden Bergen plötzlich auf, und die Sonne warf ihr Abendlicht auf die sattgrüne Ebene rund um das Dorf und färbte das sich leise kräuselnde Wasser des Nordatlantiks bernsteinfarben.
„Als ich die RAW-Datei an jenem Abend entwickelte, waren alle Details erhalten: vom magischen Gegenlicht über das leuchtende Grün der Vege- tation bis hin zum schneeweißen ins Meer herabstürzenden Wasserfall und der nahezu schwarzen, aber immer noch strukturierten Wasseroberfläche darunter“, schwärmt der Qualitäts-Fan, der im Extremfall mit Emp ndlich- keiten bis ISO 8000 arbeitet. „Das sind Momente, die es nur einmal gibt. Wenn die Kamera dann in der Lage ist, die Stimmung so an den Betrachter weiterzugeben, wie ich sie erlebt habe, ist das unbezahlbar.“

Intensive Bildwirkung
Christian Ringer ist bereits vor vielen Jahren zu Fuji lm gewechselt – wegen der Bildqualität im Allgemeinen und des Fuji lm-typischen Farblooks im Besonderen. Mit Blick auf die zur photokina 2016 vorgestellte GFX 50S war er allerdings zunächst skeptisch. „Ich hatte meine Landschaftsaufnahmen mit den Modellen der X-Pro- und X-T- Baureihe bislang immer im Bildformat 3:2 komponiert und bis dato keine Erfahrung mit dem Mittelformat. Das 4:3-Sensorformat der GFX 50S empfand ich zunächst als ungewohnt, ja geradezu altmodisch – ein bisschen so, wie man es früher von Röhrenfernsehern kannte“, sagt der Autodidakt. „Ich habe mich dann aber schnell an den neuen Look gewöhnt und möchte ihn heute nicht mehr missen: Der Himmelanteil ist größer, und gerade in Kombination mit dem genialen GF23mmF4 R LM WR ist die Bildwirkung einfach nicht zu toppen. Die kleinbildäquivalente Brenn- weite dieses hochau ösenden Super- weitwinkels beträgt etwa 18 mm. Aber im Unterschied zu einem extremen Weitwinkel an einer Kleinbildkamera liefert es absolut natürlich wirkende Bilder. Verzerrungen habe ich keine ausmachen können, nicht einmal, wenn ich die Kamera leicht nach oben oder unten geneigt habe, oder bei Aufnahmen von Gebäuden“, sagt der gebürtige Bayer, der neben Naturräumen auch Stadtlandschaften fotografiert.
Der besondere Mittelformat-Look der Kamera sei nicht leicht in Worte zu fassen, sagt Ringer. „Die Bildwirkung ist defnitiv anders als bei Kameras mit kleineren Sensoren. Intensiver, man könnte auch sagen: dichter.“
Wie in die Hand gegossen
Unter haptischen Gesichtspunkten war die Fuji lm GFX 50S für den gelernten Offset-Drucker Liebe auf den ersten Blick – oder besser gesagt: auf die erste Berührung. „Schon beim allerersten Ausprobieren fühlte es sich an, als sei die Kamera in meine Hand gegossen worden“, erinnert sich Ringer. „Was mich mindestens ebenso begeistert wie die gringe Formgebung, sind die Anordnung und die freie Belegbarkeit der Funktionsknöpfe. Für mich ist zum Beispiel das Histogramm eines der wichtigsten Kontrollelemente.“
Individuelle Einstellungen
Die GFX 50S hat er so eingestellt, dass das Histogramm auf Knopfdruck über das ganze Display angezeigt wird. „Dadurch kann ich exakt abwägen, ob ich noch eine oder zwei Drittelstufen mehr Licht geben kann, ohne dass die Lichter ausreißen. Ähnliches gilt für die per Knopfdruck aktivierbare Wasserwaage oder die Weißabgleichs-Funktion, die ich gerade während der Dämmerungsphasen gerne permanent nachjustiere“, sagt Ringer, der meist auf den Aufstecksucher verzichtet und die Bildkontrolle allein über den 3,2 Zoll großen und 2,36 Millionen Bildpunkte auflösenden Touchscreen vornimmt. Nicht zuletzt aber zeigt er sich angetan von den kompakten Abmessungen und dem vergleichsweise geringen Gewicht der spiegellosen Mittelformatkamera. „Die GFX 50S ist kleiner und spürbar leichter als die Kleinbild-DSLR, mit denen befreundete Landschaftsfotografen arbeiten“, sagt er. „Das ist angesichts der langen Märsche, die ich oft absolviere, ein wichtiges Kriterium.“

Alles in allem will der Landschaftsfotograf, der die GFX 50S zuletzt im Herbst an der Küste Portugals und in der Nähe des bayerischen Kochelsees im Einsatz hatte, nicht mehr missen. Ringer: „Die Bildwirkung, die Intensität der Farben, die feinen Strukturen und die besondere Wirkung des Formats sind atemberaubend. Wenn man das einmal gesehen hat, will man nie mehr etwas anderes.“