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Hilfestellung zum Thema Milchstrasse fotografieren

Jeder ambitionierte Hobby Fotograf oder Landschaftsfotograf möchte sie doch gerne einmal selbst fotografieren und somit bildlich festhalten – die Milchstrasse. Stimmt ́s oder hab ich Recht?! Ich weiß doch wie das ist… Was braucht man denn, um die Milchstrasse gut ablichten zu können? Was wir dazu brauchen steht auf einem anderen Blatt Papier aber ich kann euch sagen was von Vorteil wäre oder aber auch wie ich an die Aufgabe ran gehe.
• Das Objektiv
Beim Vorhaben Milchstrasse ein ganz entscheidender Faktor! Ich bevorzuge hierfür meine FUJINON XF Objektive mit einer Lichtstärke von 1.4 um das maximale an Licht, durch mein Objektiv auf den Sensor zu bekommen und selbstverständlich um die Verschlusszeiten recht kurz zu halten, um eine punktförmige Abbildung der Sterne zu erreichen – und keine Startrails. Mir ist bewusst, dass solche Objektive ein bisschen mehr kosten als welche mit Anfangsblende 4 oder so etwas in der Art. Objektive kauft man aber in der Regel nur einmal, während man die Bodys meist gegen neuere Nachfolgemodelle austauscht. Es wäre also vielleicht doch mal eine Überlegung wert oder?
• Das Stativ
Eine solche Aufnahme der Milchstrasse zu realisieren funktioniert einfach nicht ohne ein vernünftiges und stabiles Stativ. Auch wenn es wie in meinem Fall hier nur 15 Sekunden Belichtungszeit waren – es wäre ohne Stativ nicht möglich gewesen.
• Die Kamera
Die Kamera ist in diesem Fall ehrlich gesagt drittrangig für mich. Warum? Ganz einfach, aktuelle Modelle die im High ISO Bereich arbeiten können sind selbstverständlich von Vorteil um ein astreines und sauberes Ergebnis zu erhalten. Kameras die vielleicht bis maximal 6400 ASA/ISO gehen können aber die Milchstrasse genauso gut ablichten! Klar rauscht es da eventuell ein klein wenig aber hey – das sind eine Million kleiner weißer Punkte (Sterne) auf dem Bild, da fällt das Rauschen nicht sooooo sehr auf. Man kann ja bei der RAW Entwicklung ein klein wenig den Luminazregler bewegen und schon wird das Rauschverhalten viel besser! Probier es aus, es ist in der Tat so!
Und da hätten wir sie nun, die drei wichtigsten Sachen wobei wie bereits erwähnt Punkt 1 und 2 die wichtigsten sind. Punkt 3 ist ja eh schon mal Grundvoraussetzung um die anderen Punkte in Betracht zu ziehen.
Ich habe euch hier mal mein originales RAW File und mein fertig entwickeltes RAW File als Before/After bereitgestellt. Zieht den Schieber ruhig ein paar mal hin und her. Sollte das Bild nicht gleich sichtbar sein, bitte einfach im Browser die Seite aktualisieren!

Wir stellen fest, das fertige Bild sieht doch viel spektakulärer aus als das unangetastete RAW. Wer es wie gesagt schon mal versucht hat die Milchstrasse abzulichten, der wird mir Recht geben. RAW Files der Milchstrasse sehen eigentlich fast immer so fad aus. Man hat sie nämlich immer nur spektakulär im Kopf, von Bildern die man schon mal irgendwo im Internet oder in Zeitschriften gesehen hat. Ich kann euch also versichern, in jedem Milchstrassen Bild das annähernd oder so ähnlich aussieht wie mein fertiges Bild steckt eine sehr intensive Entwicklung des RAW ́s! Ich muss aber dazu sagen – zumindest für meinen Geschmack sehr intensive Entwicklung denn so lange fummel ich normalerweise nicht an meinen RAW Files herum. Das dauert mir A zu lange und B fallen diese ganzen Vorgänge ansonsten eh nicht an – oder zumindest nur ein Bruchteil davon. Ich bin ehrlich gesagt selbst ein wenig erschrocken als ich gesehen habe wie lang das Protokoll geworden ist.
Das Lightroom Entwicklungsprotokoll habe ich euch hier auch einmal mit beigefügt, damit könnt ihr genau sehen und nachvollziehen was ich da alles in Bewegung gesetzt habe um eine richtig knackige und spektakuläre Milchstrasse ans Licht zu bringen.

Man darf aber nicht vergessen – es handelt sich einzig und allein um eine RAW Entwicklung! Das heisst, die Infos die ans Tageslicht kommen stecken alle in diesem einzigen RAW – man muss sie nur gezielt ausarbeiten. Ein besonderes Rezept habe ich aber hierfür ehrlich gesagt nicht, das mach ich einfach nur nach eigenem Geschmack und Gefühl.
Was ich damit sagen will ist: Wenn eure ersten RAW Files der Milchstrasse auch so fad aussehen wie zum Beispiel das meine, dann seid nicht enttäuscht weil es so bescheiden aussieht – es sieht nun mal so aus. Entwickeln und probieren, dann wird das schon! Ich wünsch viel Erfolg und vor allem Spaß – beim Projekt Milchstrasse.

Euer Christian
PS: hier noch die EXIF/Kamera- Aufnahmedaten von genau diesem Foto.


Fujifilm GFX50s

Das perfekte Duo
Landschaftsfotograf Christian Ringer stand der Fujifilm GFX 50S zunächst skeptisch gegenüber. Dann testete er die spiegellose Mittelformatkamera mit dem GF23mmF4 R LM WR an verschiedenen Spots in Nord- und Südeuropa. Jetzt will der eingefleischte X-Fotograf sie nicht mehr hergeben.

Ein Telefoninterview zusammen mit Peter Schuffelen für das Magazin fotoPRO Ausgabe Winter 2017

DIE BEDINGUNGEN WAREN ALLES andere als einladend: Als Christian Ringer im April dieses Jahres mit der neuen Fujifilm GFX 50S auf die Lofoten reist, um die fantastische Küstenlandschaft der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe einzufangen, zeigt sich das Wetter von seiner launischen Seite: Nieselregen und pralle Sonne wechseln sich ab, schließlich, als der Landschafts- fotograf eine Gruppe von Holzhäusern ins Visier fasst, setzt Schneeregen ein und überzieht die schwarze, auf einem massiven Stativ ruhende Kamera und das angedockte Fujinon GF23mmF4 R LM WR mit einem weißen Flaum.

„Mir war schon etwas mulmig bei dem Anblick, andererseits wusste ich ja, dass die GFX 50S und das Objektiv spritzwassergeschützt und bis minus zehn Grad kälteresistent sind“, sagt Rin- ger. „Die Szenerie war so bezaubernd, dass ich einfach weitermachen musste. Es war die richtige Entscheidung: Die Kamera hat mich in keinem Moment im Stich gelassen.“
Überlegene Details
Die Robustheit der innovativen spiegellosen Mittelformatkamera war allerdings nicht das, was den 41-Jährigen am meisten begeisterte, es war vielmehr die Bildqualität. „Als ich die ersten Bilder sah, konnte ich es kaum glauben. Der Detailreichtum ist einfach jenseits von Gut und Böse“, sagt Ringer über die Kamera, deren 43,8 × 32,9 mm großer Sensor Dateien von 8256 × 6192 Pixel liefert, die sich problemlos auf drei mal zwei Meter vergrößern lassen. „Beim Hineinzoomen entdeckt man Dinge, die man mit dem bloßen Auge nicht mehr zu sehen vermag.“ Auch vom Dynamikumfang der GFX 50S, den die Fujifilm-Ingenieure unter anderem durch lichtsammelnde Mikrolinsen auf dem Sensor auf 14 Blendenstufen ausweiten konnten, zeigt sich der fotografische Autodidakt begeistert. Ringer erzählt in diesem Zusammenhang von seiner Reise auf die Färöer-Inseln im Juni dieses Jahres. Er hatte die Kamera an der Steilküste einige hundert Meter südlich des kleinen Orts Gásadalur aufgebaut. Es hatte den ganzen Tag genieselt, dann, kurz vor der blauen Stunde, riss der Himmel hinter den steil aufragenden Bergen plötzlich auf, und die Sonne warf ihr Abendlicht auf die sattgrüne Ebene rund um das Dorf und färbte das sich leise kräuselnde Wasser des Nordatlantiks bernsteinfarben.
„Als ich die RAW-Datei an jenem Abend entwickelte, waren alle Details erhalten: vom magischen Gegenlicht über das leuchtende Grün der Vege- tation bis hin zum schneeweißen ins Meer herabstürzenden Wasserfall und der nahezu schwarzen, aber immer noch strukturierten Wasseroberfläche darunter“, schwärmt der Qualitäts-Fan, der im Extremfall mit Emp ndlich- keiten bis ISO 8000 arbeitet. „Das sind Momente, die es nur einmal gibt. Wenn die Kamera dann in der Lage ist, die Stimmung so an den Betrachter weiterzugeben, wie ich sie erlebt habe, ist das unbezahlbar.“

Intensive Bildwirkung
Christian Ringer ist bereits vor vielen Jahren zu Fuji lm gewechselt – wegen der Bildqualität im Allgemeinen und des Fuji lm-typischen Farblooks im Besonderen. Mit Blick auf die zur photokina 2016 vorgestellte GFX 50S war er allerdings zunächst skeptisch. „Ich hatte meine Landschaftsaufnahmen mit den Modellen der X-Pro- und X-T- Baureihe bislang immer im Bildformat 3:2 komponiert und bis dato keine Erfahrung mit dem Mittelformat. Das 4:3-Sensorformat der GFX 50S empfand ich zunächst als ungewohnt, ja geradezu altmodisch – ein bisschen so, wie man es früher von Röhrenfernsehern kannte“, sagt der Autodidakt. „Ich habe mich dann aber schnell an den neuen Look gewöhnt und möchte ihn heute nicht mehr missen: Der Himmelanteil ist größer, und gerade in Kombination mit dem genialen GF23mmF4 R LM WR ist die Bildwirkung einfach nicht zu toppen. Die kleinbildäquivalente Brenn- weite dieses hochau ösenden Super- weitwinkels beträgt etwa 18 mm. Aber im Unterschied zu einem extremen Weitwinkel an einer Kleinbildkamera liefert es absolut natürlich wirkende Bilder. Verzerrungen habe ich keine ausmachen können, nicht einmal, wenn ich die Kamera leicht nach oben oder unten geneigt habe, oder bei Aufnahmen von Gebäuden“, sagt der gebürtige Bayer, der neben Naturräumen auch Stadtlandschaften fotografiert.
Der besondere Mittelformat-Look der Kamera sei nicht leicht in Worte zu fassen, sagt Ringer. „Die Bildwirkung ist defnitiv anders als bei Kameras mit kleineren Sensoren. Intensiver, man könnte auch sagen: dichter.“
Wie in die Hand gegossen
Unter haptischen Gesichtspunkten war die Fuji lm GFX 50S für den gelernten Offset-Drucker Liebe auf den ersten Blick – oder besser gesagt: auf die erste Berührung. „Schon beim allerersten Ausprobieren fühlte es sich an, als sei die Kamera in meine Hand gegossen worden“, erinnert sich Ringer. „Was mich mindestens ebenso begeistert wie die gringe Formgebung, sind die Anordnung und die freie Belegbarkeit der Funktionsknöpfe. Für mich ist zum Beispiel das Histogramm eines der wichtigsten Kontrollelemente.“
Individuelle Einstellungen
Die GFX 50S hat er so eingestellt, dass das Histogramm auf Knopfdruck über das ganze Display angezeigt wird. „Dadurch kann ich exakt abwägen, ob ich noch eine oder zwei Drittelstufen mehr Licht geben kann, ohne dass die Lichter ausreißen. Ähnliches gilt für die per Knopfdruck aktivierbare Wasserwaage oder die Weißabgleichs-Funktion, die ich gerade während der Dämmerungsphasen gerne permanent nachjustiere“, sagt Ringer, der meist auf den Aufstecksucher verzichtet und die Bildkontrolle allein über den 3,2 Zoll großen und 2,36 Millionen Bildpunkte auflösenden Touchscreen vornimmt. Nicht zuletzt aber zeigt er sich angetan von den kompakten Abmessungen und dem vergleichsweise geringen Gewicht der spiegellosen Mittelformatkamera. „Die GFX 50S ist kleiner und spürbar leichter als die Kleinbild-DSLR, mit denen befreundete Landschaftsfotografen arbeiten“, sagt er. „Das ist angesichts der langen Märsche, die ich oft absolviere, ein wichtiges Kriterium.“

Alles in allem will der Landschaftsfotograf, der die GFX 50S zuletzt im Herbst an der Küste Portugals und in der Nähe des bayerischen Kochelsees im Einsatz hatte, nicht mehr missen. Ringer: „Die Bildwirkung, die Intensität der Farben, die feinen Strukturen und die besondere Wirkung des Formats sind atemberaubend. Wenn man das einmal gesehen hat, will man nie mehr etwas anderes.“


Ist doch alles Photoshop

Wie oft hört oder liest man es – das ist doch eh nur Photoshop – Fake Bild – Langzeitbelichtung und Photoshop – geshoptes Bild – so etwas geht nur mit Photoshop. Der ein oder andere kennt diese Kommentare unter seinen eigenen Bildern oder hat vielleicht selbst schon einmal einen solchen Kommentar unter ein Bild eines Fotokünstlers gesetzt. Stimmt ́s?
Ich persönlich bin nun mittlerweile seit etwa 13 Jahren in der Branche unterwegs, ich kann euch sagen – ich habe solche Kommentare oder Anmerkungen schon oft unter meinen Fotos gelesen. Wenn ich sehe, dass jemand mein Bild mit „Fake Foto“ oder „ist doch Photoshop“ kommentiert frage ich mich ehrlich gesagt – warum schreibt das jemand? Fehlt es demjenigen an Vorstellungskraft, dass man hochwertige Fotografien mit einer Kamera anfertigt? Glaubt der Bildbetrachter nicht, dass es an jenem Tag und vor Ort eine solche Lichtstimmung gab? Scheinbar nicht. Die Frage ist – warum glaubt er es nicht? Warum kann sich der Betrachter einfach nicht vorstellen, dass es z.B. gestern zum Sonnenaufgang glutrote Wolken am Himmel zu sehen gab? Dafür gibt es meiner Meinung nach nur drei Antworten, entweder war derjenige früh morgens um vier Uhr einfach noch in seinem warmen Bett gelegen und hat geschlafen, oder er war zur gleichen Zeit draußen aber einfach ganz wo anders, oder derjenige war bereits in der Arbeit oder anderweitig verhindert und hatte dabei keine Möglichkeit durch ́s Fenster nach draußen zu sehen. Andere Möglichkeiten fallen mir da ehrlich gesagt nicht ein. Fast die gleichen Gründe fallen mir auch ein, wenn man mir z.B. einen absolut drastischen Sonnenuntergang nicht abkaufen will. Die meisten sind zu dieser Uhrzeit oft noch in der Arbeit – vor allem in den Wintermonaten wo die Tage recht kurz sind, oder schlenkern gerade mit ihrem Einkaufswagen durch den Supermarkt, oder sitzen schon zu Hause vor der Glotze und kucken stur gerade aus auf die Mattscheibe – aber nicht durch ́s Fenster nach draußen, oder gehen z.B. sportlichen Aktivitäten nach bei denen sie einfach keinen Blickkontakt nach draußen haben. Ganz ehrlich – das ist ja alles schön und gut und völlig in Ordnung, es soll doch jeder das tun was er für richtig hält oder was er tun muss. So ist das nun mal im Leben.
Aber Fakt ist – zu jenem Zeitpunkt als ich genau diese Aufnahme im Kasten hatte die jemand anzweifelt, war diese Person einfach nicht mit mir am selben Ort oder in unmittelbarer Nähe um das selbe Erlebnis mit mir zu teilen.

Lightroom-Screenshot-Christian-Ringer (man beachte die Timeline ganz unten im Screenshot)

Das tut mir dann für diese Person wirklich leid, dass sie dieses oder jenes Naturschauspiel nicht mit erleben konnte aber Hey – man kann nicht überall sein. Da gehört immer und immer wieder eine ordentliche Portion Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein!
Es gibt aber noch ein weiteres Phänomen, warum Leute teilweise solche Photoshop Kommentare abgeben. Das sind zu Großteil Leute, die selbst gern fotografieren. Man muss sich das z.B. so vorstellen, SPONGEBOB und BATWOMAN sehen eine Postkarte mit einem Städtebild von einem schönen Sonnenuntergang in den von Straßenlaternen beleuchteten Gassen der Altstadt in SUNCITY. Rein zufällig sind SPONGEBOB und BATWOMAN auch gerade in „Suncity“ und machen dort Urlaub. Sie sind völlig begeistert von dem Bild und sagen sich – klasse, so ein Foto schießen wir heute auch noch für unser Fotoalbum! Sie suchen genau die Gasse, die sie auf der Postkarte gesehen haben und finden sie sogar und freuen sich wie sonst was. Der Tag geht langsam zu Ende und die Sonne wandert Richtung Horizont, die Laternen in den Gassen werden

nach und nach gezündet und dimmen noch ganz schwach vor sich hin. Jetzt geht es ans Eingemachte, jetzt schießen wir unser Bild genau so wie auf der Postkarte!!! SPONGEBOB, der seine große teure Spiegelreflexkamera um den Hals hängen hat legt an, er schaut durch den Sucher: „hmmm, irgendwie ist das gar nicht so wie auf der Postkarte“. „Tatsache“ sagt BATWOMAN „auf der Postkarte waren irre viele Wölkchen drauf und bei uns ist keine einzige da, ist ja doof.“ BATWOMAN nimmt ebenfalls ihre Kamera, die sie locker und lässig am Handgelenk trägt und schaut auf ihr Display – drückt auf den Auslöser (AUTO ist ja eingestellt) der Blitz springt auf und zack ist das Bild im Kasten! Die Gasse, die mit ihren schönen dimmenden Laternen eine tolle Stimmung transportiert ist hell erleuchtet, zumindest die ersten drei bis vier Meter und danach ist alles nur noch kohlschwarz auf dem Bild. Seltsam… Da sagt der SPONGEBOB natürlich: das kannst Du hier nicht mit so einer kleinen billigen Kamera machen, da brauchst Du schon eine richtig gute Kamera die tolle Bilder machen kann – so eine wie meine, die kann das! Und dann geht es los… Die erste Aufnahme im AUTO Modus oder P Modus ist im Kasten – hmmm, zu dunkel. Da muss man länger belichten denkt er sich, also belichtet er länger – hmmm, verwackelt. Mist, ein Stativ bräuchte man jetzt – so wie die Profis! Da er keins hat legt er seine Kamera jetzt auf einen Kabelverteilerschrank, der hat eine schöne große Ablagefläche. Aber jetzt – denkt er sich und drückt wieder auf den Auslöser. Immer noch zu dunkel – man soll doch die Gasse schön sehen können, also muss ich wohl noch länger belichten. Also erneut die Belichtung nachlegen und wieder abdrücken – jetzt passt es und schaut super aus!!! Aber warum ist der Himmel so hell? Der ist ja ganz weiß!!! Wo ist die schöne Färbung vom Sonnenlicht das gerade so schön orangerot ist? Nicht da?!! Dann muss ich wohl doch kürzer belichten – aber dann ist ja die Gasse wieder so dunkel und düster! Irgendwas stimmt doch da nicht – SPONGEBOB und BATWOMAN schauen sich an und sagen – ganz klar, das ist doch eine Photoshop Postkarte – was sonst – das geht nur mit Photoshop!!!
Was ich euch damit sagen will ist – es sind Leute, die es einfach nicht hinbekommen Fotos so aufzunehmen wie sie sie irgendwo gesehen haben. Sie bekommen es einfach nicht hin die Lichtsituation so wie sie gerade ist einzufangen. Da kommen dann eben genau diese Zweifel auf, man hat doch eine tolle Kamera – warum sieht das bei dem so aus und bei mir nicht?! Da kann doch etwas nicht mit rechten Dingen zugehen, das muss am Computer nachbearbeitet/bearbeitet sein!

Screenshot der originalen RAW und JPEG Files die sich auf der Speicherkarte befinden.

NEIN – das muss es eben nicht!!! Es gibt einige Tricks und Möglichkeiten, die man sich über Jahre hinweg durch reine Erfahrung angeeignet hat und einsetzt um eben genau in solchen Situationen genau diese atemberaubende Lichtstimmung konservieren zu können. Das geht nicht von null auf hundert oder von heut auf morgen. Das braucht seine Zeit, wie beim Wein oder Käse – der reift auch mit der Zeit! Der Garant für eine atemberaubende Aufnahme ist eine korrekte Belichtung die die Stimmung transportiert und eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein! Dann hat man es auch nicht nötig seine Fotos mit Photoshop aufzupimpen. Logischerweise öffne ich meine RAW Datei in Lightroom, um den File der auf meiner Karte gespeichert ist überhaupt sichtbar darstellen zu können – anders geht es ja auch gar nicht, irgendwie muss ich ja ran kommen. Aber was macht man danach schon großartig, wenn der RAW File schon astrein aussieht?

In Photoshop importieren, verkleinern, nachschärfen und für ́s WWW abspeichern.
Das ist alles keine Hexerei! Sondern einfach nur ein paar wichtige Dinge, die man vorab beim Fotografieren schon berücksichtigen oder anwenden muss um am Ende mit seinem Foto glücklich zu sein.
Abschließend möchte ich gerne noch sagen, Fake Bilder kreieren, bei denen man Blitze einbaut wo keine waren oder aus Tageslichtaufnahmen Nachtaufnahmen mit Polarlichthimmel macht, um die Leute zu blenden – das ist für mich Photoshoppen. Aber genau das ist nichts für mich, damit kann ich mich nicht identifizieren – damit würde ich mir in die eigene Tasche lügen. Solche Arten von „Bilder“ sollen mal andere machen, meins ist es nicht. Gutes und professionelles Composing hingegen finde ich manchmal richtig toll, ich schau es mir gern an und respektiere die mühsame Arbeit des Künstlers – ein Bild aus 15 Einzelbildern zu gestalten. Uli Staiger ist da z.B. ein wahnsinnig toller Künstler, seine Arbeiten haben nichts mit Fake zu tun. Es sind Illusionen die er in Photoshop erschaffen hat.
Warum habe ich euch nun diesen Blog Eintrag geschrieben? Das kann ich euch sagen: Weil es mir manchmal echt auf den Sender geht wenn ich diese haltlosen Photoshop Kommentare lese. In Zukunft werde ich nur noch auf diesen Blog verlinken wenn ich so etwas lese, vielleicht findet sich ja der oder andere dann in diesem Beitrag wieder!

Viele Grüße, Christian Ringer


Back to the roots

Man sagt ja immer: Never change a running system. Aber – Ausnahmen bestätigen die Regel und nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Kurzum, ich habe es doch tatsächlich durchgezogen und habe das Kamerasystem mit allem was dazu gehört gewechselt. Ich war Jahre lang überzeugter NIKON Fotograf und stand auch immer hinter diesem Hersteller. Canon, Pentax etc. haben mich ehrlich gesagt nie so richtig interessiert, auch wenn diese Hersteller genauso gute Kameras auf dem Markt haben – aber ich war eben mit meinen NIKON Sachen, die ich hatte immer ganz glücklich und zufrieden.
Nun ist es aber so, dass mir dieser ganze Konsumterror um diese Boliden und dieses insgeheime Kräftemessen einfach auf den Keks geht. Hinzu kommt der irrsinnige Wert den man mit sich herum schleppt und das nicht zu verachtende Gewicht das solch eine komplexe Fotoausrüstung mit sich bringt. Es muss ja unbedingt eine Vollformat Kamera sein, alles was darunter ist – ist ja nicht würdig. Meint man zumindest immer, was aber völliger Nonsens ist. Ich habe in den letzten Monaten und Jahren einige Fotografen kennenlernen dürfen, die allesamt ihr Brotgeld damit verdienen – also davon leben. Was soll ich Euch sagen, 85% davon sind mit völlig normalen APS-C Sensoren/Kameras unterwegs. Es geht also auch! Als ich deren Fototaschen gesehen habe dachte mir oft – unglaublich, mit solch einen „Spielzeug“ verdienen die ihren Lebensunterhalt und ich, wo ein paar mal im Jahr auf Fotoexkursionen bin schleppe mindestens das zehnfache an Wert und das vierfache an Gewicht mit mir mit. Da läuft doch etwas nicht ganz rund… Das war zum Beispiel einer der Gründe, warum ich mir mal etwas mehr Gedanken um meine ganze Fotoausrüstung gemacht habe.

Als ich eines abends im Internet auf einschlägigen Fotoseiten unterwegs war stieß ich auf eine Werbeanzeige von FUJIILM – FUJIFILM? Ja – FUJIFILM! Da ich ja zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn schon mit FUJIFILM unterwegs war, klingelten meine Alarmglocken. Damals war ich stolzer Besitzer einer FUJI S3pro, für damalige Verhältnisse eine legendäre Kamera, die dann von der FUJI S5pro abgelöst wurde – mir aber irgendwie nicht so recht taugte und ich dann einfach wieder zurück zur S3pro bin und wieder happy war. Ich habe damit zwei mal die USA für mehrere Wochen bereist und war damit auch noch anderweitig auf unserem Planeten unterwegs. Die Files von dieser Kamera schau ich mir auch heute noch gerne an – weil sie einfach klasse sind. Ich erinnere mich noch ganz genau, als ich damals im Zion Nationalpark in den USA auf der Brücke stand um den Merced River und den Watchmen zu fotografieren. Neben mir stand ein weiter Fotograf der eine Belichtungsreihe nach der anderen duchgeballert hat und ehrlich gesagt habe ich innerlich darüber geschmunzelt. Ich habe ihn dann einfach mal angesprochen und gefragt was er da macht, und er sagte ganz lässig und cool: „I ́m making a HDR.“ Ah, very nice… und ich positionierte meinen Filter, stellte meine Kamera ein und drückte ab – FERTIG. Der Kollege kuckte damals recht fassungslos auf mein Display und konnte es nicht so ganz glauben, dass dieses Bild auf dem Display aus nur dieser einen einzigen Aufnahme besteht. That ́s it – ist aber so. Die FUJI Apparate waren damals schon für ihren wahnsinnig tollen Dynamikumfang und ihre saftigen Farben bekannt, das konnte man manchmal selbst nicht glauben was da für wunderbare Files produziert wurden. Aber jetzt Schluss mit diesen alten Erinnerungen – FUJIFILM hat eine neue Kamera angekündigt.
X-PRO2 ist ihr Name, geboren im Jahre 2016.

Als ich dieses Kameragehäuse sah wurde mir schon warm ums Herz und noch neugieriger auf das, was in dieser Kamera steckt. Ich habe alle möglichen Seiten im Internet durchforstet und alles nur mögliche über diese Kamera aufgesaugt und mich immer mehr und mehr auf dieses ultra geile Teil eingeschossen. Ich war hin und weg von dem was ich gesehen und gelesen habe und ich dachte mir – da hat FUJIFILM einen Volltreffer bei mir gelandet. Ein relativ kleines, unscheinbares Schwarzes Brikett, ohne Spiegel, ohne Schnick Schnack aber mit ordentlich Dampf im Gehäuse und dabei völlig unscheinbar. Die X-PRO2 ähnelt vom Aussehen her einer Leica, man nennt sie auch die Leica für arme. Aber mich persönlich hat dieses Teil echt heiß gemacht, dass ich zu mir sagte: „ich hole mir jetzt erst einmal den Vorgänger, die X-PRO1 und schaue erst einmal wie ich damit zurecht komme und was das Teil so ausspuckt bevor da holter di polter einen Systemwechsel durchführe.“ Gesagt getan – als ich die Kamera das erste mal in der Hand hatte war es eigentlich schon so gut wie geschehen (der virtuelle Systemwechsel) weil sich alles so fertig und massiv und einfach nur gut anfühlte. Das Feeling war einfach da, so beschreibe ich es jetzt einfach mal.

Als ich dann das erste mal damit draußen war musste ich mich natürlich schon erst an die Handhabung umgewöhnen, aber das dauerte nicht lange und ich hatte die ersten Aufnahmen damit gemacht. Als „Testmotiv“ musste der Dom vor meiner Türe herhalten, den ich ja schon so oft abgelichtet habe und wahrscheinlich auch noch weitere 50 mal fotografieren werde. Nun war es so weit, ich sah zum ersten mal die Bilder eine FUJIFILM X-PRO1 auf meinem Monitor und freute mich wie ein kleines Kind über das was ich da sah. Ich freute mich innerlich, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe und dieses Kamerasystem einfach versucht habe! Ich war und bin noch immer hin und weg von dem, was diese alte Dame für astreine Files produziert.

Ich behaupte auch das die X-PRO1 mit ihren 16MP der NIKON Df mit 16MP bei normalen Lichtbedingungen in keinster Weise hinterher hinkt. Ich habe ja den direkten Vergleich und kann nicht wirklich einen enormen Unterschied feststellen. Was sagt uns das in meinem Fall – Bye bye NIKON and welcome back FUJIFILM. Ganz so schnell ging es natürlich nicht aber ich habe wirklich einige Zeit damit verbracht mich mit der Kamera und den Bildern auseinander zu setzen, in Situationen wie nachts in der Altstadt mit den vielen Laternen, bei Sonnenuntergang und dergleichen habe ich die FUJI X-PRO1 immer bis an ihre Grenzen getrieben und sie hat sich jedes mal völlig unscheinbar der Situation gestellt und mir das geliefert, was ich mir vorgestellt habe und mein Gefühl bestätigt. Das Ende vom Lied, ich habe nun meine komplettes NIKON Equipment verkauft – alles Gläser, beide Bodys und Krimskrams, alles weg und bin nun wieder da gelandet, wo ich damals angefangen habe – bei FUJIFILM. Und ich bin happy, denn ich habe Spaß und Freude mit dem FUJIFILM Equipment das ich mir jetzt ins Haus geholt habe. Das Feeling mit dieser FUJI Kamera ist einfach nur unbeschreiblich – für mich persönlich natürlich, und sind wir doch mal ehrlich – das ist es doch was es auch ausmacht, der Spaß an der Sache! Mein f-stop Rucksack hat jetzt das kleine ICU verpasst bekommen, darin finden alle meine neuen FUJINON Objektive ihren Platz inklusive der Kamera selbst. Die andere Hälfte des Rucksacks kann ich jetzt bei Wanderungen oder Ausflügen mit Wechselkleidung etc. bepacken und habe alles dabei was ich brauche. Im Gegenteil, ich habe jetzt sogar noch mehr Objektive als vorher – weil die FUJINON Objektive absolut astrein und tip top sind. Chromatische Aberration – was ist das? Das ist bei FUJINON XF Objektiven ein Fremdwort, genauso wie Flair oder sonstiger lästiger Beigeschmack bei anderen Objektiven die zudem noch weit teuerer sind als die FUJINON XF Objektive.

Der ein oder andere ist jetzt sicherlich neugierig geworden, zumal mich ja auch schon einige Mails erreicht haben, von Fotokollegen die meinen NIKON Ausverkauf mitbekommen haben – was ich denn jetzt in meinem f-stop Fotorucksack mit mir trage. Das kann ich Euch gerne sagen… Aktuell befindet sich die FUJIFILM X-PRO1 in meinem Rucksack und dazu folgende Objektive, • FUJINON XF 10-24mm f/4 • FUJINON XF 14mm f/2,8 • FUJINON XF 16mm f/ 1,4 • FUJINON XF 23mm f/1,4 • FUJINON 18-55mm f/2,8/4 • FUJINON 35mm f/1,4 • und das FUJINON 60mm f/2,4. Die X- PRO2 die in den kommenden Tagen auf dem Markt erscheinen wird ist vorbestellt und wird somit meine neue Hauptkamera mit der ich in Zukunft unterwegs sein werde. Ehrlich gesagt freue ich mich schon richtig darauf die X-PRO2 bald in den Händen halten und nutzen zu dürfen! Die X-PRO1 hat dann aber auch noch Platz in meinem Fotorucksack und somit werde ich die auch als Backup Kamera oder für Timelapse Spielereien behalten. I ́m happy to be now a FUJIFILM X-PHOTOGRAPHER.

Und weil ich meine X-Pro2 ganz bestimmt nicht mehr hergeben möchte, habe ich mir die Kamera sogar mit meinem Namen gravieren lassen. 🙂

Liebe Grüße, Christian Ringer


Alles für´n Appl und ´n Ei

Wie es der Titel schon sagt, alles für ́n Appel und ́n Ei – das ist scheinbar die heutige Moral die bei uns Einzug gehalten hat und nicht mehr verschwinden will. Alles muss billig sein und am besten sogar gleich noch umsonst sein, das wär doch richtig toll! Ich finde es einfach nur ätzend und frage mich echt, wohin soll das noch führen? Wie viele andere Fotografen erreichen auch mich des öfteren eMails mit Bildanfragen, mal von privat Personen, mal von Firmen und/oder Agenturen. Dann heißt es für mich, finde den richtigen Preis.

Ganz im Ernst, bei mir ist es so, dass ich nichts an private Haushalte abgebe. Damit meine ich die digitale Datei. Oft heißt es: Könnte ich die Datei haben, damit ich mir das Bild drucken lassen kann? Ich gebe sie auch nicht weiter, es wäre für mein Wohnzimmer… Das finde ich ja ehrlich gesagt wirklich toll, wenn sich jemand meine Bilder in seine Wohnung hängen möchte – aber eine digitale hochauflösende Datei gebe ich da nicht raus. Ich kann euch sagen wie ich das mache, ich lade das gewünschte Bild in meinen Online Shop, und dort kann der Kunde sich aussuchen was er will. Leinwand, Acryl, Tassen, Kissen, etc. alles ist möglich und das zu völlig normalen Online Druckservice Preisen. Das ich dafür eine Provision erhalte ist klar und kein Geheimnis. Reich wird man davon auch nicht aber Kleinvieh macht auch Mist. Was ich aber auch hier, bei dieser mehr als fairen Variante in Erfahrung gebracht habe – auch das ist dem Endkunden scheinbar noch zu teuer. Am Ende ist es nämlich so, dass sagen wir mal 8 Leute anfragen und einer davon dann wirklich sein Bild im Shop bestellt. Ich finde dieses Verhalten schon recht seltsam… was meint ihr?

Bei Anfragen von Agenturen oder Firmen sieht die Sache schon etwas anders aus, meint man zumindest… Guten Tag, wir sind ein Startup Unternehmen und wollen weltweit mit unserem Artikel durchstarten. Für unseren Artikel benötigen wir noch ein Etikett, darauf soll Ihr Bild kommen! Hätten Sie Interesse daran? Was würde so etwas kosten?
Nun ja, bevor ich hier überhaupt eine Hausnummer abgebe hake ich natürlich noch einmal ordentlich nach. Welches Produkt, wie groß auf dem Produkt, Stückzahlen, Credit oder nicht Credit und so weiter und so fort. Erst wenn ich alle für mich relevanten Angaben habe, erst dann kann ich auch kalkulieren/einen Preis finden. Ich muss dazu sagen, bei meiner Preisfindung halte ich mich in der Regel immer an die aktuellen Tabellen und Preisrechner. Also, nun meine Mail an das Startup Unternehmen mit einer ganz normalen Hausnummer, ohne Aufschlag oder sonst was. Und jetzt ratet mal was da zurück kam… Oh, wir sind ganz frisch im Geschäft und wir haben nicht viel Geld. Wir haben bisher unsere Sachen bei Stock Agenturen gekauft – alles klar, Stock Agenturen…

Ganz ehrlich Leute, es interessiert mich relativ wenig ob ihr wenig Geld habt oder ein Startup oder kein Startup seid. Wobei ich eigentlich schon jemand bin, mit dem man über alles reden kann. Irgendwann reicht es aber mal… Ich finde es einfach nur kackendreist immer und immer wieder auf der Jammer und Billigschiene daherzugleiten.
Meine lieben Sparfüchse und Billigheimer – was meint ihr eigentlich wie solche traumhaften, einzigartigen Fotos zustande kommen?! Mit dem iPhone vielleicht beim Sightseeing?

NEIN – als Fotograf hat man eine Fotoausrüstung, eine Kamera mit mehreren Objektiven und wichtigen Zubehör was alles zusammen eine ganze Stange Geld kostet und über Jahre hinweg erweitert und modifiziert wurde um auf dem aktuellen Stand der Dinge zu sein. Wir sprechen hier teilweise von fünfstelligen Beträgen – aber nicht Kolumbianische Peso, NEIN – wir sprechen von EURO. Jetzt stellt sich nur noch die Frage – wie kommen die Motive aus meiner Kamera?! Das kann ich euch ganz einfach beantworten: REISEN REISEN REISEN und nochmal REISEN. Ja, wir reisen zu den Locations die wir uns vorher in mühseliger Arbeit zu hause am Rechner zusammen gesucht haben – anders kommen wir nicht an das Motiv ran. Was jetzt noch kommt ist, dass alles muss zur richtigen Zeit passieren. Es gibt Motive, die leben nur von ihrer Lichtstimmung. Was also machen wenn es beim ersten Versuch nicht geklappt hat wie man es sich vorgestellt hat, weil es vielleicht geregnet hat oder dergleichen. Ja – ich muss nochmals in die Tasche greifen um erneut den Spot zu besuchen und das ist wirklich keine Ausnahme! Ich habe hier in meinem Portfolio ein Bild das mir erst beim SIEBTEN Besuch dieser Örtlichkeit so gelungen ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Wie man also sieht, wenn man ein wenig am Teppich bleibt – die Motive die hier auf dieser Webseite zu sehen sind, sind mir nicht zugeflogen – ICH HABE MICH FÜR JEDES EINZELNE MOTIV AUF DEN WEG GEMACHT ES ZU REALISIEREN!

Ich wünsche mir für uns Landschaftsfotografen wirklich etwas mehr Respekt und Anerkennung!
Wer meint jammernd daherzugleiten – der soll bitte gleich weitergleiten – denn scheinbar ist Dir völlig egal wie ich meinen Lebensunterhalt verdiene und ob meine Kinder was zu essen haben.

Würde mich freuen wenn ich Dich ein wenig zum nachdenken gebracht habe 😉

Herzliche Grüße, Christian


Abenteuer Russland

In diesem Blog erzähle ich euch meine Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke meiner 14 tägigen Reise durch Russland. Ich bin von München aus mit dem Flugzeug nach Moskau gestartet wo ich ein paar richtig tolle Tage verbracht habe. Von dort aus ging es dann ganze vier Tage lang mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Irkutsk, von wo aus es dann per Mietwagen bis zum Baikalsee ging und am Ende via Luftkissenboot zum Endpunkt auf die Insel Olchon! Ich glaube, allein die Beschreibung der Reiseroute hört sich schon spannend an… Lasst euch überraschen! Ich kann nur eines vorweg nehmen – ich werde dies Reise meinen Lebtag nicht vergessen! Was ich noch anmerken möchte – mir ging es bei dieser Reise nicht darum eine Masse an Bildern zu ernten, mir ging es um das Erlebnis.

1.1.2017
Gleich nach Sylvester ging es pünktlichst zum Bahnhof. Der Zug, mit dem ich zum Münchner Flughafen fahren wollte hatte dann auch gleich mal 50 Minuten Verspätung. Ich konnte aber auf einen Ersatzzug ausweichen und bin dann satt mit dem ICE, mit der InterRegio Bahn zum Flughafen gefahren und bin trotz allem noch überpünktlich angekommen. Vom Bahnsteig ging es gleich direkt nach oben ins Terminal, wo ich auch nahtlos ohne Wartezeit mein Reisegepäck abgeben konnte. Somit hat sich die Schlepperei schon mal halbiert als die Reisetasche auf ́s Band lief. Danach bin ich in aller Ruhe zur Sicherheitskontrolle. Einer der Sicherheitsbeamten fragte mich warum ich mit Wanderschuhen unterwegs bin, während sein Kollege kurz vor Herzinfarkt stand als mein Rucksack durch den Scanner lief. Der übliche Ablauf eines Fotografen bei der Sicherheitskontrolle. Nach einem kurzen und netten Gespräch bin ich aber dann weiter zum Restaurant und habe mir noch ein „Abschiedsschnitzel“ mit Kartoffelsalat gegönnt, während ich auf den Abflug nach Moskau wartete. Irgendwann war es dann endlich so weit, der S7 Flieger stand am Gate und ich saß auf meinem Platz. Das Warten hatte mich etwas müde gemacht, dass ich nicht einmal mehr den Start mitbekommen habe. Ich bin schon vorher eingeschlafen! Als ich aufgewacht bin und auf das iPhone geschaut habe um zu kucken wie spät es ist sah ich – das Handy ist ja noch an! Upssss… ich hatte vollen Empfang eines tschechischen Mobilfunkanbieters. Ich hab das Telefon natürlich sofort in den Flugmodus versetzt und habe weiter geschlafen. Das war ein wirklich angenehmer Flug nach Moskau.
Für die Weiterfahrt, vom Flughafen zum Hotel hatte ich mir vorab einen Transfer gebucht. Ich wollte einfach nur mein Gepäck holen, in ein Taxi einsteigen das auf mich wartet und zum Hotel fahren. Ich nahm also mein Telefon und rief zur Sicherheit nochmal im Hotel an um mitzuteilen, dass ich nun angekommen bin und um den Transfer klarzumachen.

Am Telefon hieß es aber dann… es ist Feiertag, Taxis sind sehr schwer zu bekommen und kosten heute das doppelte als sonst – ich soll doch bitte in den Aeroexpress Zug einsteigen und vom Flughafen bis zur Endstation fahren. Von dort werde ich dann abgeholt. Also – ab zum Aeroexpress, Ticket gelöst und eingestiegen und etwa 25 Minuten später war ich angekommen, an der Final Destination – Endstation. Das schöne war, ich war da nur mein Transfer war irgendwie nicht da.

Nach einem weiteren Telefonat mit der Hotelmanagerin wartete ich weiterhin auf das Taxi, aber es wollte einfach nicht kommen! Irgendwann war es dann schon so weit, dass mich andere Taxifahrer angesprochen haben ob ich denn nicht ein Taxi brauche, was ich mehrmals ablehnte denn mein Transfer ist ja unterwegs. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich dann nach Rücksprache mit dem Hotel doch noch mit einem anderen Taxi gefahren. Das zog sich echt wie Kaugummi… Die Taxifahrt kostete mich glatte 1000 RUB und der Taxifahrer fragte mich während der gesamten Fahrt immer nur ob ich denn nicht Geld bei ihm tauschen möchte. Und das alles, kommuniziert über ein Smartphone mit Translator App. Als der Taxifahrer dann anhielt und sagte dass wir da sind kam auch schon die Hotelmanagerin auf den Wagen zu, um mich abzuholen. Sie entschuldigte sich etliche male für den durchgeknallten Taxifahrer, zwinkerte mir zu und nickte mit dem Kopf – Los, lass uns gehen! Wir ließen den Kerl da stehen und gingen rein. Das Hotel ist in der 8. Etage des Gebäudes, der Fahrstuhl fuhr aber nur bis zur 4. Etage – alle klar oder?! Das ganze Gerödel musste nach oben geschleppt werden. Aber ganz ehrlich, irgendwie war mir das völlig egal – ich bin heil im Hotel angekommen und das zählte in diesem Moment für mich.

Das Hotel, das ich gebucht hatte heißt Art Hotel Capsule Molotoff und ist ein ganz neu eröffnetes Kapselhotel mitten in Moskau. Nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte und ein bisschen durchgeatmet habe bin ich einfach nochmal runter und raus, einfach raus und ein bisschen umsehen wo ich denn hier überhaupt gelandet bin. Ich muss zugestehen, ich habe meinen Lebtag noch nicht sooooooo viel Weihnachtsblingbling gesehen.

Alles mögliche funkelte und blinkte vor sich hin, Bäume die in Lichternetze eingewickelt sind, Straßenlaternen die Wasserfälle mit LED Leuchten imitieren und noch vieles vieles mehr – der reinste Wahnsinn. Nach einem kleinen Spaziergang und einer heißen Dusche bin ich in mein Bett gefallen und hab mich erstmal richtig ausgeschlafen. Das war dann sozusagen meine Ankunft, oder mein erster Tag in Moskau.

2.1.2017
Ausgeschlafen und ausgeruht bin ich heute raus, in die Stadt zum bummeln. Ich wollte mir heute, am ersten richtigen Tag in Moskau einfach einen ruhigen machen – kein Stress, kein Druck, einfach dasein. Ganz ohne Kamera und ohne Gepäck, es reicht auch das iPhone wenn man mal ein Erinnerungsbild machen will. Ich war offen für alles und wollte einfach alles mögliche auf mich einprasseln lassen – Eindrücke aufnehmen, erleben und für mich mitnehmen. Es war wirklich sehr beeindruckend und interessant.

Ich saß zum Beispiel in einem kleinen, netten Lokal um etwas zu essen. Die Bedienung/Servicekraft verstand kein einziges Wort Englisch und ich kein Wort von dem was sie so sagte. Schon irgendwie witzig wenn man sich sprachlich so gar nicht verständigen kann. Aber irgendwie haben wir uns dann doch verstanden was der eine vom anderen wollte, mit Händen und Gesten und nettem Lächeln – wir hatten wirklich unseren Spaß uns zu verständigen. Oft hat sie mich von weiten schon angelächelt, weil es ihr irgendwie etwas peinlich war kein englisches Wort zu verstehen. Das war aber kein verzweifeltes Lächeln sondern ein herzhaftes Lächeln, ich muss gestehen – mir ging es genauso und genau das ist es doch was aus normalen Momenten besondere Momente macht. Läuft also – könnte man auch abgekürzt dazu sagen. Das Essen war übrigens lecker.
Danach ging es wieder für einige Stunden raus auf die Moskauer Strassen, ich lief ohne Plan und ohne Ziel.

Wo mich meine Nase hin führte oder was mich von weiten neugierig gemacht hat, das habe ich mir von nahen angeschaut und bin am Ende einige Kilometer durch Moskau gelaufen – am Kreml vorbei, hier und da und dort. Die Stadt wirkte unendlich auf mich aber genau das gefiel mir und darum war ich ja auch hier. Etwas neues sehen und erleben! Nach meiner Bummel- und Orientierungstour bin ich langsam wieder zurück Richtung Hotel gelaufen und habe dabei den Feierabendverkehr in Moskau erlebt. Der reinste Wahnsinn… 5 Spuren mitten in der Innenstadt – knackevoll, nichts geht mehr. Es wird gehupt und mit hängen und würgen irgendwie die Fahrspur gewechselt, aber keiner kommt großartig voran. Chaos pur – und ich lief ganz gemütlich an all den verzweifelten Gesichtern in ihren Wagen vorbei, mit einem Schmunzeln im Gesicht und der Glückseligkeit dass ich hier nicht mit dem Auto unterwegs bin. Für mich stand aber fest, ich will morgen unbedingt raus zum Fotografieren. Ich möchte hier bisschen was machen, nichts besonderes – einfach nur raus und sich treiben lassen.

Bevor ich ins Hotel bin habe ich mir aus dem FixPrice Markt noch ein Bierchen mitgenommen, selbstverständlich ein lokales Bier (Localbeer) um zu probieren wie das Bier hier in Russland so schmeckt. Zusammen mit dem Hotelmanager saß ich dann am Abend noch in der gemütlichen Lobby und wir gönnten uns ein Bier, tauschten uns aus und verbrachten einen schönen Abend. Das Bier war gut, zumindest hat es uns beiden geschmeckt. Ich fühlte mich wohl in Moskau! Danach ging ich in mein Bett und stellte mir den Wecker, denn ich wollte ja schließlich am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang draußen sein – zum Fotografieren. Auf meiner Wunschliste stand die weltbekannte Kirche mit den vielen Zwiebeltürmen – die Basilius Kathedrale am roten Platz. Die muss man einfach ablichten wenn schon mal in Moskau ist, da führt kein Weg dran vorbei.

3.1.2017
Für heute früh habe ich mir den Wecker gestellt, ich wollte gern zum Sonnenaufgang raus und vielleicht ein bisschen fotografieren. Was ich natürlich auch gemacht habe. Ich bin die Straße runter und hinein ins Zentrum – dort hin, wo die weltbekannte Kirche mit den Zwiebeltürmen steht. Die Basilius Kathedrale am roten Platz. Der Anblick oder besser gesagt, das Motiv ist wirklich imposant und schön – der Himmel gab nicht wirklich wirklich viel her, ausser ein bisschen Schneefall. Aber egal, ich war einfach mal da, habe das alles mit eigenen Augen gesehen und das beste daraus gemacht (blaue Stunde geht immer). Nachdem es langsam hell wurde bin noch etwas weiter gelaufen, um mir ein schönes Motiv für den Abend zu suchen – was mir auch nicht wirklich schwer gefallen ist.

Nach einem gepflegten Mittagsschlaf und einer kleinen Mahlzeit bin ich auch schon wieder los zu meinem auserwählten Motiv. Es ist hier so vieles in Sichtweite, aber am Ende rennt man dann doch eine gefühlte Ewigkeit. Was mir aber irgendwo auch völlig Wurscht ist denn ich habe A) Urlaub und B) Zeit – also kein Gedrängel! Der Spot selbst war wirklich gut, mir gefiel es, dass es dann am Ende doch wirklich so ausgesehen hat wie ich es mir vormittags in meinem Kopf ausgemalt hatte. Gut, eine „Krone“ war nicht beleuchtet – ist halt so… kann man nichts machen. Und wenn ich es jetzt nicht gesagt hätte, hätten es garantiert 50% der Leser/ Betrachter nicht einmal bemerkt – also die, die jetzt nochmal genau auf das Bild kucken und sich angesprochen fühlen. Mir gefällt es aber trotzdem, egal ob die dritte Krone leuchtet oder nicht und darum stelle ich es auch online.

Nach der kurzen Fotosession bin ich dann auf etwas anderen Wegen wieder Richtung Hotel, wo ich dann doch mal in einer Straße gelandet bin die mir ein leicht mulmiges Gefühl einhauchte. Aber – das täuschte beim ersten Anblick. Keiner der auf dem Gehweg lungernden Leute sagte etwas zu mir oder versuchte mich anzubetteln – KEINER!

Nach ein paar Metern hat sich mein anfangs komisches Gefühl ganz schnell in Luft aufgelöst, ich lehnte meinen Rucksack an die Wand und packte ganz gemütlich meine Kamera vom Stativ in den Rucksack. Anschließend bin ich in eine Imbissbude und habe mir so eine Art Türkische Pizza gekauft und dazu einen Red Bull getrunken. Also alles O.K. hier in Moskau – und es war lecker!
Auf dem Weg zum Hotel musste ich gezwungener Maßen durch das Megagetümmel am und um den Weihnachtsmarkt herum. Der pure Wahnsinn – wirklich! Ich hab dazu ein kleines iPhone Video gemacht, welches ich hier irgendwann mal mit online stelle. Definitiv nichts für Leute die Platzangst haben oder Menschenmassen nicht ausstehen können.

Eigentlich muss man sich einfach nur hinstellen und man wird von ganz allein durch die Unterführung auf die andere Straßenseite geschoben – ein zurück gibt es da nicht. Man kann sich nur treiben lassen und es sich dabei gut gehen lassen oder eben angenehm gestalten. Ich habe mir vorher meine Marshall Kopfhörer aufgesetzt und einen richtig geilen Song aufgelegt und bin dann durch die Unterführung. Keine Geräusche von den anderen, keine Stimmen nur meine brüllend laute Musik auf den Ohren und Stumme Gesichter in die ich blickte – das war echt ein geiler Film!
Gelaufen bin ich an diesem Tag 10,9 Kilometer, habe 21.025 Schritte zurück gelegten bin 15 Stockwerke Treppen gestiegen – so sagte es zumindest die Health App am iPhone. Und es war mal wieder ein klasse Tag, den ich mit einem Bierchen in der Lobby ausklingen hab lassen.

4.1.2017
Auch an diesem Tag klingelte um 6:30 Uhr der Wecker, ich kuckte kurz aus dem Fenster und es schneite mal wieder – aber das war mir wie am Vortag völlig egal. Ich wollte raus und die Zeit hier in Moskau nicht ungenutzt/unversucht verstreichen lassen. Ich bin ja schließlich nicht jeden Tag hier. Selbst wenn ich nur einen Morgen zur Verfügung gehabt hätte, dann hätte ich auch diesen garantiert genutzt und wäre nicht im warmen Bett liegen geblieben. Das könnte ich einfach nicht mit mir, und meinem Fotografenherz vereinbaren. Also raus aus dem Bett, rein in die Klamotten und los geht ́s.

Auch wenn ́s nix wird, ich kann zumindest sagen, ich hab alles versucht und gegeben und war nicht faul im Bett gelegen. Bei leichtem Schneefall bin ich dieses mal einfach in die andere Richtung gelaufen, am Kreml vorbei weiter westlich. Ohne großartigen Plan und ohne Ziel – einfach treiben lassen und wenn es passt, dann wird die Kamera aufgebaut. Und wie das oft so bei mir ist, wenn ich ohne Erwartungen irgendwo hingehe wird es meist richtig gut. Es dauerte auch nicht wirklich lange und ich hatte ein Motiv für mich gefunden und das schönste dabei war, im Fluß waren Eisschollen die da so langsam vor sich hin trieben. Damit hatte ich nämlich überhaupt nicht gerechnet, die waren nämlich am Vorabend noch nicht da! Tja – da sieht man mal wieder wie schnell es gehen gehen kann und wie einzigartig jeder Tag und jeder Moment ist. Das sind so Sachen die für mich unheimlich wichtig sind – es schätzen zu wissen was einem gerade „geschenkt“ wird – Dinge die man einfach nicht beeinflussen kann, aber doch auf eine gewisse Art und Weise für einen wie gemacht sind.

Kurz nachdem ich mein Bild gemacht hatte fing es auch schon wieder zu schneien an, sodass ich meine Kameraausrüstung wieder brav eingepackt habe und mich langsam auf den Rückweg gemacht habe.

Vorbei beim Bäcker und direkt rein ins Hotel. Nach einer heißen Dusche habe ich mich fast den ganzen Tag in der Lobby aufgehalten. Ich habe dort ganz gemütlich gefrühstückt, gelesen, geschrieben und immer wieder mal mit den anderen anwesenden geplaudert – Chillen oder Abhängen könnte man es auch nennen.

Es war schön und ich verspürte irgendwie keinen Drang mehr nach draußen zu gehen bei dem Schmuddelwetter, ich fühlte mich wohl, so wie es grad war. Ich verbrachte auch unheimlich viel Zeit mit dem Hotelchef und der Hotelmanagerin an diesem Tag – wir unterhielten uns über dies und das und jenes. Dazwischen machten wir sogar eine kleine Fotosession, haben uns gegenseitig Porträtiert und hatten echt was zu lachen – wir hatten also alle so richtig Spaß!

Irgendwann am Abend klingelte dann mein Handy – mein Freund Adam aus Berlin ist in Moskau angekommen und steht vorm Hotel. Ich bin natürlich gleich runter um ihn abzuholen. Nachdem wir wieder oben im achten Stock angekommen waren und er seine Sachen verstaut hatte, haben wir noch ein Gläschen getrunken. Wir hatten leckersten Rotwein am Tisch und noch ein paar Bier, die ich vorher vom FixPrice Markt geholt hatte.

Bedienen konnte sich jeder der anwesend war – das hab ich für alle mitgebracht. Nach dem einen Glas Wein sind wir nochmal runter, über die Straße und rein in die Pizzeria die uns die Hotelmanagerin empfohlen hatte. Was soll ich sagen – die Pizza war leckerst und der Wein dazu ebenfalls – Gut war ́s! Wir saßen eine Zeit lang und plauderten ein wenig, bis wir uns wieder dazu entschlossen habe zurück ins Hotel zu gehen, um uns noch ein bisschen in die Lobby zu setzen. Adam wurde aber an dem Abend nicht alt und ging relativ zeitig ins Bett, ich blieb noch ein bisschen sitzen und habe mir noch ein Bier gegönnt und mich ein bisschen unterhalten. Ich glaube ich saß noch gute zwei Stunden bis ich dann auch mal ins Bett gegangen bin. Das war wirklich ein total entspannter Tag – gefällt mir! Und ich habe es genossen da zu sein!

5.1.2017
Heute ist es so weit, für heute Mittag hatten wir unser Zugticket bereits schon in der Hand. Die abenteuerliche Zugfahrt von Moskau nach Irkutsk mit der Transsib, der Transsibierischen Eisenbahn stand bevor. Auf uns warteten gute 5500km und 4 Tage Aufenthalt non Stop im Zug von A nach B. Manch einer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt – wie kann man nur, das dauert ja ewig. Aber hey, das geht ganz einfach- Ticket buchen, einsteigen und los geht ́s… wenn man Lust hat und das machen will, dann geht das schon. Macht man ja nicht alle Tage, also ist der Erlebnisfaktor schon gleich mal ein ganz anderer als mit der Bahn von Frankfurt nach München zu fahren.
Die Hotelmanagerin hat mich an diesem Morgen um 6 Uhr geweckt, damit ich dann anschließend den Adam wecken konnte weil er gern noch die Kirche mit den Zwiebeltürmen – die Basilius Kathedrale am roten Platz fotografieren wollte. Nachdem ich ihn zwei mal geweckt hatte, hat er sich dazu entschlossen im warmen Bett liegen zu bleiben – keine Lust. Ok, kein Ding – dann nicht, ich war ja schon dort mir macht das nichts. Ich bin aber dann trotzdem aufgestanden, bin runter zum Duschen und hab mich danach noch in die Lobby gesetzt um einen Kaffee zu trinken. Bis alle anderen so langsam aus ihren Betten gekrochen und aufgestanden sind habe ich mich mit den Leuten vom Hotel unterhalten. Nachdem Adam dann auch frisch geduscht und fertig auf der Matte stand sind wir unsere acht Stockwerke runter gedackelt und direkt ins Kaffee zum Frühstücken. Schön gemütlich… Danach war es aber an der Zeit, unsere Sachen zu packen – das Taxi zum Bahnhof war für 12:30 Uhr bestellt. Zwei Mann (Mitarbeiter) vom Hotel schleppten unser Reisegepäck vom 8. Stock nach unten und ließen sich natürlich nichts anmerken, dass die Taschen hundsschwer waren. Sie sagten immer kein Problem, Service. Als ich mich noch von den anderen im Hotel verabschiedete stand auch die nette Inderin im Flur – mit ihrem Gepäck, fertig zum Abreisen. Wir plauderten noch ein paar Worte, erzählten uns wo es nun für jeden von uns hin geht und dann brachte ich ihr Gepäck nach unten. Sie bedankte sich etliche male bei mir, dass ich ihr ihren Koffer bis runter geschleppt habe und danach tauschten wir noch Visitenkarten aus – denn sie wollte/ möchte gerne sehen wie es da am Baikalsee so ist. Dieses Reiseziel stand nämlich auch noch auf ihrer Liste sagte sie – aber jetzt geht es für sie nach Indien sagte sie. Und so machten wir uns alle auf den Weg, wir mit dem Taxi das tatsächlich pünktlich war um uns zum Bahnhof zu bringen. Die Fahrt dauerte nicht lange, vielleicht 10 Minuten und wir waren da – mittendrin im Chaos angekommen.

Um überhaupt mal den Bahnhof betreten zu dürfen musste man erst durch eine Sicherheitskontrolle. Das Gepäck wurde geröntgt und man selbst musste auch durch ein Kontrollstation durch, ähnlich wie am Flughafen. Als ich dann mit meinem Gerödel in der Bahnhofshalle stand habe ich etwas verdattert gekuckt, es wuselten so irre viele Leute durch die Gegend mit ihren teilweise sehr kreativ zusammengebundenen Gepäck. Da ich völlig planlos war sagte ich zu Adam – da machen wir jetzt gar nicht lange rum, lass uns gleich mal zur Info gehen und nachfragen wo wir hier überhaupt hin müssen da der Bahnhof zwei Stockwerke hatte und etwas fernab auch noch Gleise waren. Außerdem konnte keiner von uns beiden die Anzeigetafel lesen, es stand ja alles nur in Kyrillischer Schrift geschrieben – klasse. Da fühlt man sich doch gleich wie Analphabet von einer auf die andere Minuten. Das war schon etwas bedrückend. Also ab zur Info – die sagte uns: Raus, rechts und dann geradeaus zu den Fernzügen. Welches Gleis? Sie weiß es nicht… vielleicht auf Gleis 2 oder 4. Aha – also husch husch raus und kucken was Sache ist, denn den Zug konnten wir auf gar keinen Fall verpassen – das wäre fatal gewesen! Auf dem Weg zu den Gleisen, wo die Fernzüge ankommen und abfahren habe ich gleich dem nächstbesten uniformierten das Zugticket unter die Nase gerieben. Zum Glück hatte ich es daheim in kyrillischer Schrift ausgedruckt, so zur Sicherheit… somit konnte der Herr das garantiert lesen. Er wusste nun wo wir hin wollen, er kuckte, funkte kurz mit seinem Kollegen und änderte die Abfahrtszeit auf meinem Zugticket ab. Aber zu welchen Gleis wir müssen wusste er auch nicht. Also musste wohl oder übel gleich der nächste dran glauben. Wir fragten einen Zeitungsjungen, damit meine ich denjenigen, der die Züge mit Tageszeitungen und Magazinen versorgt. Er sagte uns dass unser Zug auf Gleis 1 oder Gleis 4 einfährt, es dauert aber noch ein bisschen bis der Zug ankommt. Okay, also vertrauten wir ihm mal und gingen derweil zu einem Kiosk wo ich mir noch etwas zum trinken kaufte. Wir warteten und kuckten uns das Treiben am Bahnhof etwas aus der Ferne an.
Als auf Gleis 4 ein Zug einrollte hatte ich so das innere Gefühl – DAS ist der Zug, das ist unser Zug!

Damit aber auch wirklich nix schief läuft bin ich am Bahnsteig direkt zum Lockführer und habe ihm mein Ticket gezeigt. Nachdem er das ganze Zugticket von oben nach unten durchgelesen hatte nickte er mit dem Kopf – RICHTIG! Ab diesem Moment war alles gut, es ist der richtige Zug – Entspannung kehrte wieder bei mir ein.

Wir hatten einen weiten Weg bis nach vorn bis zum Wagon Nummer 9, wo wir das Abteil 5 und die Plätze 17 & 19 zugewiesen bekommen haben. Das wurde aber nicht vor Ort zugewiesen sondern wurde alles schon vorab, bei der online Buchung erledigt. Wir brachten also das ganze Gepäck rein und die Kabine war auf einen Schlag proppenvoll – nur mit unseren Taschen, upssss. Ich hatte uns im Abteil die unteren beiden Betten der insgesamt vier Betten gebucht, die oberen Betten waren noch frei als wir dann auch schon langsam losgefahren sind. Wir verstauten in aller Ruhe unser Gepäck, dazu klappten wir unsere Betten hoch. Darunter hatten die Reisetaschen und die Fotorucksäcke genügend Platz, damit sie uns und keinem anderen im Weg standen. Man kann sich das vorstellen als hätte man einen Bettkasten, Klappe hoch – Gepäck rein und fertig. Kurz darauf kam auch schon die Schaffnerin zu uns ins Abteil und fragte uns was wir denn gern haben möchten – Abendessen oder Frühstück denn eine Mahlzeit ist beim Zugticket inklusive.

Wir entschieden uns beide für das Abendessen. Als sie uns kurze Zeit später das „Diner“ ins Abteil gebracht hatte packten wir auch gleich die warmen Schachteln aus. Was drin war seht ihr auf dem Bild – es war nichts großartiges aber es war völlig OK und ich habe mein „Diner“ auch schön aufgegessen. Ich glaube ich habe meinen Lebtag noch nie Hirse gegessen… zur etwas späteren Stunde haben wir uns aus dem Speisewagen noch ein Bier geholt und es uns gut gehen lassen.

Dazwischen holten wir natürlich immer wieder mal unsere Kameras aus dem Rucksack um hier und da Bilder im Zug, oder an den verschiedenen Bahnhöfen zu machen. Dabei entstanden teilweise richtig tolle Momentaufnahmen wie diese. Irgendwann haben wir unsere Betten bezogen und uns schlafen gelegt während der Zug vor sich hin rollte. Es war schon ein tolles Gefühl da im Abteil in seinem Bett zu liegen, während draußen ab und zu die Laternenmasten an einem vorbei zogen. Hin und wieder hielt der Zug an einem Bahnhof und fuhr ein paar Minuten später wieder weiter – aber fragt mich nicht wie oft der hielt. Ich habe es nicht mitgezählt, es war wirklich sehr sehr oft – was mich aber nicht weiter störte. Ich habe nur mitbekommen, dass nachts irgendwann irgendwo noch jemand zu uns ins Abteil gekommen ist, den wir dann morgens erst begrüßen konnten – nachdem wir ausgeschlafen hatten.

6.1.2017
Unser Mitreisender war ein ganz ruhiger und netter Kerl, der wie er uns sagte etwa 1000 Kilometer vor Irkutsk aussteigen wird weil er dort arbeitet. Schon der Wahnsinn welche Wege die Menschen in Russland auf sich nehmen um ihrer Arbeit nachzugehen. Es ist halt eben ein wirklich weites Land. Ich verbrachte den Tag mit Musik hören, aus dem Fenster schauen, Video am iPhone schauen (ich habe mir nämlich vorab über Amazon Prime ein paar Filme auf ́s Handy geladen), mit Dösen – Schlafen, im Speisewagen essen und am Abend noch ein Bier trinken. Wenn der Zug anhielt und die Wartezeit am Bahnhof etwas länger dauerte bin ich auch oft mit raus, Jacke drüber und mit den Schlappen im Schnee stehen um frische, kalte Luft zu schnuppern. Im Laufe des Tages kam auch noch der vierte Mann zu uns ins Abteil. Ein relativ junger Bursche der ebenfalls zur Arbeit fuhr, ebenfalls ein paar tausend Kilometer.

Als wir am Abend nach dem Bierchen im Speisewagen zurück in unsere Kabine kamen saß der neue mit seinem Kumpel/Kollegen bei uns am Tisch, aßen und tranken ihren Wodka dazu. Russische Gastfreundschaft besteht darin, den Gast gar nicht lange zu fragen und somit dauerte es auch keine 5 Minuten und wir hatten auch schon einen Wodka Becher in der Hand. Also kippten wir uns alle ein bisschen was von dem brühwarmen Wodka rein und versuchten uns wieder auf alle möglichen Arten zu verständigen. Kurz darauf haben die beiden das Abteil verlassen und wir hauten uns auf ́s Ohr. War ja soooooo anstrengend heute 🙂 Ich hatte an dem Tag ein paar schöne Momentaufnahmen im Zug und aus dem Fenster gemacht. Es war wirklich alles sehr entspannend!

7.1.2017
Nach der heutigen, etwas schlaflosen Nacht – weil ich wohl tagsüber viel zu viel geschlafen hatte und nicht ausgelastet war fing der Morgen bei mir erst gegen 11:30 Uhr Ortszeit an. Das erste was ich machte, ich kuckte mir in aller Ruhe einen Film am Handy an.

Danach habe ich mich mal ein bisschen frisch gemacht denn so langsam machte sich der Mief breit. Was sein muss, muss sein und danach fühlt man sich doch gleich wieder viel wohler. Auch heute hielt der Zug immer wieder mal an um neue Reisende aufzunehmen oder andere aussteigen zu lassen. Natürlich bin ich wieder in meinen Hausschuhen hinaus in den Schnee, ein bisschen die Beine vertreten, am Kiosk Kaffee und Hörnchen kaufen und um immer mal zu kucken wie kalt es denn überhaupt da draußen so ist. Es war aber völlig ok, mit den Sommerschlappen bei Minus 13 Grad im Schnee zu stehen.
Irgendwann am Nachmittag machten wir uns einen Kaffee und ich fragte den recht stillen Mitreisenden der über mir lag ob er auch einen Kaffee mag, ich hatte etwas mehr von den Kaffeepäckchen am Kiosk gekauft.

Er nickte mir freundlich und dankend zu und setzte sich auch gleich zu uns mit runter an den Tisch. Wir kuckten auf die Landkarte und er zeigte uns wo er aussteigt und arbeitet. Das GPS am Handy zeigte uns ja immer den aktuellen Standort wo wir uns gerade befanden – auf unserer ewig lagen Route quer durch Russland. Wir unterhielten uns mit hängen und würgen aber es ging irgendwie. Nach einiger Zeit stand Raman auf (so hieß unser Mitreisender) und ging hin zum Spiegel, der hinter der Schiebetür im Abteil angebracht war. Ich habe nicht weiter gekuckt was er da machte, ich muss ja nicht alles wissen… Dann setzte er sich wieder neben mich, schaute mich an, nahm meine Hand und gab mir zu verstehen dass ich meine Hand öffnen solle – und dann legte er mir seine silberne Halskette mit einem Kreuz Anhänger in meine Hand. Ich schaute total verdattert und wusste in diesem Moment nicht was los ist – ich fragte ihn mehrmals: warum? Warum legst Du mir Deine Halskette in meine Hand? Er grinste mich an und sagte dass er mir die Kette einfach schenken möchte – es kommt von Herzen sagte er!

Ich muss gestehen, ich war echt baff und konnte das grad irgendwie nich glauben und bedankte mich mehrere male bei ihm und machte die Kette an meinen Hals und reichten uns noch die Hand. Unfassbar – echt. Adam musste dann natürlich gleich noch ein Bild von uns beiden machen, dass ich ihm nach der Reise gern per Mail zusenden will. Ich hab ja echt schon einiges erlebt, aber so etwas noch nicht. Man muss sich das mal bewusst vor Augen halten, der Raman hatte glaube ich nicht wirklich viel und schenkte mir einfach etwas, dass ihm bestimmt viel Wert war. Das hat mich schon irgendwo berührt! Und ich kann euch sagen, ich trage seit diesem Tag noch immer diese Kette.

Eine Wahnsinns Reise, wenn man dafür offen ist und die Momente zu schätzen und genießen weiß. Irgendwann packte mich der Hunger und ich ging wieder in den Speisewagen wo ich erneut diesen Fleisch/Kartoffel/Gemüseeintopf gegessen habe. Der war wirklich lecker und nahrhaft und vor allem schön heiß – geht ja nix über eine warme Mahlzeit am Tag. Nachdem ich fertig war bezahle ich und habe noch drei Bier mitgenommen welche wir auch recht zügig im Abteil geleert haben (Adam, Raman und ich). Raman sagte, bei nächsten Stop hält der Zug eine ganze Stunde lang.

Wir standen also eine ganze Stunde lang in Novosibirsk, gingen ein bisschen am Bahnhof zu den Kiosken und beobachteten die einheimischen die am Bahnsteig versuchten ihren getrockneten Fisch an die reisenden zu verkaufen. Der vierte Mann aus unserem Abteil war in der Zeit mit seinem Kumpel beim Einkaufen und dann platze unser Abteil wirklich wahr fast aus allen Nähten.

Wir saßen nun zu sechst in der Bude und wurden ohne zu fragen mit Bier versorgt. Das Bier schmeckte echt gut, süffig und auch nicht zu alkoholisch – aber bevor die 1,5 Liter Pulle nicht leer war, war gar nicht an Feierabend zu denken. Tja, andere Länder – andere Sitten, die man einfach akzeptiert oder eben für sich selbst ein Problem hat wenn man damit nicht klar kommt. Ich fand das eigentlich ganz spannend – es war halt einfach anders, anders weil man es so nicht kennt oder gewohnt ist.

Nachdem die Pulle leer war und der Zug gerade noch einmal hielt ging es aber dann doch mal in die Federn. Mittlerweile hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren und konnte auch diese Nacht wieder nicht richtig schlafen. Adam sägte das Abteil auseinander, dass auch die anderen beiden aus den oberen Betten runter kuckten, sich wälzten und auch nicht schlafen konnten. Ich setzte mir meine Kopfhörer auf, schaltete mir Musik an und hockte mich ans Fenster um mir die nächtliche Schneelandschaft anzuschauen. Als es aber dann langsam zu dämmern begann und Adam wach war konnte auch ich noch gute drei Stunden schlafen.

8.1.2017
Heute war der Tag, an dem Raman sich verabschiedete weil er am Ziel angekommen war. Er verabschiedete sich bei uns und wünschte uns noch eine gute Weiterfahrt nach Irkutsk und viel Spaß am Baikalsee. Ich hatte am Tag zuvor an einem Kiosk Zigaretten für ihn gekauft, die ich ihm nun zum Abschied zugesteckt hatte. Einfach eine nur als eine nette Geste weil er wirklich ein sehr sympathischer Mitreisender war. Als wir dann weiter gefahren sind hielt der Zug nach etwa zwei Stunden erneut an und unser letzter Mitreisender im Abteil verließ nun auch den Zug – dessen Platz aber gleich wieder durch einen neuen „Mitbewohner“ belegt wurde.
Die Jungs, die am Abend zuvor mit uns ein bisschen Bier getrunken haben schenkten Adam und mir eine klassische Transsib Tasse. Die Tassen sind so richtig klassisch russisch… Aber mir gefiel das Teil und es ist nun eine schöne Erinnerung, daheim in meinem Küchenschrank. Adam hat mir seine auch noch gegeben und somit habe ich nun zwei davon und nutze diese Tassen auch ab und zu für einen Tee oder Kaffee. Ich bin ehrlich gesagt noch immer schwer beeindruckt von dieser Reise – Menschen, die mit uns reisen und kaum Geld haben schenken uns Touristen etwas! Das ist für mich eine riesige, unbezahlbar Geste und das ist irgendwie genau mein Ding – mit Kleinigkeiten anderen eine Freude machen.

Nach einem angenehmen Nachmittagsschlaf wollte ich wieder in den Speisewagen um etwas zu essen, ich hatte Hunger. Ich bestellte mir wieder das selbe Töpfchen wie gestern und vorgestern, weil es mir einfach schmeckte. Danach wollte ich dann unbedingt mal durch so einen richtig großen Schlafsaal/Schlafwagon. Ich musste das einfach mal mit eigenen Augen sehen. Zwei Wagons weiter war auch schon solch ein Schlafsaal und es war schon ein etwas anders Gefühl dort durchzugehen und in die vielen fremden Gesichter zu kucken. Von jung bis alt war dort wirklich alles vertreten, die einen spielten Karten, andere hatten ihr Buch in der Hand oder schliefen. Selbstverständlich wollte ich das alles auch in Bildern festhalten, aber das musste dort ganz unauffällig passieren also stellte ich meine X-Pro2 auf Intervall mit einem Abstand von einer Sekunde und stellte die Filmempfindlichkeit sehr hoch damit am Ende auch etwas dabei raus kommt. Die Kamera hing um meinen Hals und ich ging ganz langsam durch den Wagon und drehte meinen Körper immer mal nach Links und Rechts während die Kamera pausenlos auslöste – meine Hände waren dabei in den Hosentaschen und kein Mensch bemerkte irgendetwas.

Nach diesem kleinen kulturellen Ausflug in der Transsib ging ich wieder zurück in meine Kabine, schnallte mir meine Marshall Kopfhörer auf und ließ mir Musik auf die Ohren ballern während ich aus dem Fenster schaute oder in meinem Büchlein schrieb.

Zwischendrin kam eine Mitarbeiterin aus dem Speisewagen durch die Wagons und verkaufte wie jeden Tag die mit Teig ummantelten Würstchen. Ich nahm ihr auch heute wieder zwei davon ab – eine Kleinigkeit zwischendrin geht ja schließlich immer. Als sie dann irgendwann wieder am Rückweg war und bei uns vorbei kam hatte ich meine Kamera in der Hand und fragte Sie ob ich ein Bild von ihr machen darf. Sie rückte auf Anhieb das Tablett zurecht, brachte sich in Pose und ich schaltete meine Kamera an, das Display leuchtete und als ich auslösen wollte war mein Akku leer!!! Genau in diesem Moment – das darf doch nicht wahr sein sagte/schimpfte ich: Ringer Du Depp – Du Versager, Du hast es verkackt!!! So etwas ist mir ja echt noch nie passiert – aber bekanntlich ist ja irgendwann immer mal das erste Mal und heute war ich eben fällig. Was aber schön war, ein paar Minuten später lief sie wieder durch den Gang woraufhin ich sie gleich stoppte und zu Verstehen gegeben habe das mein Akku leer war und ich kein Bild von ihr machen konnte – Sie lächelte nur, lehnte sich an die Wand vom Abteil und ließ ein Bild von sich machen. Ich zeigte es ihr dieses mal gleich auf dem Display und sie zeigte mir „Daumen hoch“ mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Danach bin ich dann nochmal in den Speisewagen um mir ein Bier zu holen, ein letztes Bier am letzten Abend in der Transsib bevor es dann los ging die Tasche zu packen. Es war mittlerweile 18 Uhr bei uns, also Ortszeit – in Moskau wäre es zu dem Zeitpunkt 14 Uhr gewesen und in Deutschland 12 Uhr mittags. Bei uns war es somit schon stockdunkel und wir packten unsere Reistaschen fertig da wir am kommenden Morgen um 6:30 Uhr in Irkutsk ankommen und ein Zug verlassen werden – da muss alles fix und fertig griffbereit sein.
9.1.2017
Pünktlich um 6:30 Uhr rollte der Zug in Irkutsk am Bahnhof ein – richtig pünktlich, ohne jetzt irgendwie über die DB frözeln zu wollen…

Wir stiegen nun nach 5185km Fahrt aus der Transsibirischen Eisenbahn und machten uns auf den Weg ein Taxi zu suchen, was auch in Irkutsk nicht schwer fällt denn die Taxis stehen wie bei uns direkt vorm Bahnhof und warten auf Kundschaft. Wir suchten uns den auf am seriösesten wirkenden Wagen/Fahrer aus der uns dann auch gleich zum Flughafen brachte, wo der Mietwagen schon auf uns wartete.Nachdem wir den Wagen in Empfang genommen haben sind wir erst einmal in eine Art „Diner“ wo wir uns eine riesige Pizza bestellt haben – die wir natürlich nicht geschafft haben! Aber was zählte war, dass unsere Bäuche voll waren, so richtig SATT gegessen. Wir mussten uns schon regelrecht aufraffen um unsere Fahrt zum Baikalsee in Angriff nehmen zu können.

Und nun ging es los, zur final Destination der Russland Reise – ab zum Baikalsee. Wir setzten uns in den Wagen, aktivierten das Navi und fuhren los… Wir fuhren vom Parkplatz rechts rum auf die Hauptstraße, kurze Zeit später erneut einmal nach Rechts weg und etwa 5km später noch einmal Rechts weg und von da an ging es die knappen 300km bis zum Ziel immer nur gerade aus – das Navi war also völlig überflüssig. Wir landeten nach einigen Stunden Fahrt direkt am Fähranleger von wo aus uns die Fähre auf die Insel Olchon bringen sollte.

Auf der großen Anzeigetafel standen die Ankunft- und Abfahrtszeiten, wir kuckten auf die Uhr und kuckten uns etwas verunsichert an denn die Fähre sollte genau in diesem Moment von hier aus abfahren. Aber da war keine Fähre, da war GAR NICHTS!!! Der ganze Fähranleger war eine einzige riesige Baustelle, verlassene Holzbuden und Baufahrzeuge sonst nichts! Klasse… und wie sollen wir jetzt auf die Insel ins Hotel kommen? Nach ein paar Telefonaten mit dem Hotel auf der Insel warteten wir noch immer am Fähranleger weil man uns sagte „da kommt gleich wieder ein Luftkissenboot das uns auf die Insel bringt, wir sollen uns gedulden…!“ tja – wir geduldeten uns Stunden aber es kam nichts, null Komma null und das fühlte sich einfach nicht gut an. Ich rief also wieder die selbe Telefonnummer an und telefonierte mit Olga, die ein wenig deutsch sprechen konnte und bat Sie um Hilfe denn wir brauchten unbedingt ein Hotel am Festland – auf die Insel kommen wir heute eh nicht mehr, das hatten wir schon abgehakt. Die liebe Olga hat uns aber dann nach einer guten halben Stunde nicht unweit vom Fähranleger ein Zimmer in einem Gästehaus organisiert, worüber ich ihr sehr dankbar war denn ich hatte echt keine Lust bei minus 32 Grad die nacht im Auto zu verbringen.

Wir führen also zur Unterkunft und die gastfreundliche Besitzerin erwartete uns auch schon! Sie grinste und war wohl recht erfreut, dass sich jemand zu ihr „verirrt“ hat… Ich selbst musste mir wirklich das Lachen verkneifen denn der Anblick und das Zimmer waren mir echt ein Bild wert, das musste ich festhalten – das würde mir sonst keiner glauben. Ich weiß auch nicht warum ich bei diesem Anblick immer nur Cindy aus Marzahn im Kopf hatte… Letztendlich waren wir aber trotzdem froh ein Dach über dem Kopf zu haben und uns mal heiß duschen zu können – das tat echt gut. Ihr könnt euch ja vorstellen wie ausgiebig jeder von uns geduscht hat, die letzte Dusche lag vier Tage zurück.
Ich hatte mir für die Nacht das Bett am Fenster ausgesucht. Als ich vorm zu Bett gehen noch einmal zum Fenster raus schaute sah ich ein Schiff das am Anleger steht und von Eis umgeben war, Luftlinie etwa 100 Meter – weiter war das Ufer nicht weg. Ich sagte zu Adam „ich stehe morgen früh auf um vor Sonnenaufgang schon am festgefrorenen Schiff zu sein!“. Ich dachte mir, das nehme ich mir mit (fotografisch natürlich) um den Morgen nicht verstreichen zu lassen – oder anders gesagt „das Beste daraus machen!“ Und somit hatten wir für den nächsten Morgen auch schon wieder ein Ziel vor Augen. Wir stellten unsere Wecker und hauten uns in unsere „Toight like a tiger“ Betten…

10.1.2017
…folgt! 😉


Ausdauer in der Landschaftsfotografie

Eine der wichtigsten Disziplinen eines Landschaftsfotografen – Ausdauer und Geduld. Aus der Sicht eines professionellen Landschaftsfotografen ist die ganze Geschichte eher unspektakulär, da es für uns (in diesem Fall für mich) völlig selbstverständlich erscheint stundenlang auf das passende Licht – den richtigen Moment zu warten. Neulich war ich mal wieder unterwegs, ich hörte am Vorabend im Radio „Föhnlage am Alpenrand mit 18° bis 20° und Hochnebel“ und das im Spätherbst gegen Ende Oktober. Da klingelten natürlich die Alarmglocken! Da muss ich hin, da muss ich anwesend sein, das kann nur gut werden – wenn nicht sogar spektakulär.

Mein Motiv hatte ich bereits vor Augen, bevor ich überhaupt meine Sachen gepackt habe und los gefahren bin. Reine Anfahrtszeit waren 2 Stunden und 15 Minuten für 220km. Um alles Dingfest zu machen habe ich vorher noch mit meiner Smartphone App den Sonnenaufgang abgefragt um die Abfahrtszeit festzulegen. Wo die Sonne dort aufgeht wusste ich, da ich schon öfter an dieser Location war. Somit stand fest – Abfahrt 4:30 Uhr um eine Stunde vor Sonnenaufgang vor Ort die Kamera aufzubauen. Die Fahrt zum Sylvenstein verlief dann relativ planmäßig, der dichte Nebel auf der Autobahn hatte mich zeitlich ein wenig zurück geworfen. Das war aber nicht so schlimm denn ich hatte ja einen Puffer von etwas mehr als einer Stunde eingeplant.

Als ich dann langsam meinem Ziel näher kam traute ich meinen Augen nicht – der Himmel war glasklar, unzählige Sterne waren am Himmel zu sehen! Ich dachte mir nur eins: JACKPOT jetzt nur noch ein paar Nebelfelder über dem Sylvensteinspeicher und ich habe gewonnen. Also voller Vorfreude weiter, sind ja nur noch 40km bis zum Zielort aber wie es nun mal so ist kommt es meistens etwas anders als man denkt… Kurz vorm Ziel fuhr ich in eine wahnsinnig dichte Nebelsuppe, ich dachte mir noch immer: Okay, etwas viel Nebel. Aber ich wollte ja Nebel über dem Stausee, also alles gut. Am Ziel angekommen habe ich mich kurz umgezogen und warm eingepackt, der nasskalte Nebel zieht nämlich ordentlich an der eigenen Körperwärme und ich hatte echt keine Lust auf Frieren und dann ging es auch schon los. Hirnbirn (Stirnlampe) an und rein in den Wald, was habe ich gesehen? Nichts – alles war weiß! Das Licht war viel zu grell und der Nebel zu dicht, sodass ich im Endeffekt nur eine weiße Wand vor mir hatte. Also kurzer Prozess, Lampe aus und im Dunkeln weiter… Je länger man sich im Dunkeln ohne Lampe bewegt, umso mehr gewöhnt sich das Auge daran und dann sieht man auch im Dunkeln recht gut. OK, man sieht nicht wirklich alles aber es reicht – zumindest mir. Nachdem ich meinen kurzen, holprigen und rutschigen Aufstieg durch das Waldstück hinter mir hatte stand ich an meiner Location, es war der Steilhang am Sylvensteinspeicher. Von dort aus hat man einen traumhaften Ausblick auf die Berge, den Stausee mit seiner Brücke, und man ist relativNebelwand hoch oben um im Idealfall über der Nebeldecke zu sein. Als ich aber da war sah ich nix, null Komma null minuss 500! Außer einer grauen Wand war nichts zu erkennen! NebelwandMein erster Gedanke – bitte nicht schon wieder… das hatten wir doch schon oft genug, sollte ich meinen Plan vielleicht doch über den Haufen werfen und rasch wo anders hin?! Ich hätte ja noch ein paar Locations die auch funktionieren (Sonnenstand usw.) aber ich blieb eisern und sagte mir NEIN ich bin jetzt hier und ich gehe volles Risiko ein. Wenn es dumm läuft stehe ich jetzt die nächsten 5 Stunden im Nebel, oder aber es reißt auf und ich habe ich das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

So saß ich da, auf einem dieser Lawinenhölzer die dort im Hang fest verankert sind und wartete und wartete und wartete. Mittlerweile waren schon zwei Stunden vergangen, die ich im dichten Nebel verbracht habe. Ab und zu Sylvensteinspeicher-Nebelkonnte man die Bäume im näheren Umfeld von etwa 10-15 Meter erkennen und zumindest die Kamera halbwegs ausrichten und positionieren. Kurz nachdem ich die Kamera justiert hatte traute ich meinen Augen nicht, innerhalb von Sekunden verschwand die dichte Nebeldecke – ich hatte eine glasklare Sicht auf die gegenüberliegenden Berge! Unfassbar! Aber es passte nicht, die untere Nebelschicht direkt über dem See war noch so hoch und dicht, dass man nichts erkennen konnte. „So ein Mist“ hat man da natürlich im Kopf während man bettelnd in die Landschaft schaut und hofft das sich der restliche Nebel auch noch verzieht. Tja – hoffen kann man ja, aber ich hatte natürlich das große Los gezogen das es noch schlimmer kam – ein Schwall von rechts und alles war wieder dicht! Ganz fein… das kann doch jetzt echt nicht wahr sein?! Ist es aber und daran kann und werde ich auch nichts ändern können. So ist das nun mal in der Natur – es ist wie es ist und wenn es nicht sein soll, dann soll es eben nicht so sein. Oft genug habe ich solche Situationen schon erlebt und über die Jahre hinweg gelernt damit umzugehen. Es macht keinen Sinn sich über das Wetter aufzuregen oder deshalb schlechte Laune zu haben. Es wird schon seinen Grund haben, warum es gerade jetzt so ist wie es ist.

Wie ich eben schon sagte, ich weiß damit umzugehen und mir die oftmals langen Wartezeiten sinnvoll zu vertreiben. Also harrte ich weiter aus, dort oben auf dem Lawinenholz. Der Blick auf die Uhr sagte mir 9:15 Uhr, die Sonne ist also schon längst über den Horizont gekrochen und ist auf dem Weg bald über die Berge zu spitzen. Dann kann es ja nicht mehr lange dauern denn das kräftige Sonnenlicht presst den Nebel aus dem Kessel, in dem Sylvensteinspeicher-Nebelich mich gerade befinde. Kurz darauf war es dann auch so weit, durch den dichten Nebel konnte ich die Sonne wunderbar beobachten wie sie langsam über den Berg kam. Meine Blicke schweiften von der
Sonne hinab ins Tal und wieder zurück und das permanent, um den Moment nicht zu verpassen wenn sich der Nebel löst. Alles im Blick, alles im Griff ich bin bereit – waren meine Gedanken! Plötzlich sah ich durch den Nebel die Brücke, dann die Brückenpfeiler und immer mehr und mehr… JA der Nebel löste sich, und das in einem Tempo mit dem man wirklich nicht gerechnet hätte. Das ganze Schauspiel dauerte nicht länger als drei oder vier Minuten und der Kessel war vom dichten Nebel befreit! Dieses kleine Zeitfenster konnte ich natürlich voll ausnutzen und auskosten da ich ja über vier Stunden auf genau diesen Moment gewartet habe. Das Resultat ist eine Aufnahme die man eben so nicht alle Tage zu Gesicht bekommt – und das freut mich ungemein! Denn genau SO wie es ist, so habe ich es mir vorgestellt und gewünscht – und ich hab es!

Für Außenstehende oder nicht ganz so ambitionierte Fotografen hat man in deren Augen oft nicht alle Tassen im Schrank wenn man stundenlang an einer Location ist und auf das Licht wartet, das man sich wünscht damit das Resultat so aussieht wie man es im Kopf hatte – bevor man überhaupt los gefahren ist. Ich habe kein Problem damit Stunden über Stunden an einem Ort zu verweilen um den passenden Moment abzuwarten. Manchmal hat man Glück und manchmal eben nicht, nichts kommt so wie man es plant – das Wetter lässt sich nun mal nicht beeinflussen – und das ist auch gut so! Es gehört eben immer eine ordentliche Portion Glück dazu!

Liebe Grüße, Christian


Mission Matterhorn 2.0

Warum Mission Matterhorn 2.0? Das Matterhorn, das sich im berühmten Stellisee spiegelt steht seit etlichen Jahren auf meiner Wunschliste. Letztes Jahr (2014) war ich zum ersten Mal dort oben, ein Traum ging in Erfüllung!
Wir sind damals an einem Samstag Mittag hinauf auf den Berg, haben uns ein Zimmer in der Fluhalp Berghütte genommen und waren voller Vorfreude auf das tolle Motiv in herrlichem Licht zum Sonnenaufgang. Man hat ja immer ein Bild oder eine gewisse Vorstellung, wie das Licht sein sollte damit es einem richtig gut gefällt und der Wunsch vom tollen Foto in Erfüllung geht. 2014 sind wir am Abend von der Berghütte zum Stellisee runter gegangen um das Matterhorn auch gleich zum Sonnenuntergang abzulichten. Das Hörnli war anfangs noch richtig gut sichtbar, bis es nach wenigen Minuten von Wolken umschlungen wurde. Satz mit x – das war wohl nix! Zur Krönung fing es dann anschließend auch gleich noch zu regnen an und wir standen da wie ein paar begossene Pudel. Es wollte einfach nicht aufhören… Somit war es uns nicht möglich, den Sonnenuntergang oder den Sternenhimmel mit Matterhorn abzulichten. So gingen wir etwas bedröppelt zurück zur Fluhalp und beschlossen, uns morgens um 4 wieder zu treffen um den Versuch zu wagen, in aller Früh den Sternenhimmel mit anschließendem Sonnenaufgang zu fotografieren. Also voller Einsatz! Wie es der Geier will… Es regnete noch immer und das Matterhorn – das war wie vom Erdboden verschluckt. Wir gingen aber trotzdem hinunter zum Stellisee, wir wollten es einfach nicht wahr haben. Es muss sich doch zeigen… Dafür sind wir doch hier! Tja, was soll ich sagen – es kam einfach nicht zum Vorschein, es regnete uns wieder an und hat uns etwas gehustet. Somit war die Aktion Matterhorn im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Nach dem Frühstück in der Fluhalp haben wir dann unsere Sachen gepackt und haben das Feld, besser gesagt den Berg verlassen. Welche Ausstrahlung wir in unseren Gesichtern gehabt haben will ich gar nicht erst wissen. Man hat hat ja doch einiges investiert, die Anfahrt mit knapp 750 km, das Parkhaus, die Bahn nach Zermatt, die Bergbahnen und die Zimmer auf der Fluhalp sind ja auch nicht umsonst – und günstig sowieso nicht. Wer schon mal in der Schweiz war, der wird wissen wovon ich rede. Aber es ist nun mal wie es ist oder aber auch: Wetter ist Wetter und daran lässt sich nichts ändern. Man muss es nehmen wie es kommt. Und genau darum ging es dieses Mal wieder los – Mission Matterhorn 2.0! Dieses Mal dachte ich mir aber, ich investiere 2 Tage und 2 Nächte um es eventuell einmal so hinzubekommen wie ich es gern hätte. Es ging also am Freitag Nachmittag hinauf auf den Berg, wie im letzten Jahr habe ich mir einen Schlafplatz in der Fluhalp genommen, nur dieses Mal einen Platz im Bettenlager – Hauptsache ein Dach überm Kopf, trocken schlafen und heiß duschen können. Als ich ankam sagte man mir ich bin im Schlafsaal im 3. Stock, also bin ich dort hoch und wusste ehrlich gesagt nicht was mich dort erwarten wird. Man mag es nicht für möglich halten… ich hatte das ganze Bettenlager mit 17 Schlafplätzen für mich allein! Ich hatte echt Probleme mir ein Bett zu auszusuchen – schlaf ich am Fenster, oder doch neben der einzigen Steckdose oder doch in einem Stockbett?! Ich habe mich für die obere Etage in einem Stockbett entschieden, so etwas hat man Zuhause nicht und dann kann man sich das schon mal geben. Nachdem ich meinen Rucksack etwas ausgeräumt habe, bin ich erst einmal schön heiß duschen gegangen und anschließend zum Abendessen, da ich meinen Schlafplatz mit Halbpension gebucht hatte. Das 3 Gänge Menü war wirklich lecker und hat mich so richtig satt gemacht. Als die Nachspeise serviert wurde habe ich durchs Fenster sehen können das es wohl echt was wird – mit einem Foto vom Matterhorn im Abendlicht.

Also schnell den Nachtisch vernascht, Rucksack und Stativ geschnappt – nix wie hin zum Stellisee! Dort angekommen habe ich auch relativ flott meine Sachen ausgepackt und platziert – und dann ging es los… Ich dachte echt ich fall gleich um – das Licht war der Hammer und zur Krönung gab es noch richtig heftigen Lightbeam, der von rechts kam und volle Möhre auf des Matterhorn strahlte. Ich hatte echt zu kämpfen diese heftige Lichtsituation so zu filtern das mir davon auch wirklich nichts verloren geht. Yes… Ich hatte also wirklich das Glück, ich konnte das Matterhorn, gespiegelt im Stellisee und mit atemberaubendem Licht fotografieren. Das hat mich echt gefreut, dass es dieses Mal gleich am ersten Abend schon geklappt hat. Man hat es ja noch in Erinnerung gehabt wie es im Jahr zuvor gelaufen ist. Das war aber noch nicht alles… Zufälligerweise feiert man hier in Zermatt gerade die Erstbesteigung des Matterhorns, die vor 150 Jahren gelang. Man hat sich die Mühe gemacht und keine Kosten gescheut die damalige Route bis zum Gipfel hinauf mit punktuellen Lichtinstallationen zu illuminieren. Ich hatte zwar in der Woche, bevor ich auf den Berg hinauf bin davon gelesen, aber was da nun wirklich Sache ist und ob diese Lichtinstallation noch aktuell ist wusste ich nicht. Als ich während einer Langzeitbelichtung mit meiner Frau telefonierte traute ich meinen Augen nicht! Die Lichter gingen nach und nach an und zogen sich wie eine Perlenkette bis zum Gipfel hinauf. Meine Frau freute sich am Telefon auch gleich für mich – und mich natürlich auch! Das Matterhorn ist wirklich ein millionenfach fotografiertes Motiv, aber mit dieser Lichtinstallation ist es dann doch etwas ganz besonderes und ich hatte das Glück da zu sein! Ganz allein stand ich mit meiner Nikon Df am Stellisee und konnte dieses tolle „Ding“ ablichten. Anschließend habe ich mir noch eine Langzeitbelichtung gegönnt um Startrails zu machen, die Belichtungszeit lag bei 30 Minuten – inklusive Darkframe dauerte mein Bild somit eine Stunde!
Der Darkframe durfte dann aber ganz alleine im Rucksack vor sich hin rechnen während ich mich auf den Rückweg zur Berghütte machte. Bevor ich mich dann ins Bett gelegt habe musste ich natürlich erst noch einen Blick darauf werfen – und es sah richtig gut aus. Schöne lange Sternspuren am Himmel und im See gespiegelt, inklusive Matterhorn. Was will man mehr! Jetzt hieß es aber schlafen. 3,5 Stunden hatte ich dafür Zeit, bis der Wecker mich wieder aus dem Bett geworfen hat. Schließlich wollte ich den Sonnenaufgang nicht verpassen auf den ich mich schon gefreut habe. Also bin ich schon um kurz nach 4 Uhr wieder am Stellisee gewesen um mit dem nautischen Sonnenaufgang zu beginnen. Der Himmel war noch immer sternklar und das Hörnli in seiner ganzen Pracht zu sehen. Unglaublich – denn wirklich selbstverständlich ist das nicht! Ich hatte mir einen schönen Standpunkt ausgesucht bei dem mir der Bildaufbau besonders gut gefiel. Dort festgefressen machte ich ab und dann mal ein Bild und erfreute mich daran. Zu guter Letzt kam dann auch noch ein wenig rosa in die langsam ziehenden Wolkenschleier, die ich mir mit einem ND 1.8 Filter noch etwas verlängerte um sie intensiver wirken zu lassen. So ähnlich, wie ich es damals bei meinem ultimate Reine Shot gemacht habe. Gut, ganz so heftig ist es dann doch nicht geworden aber das ist mehr als ok, denn ich war froh dass es einfach nur geklappt hat mit dem Wetter und dem Licht – dass überhaupt Licht da war! Als die Sonne dann schon relativ weit nach oben gekommen war und es mehr oder weniger taghell war habe ich meine Sachen gepackt und bin wieder hinauf zur Fluhalp – Frühstück! Ich hatte Hunger wie ein Bär… Nach dem Frühstück ging ich hinauf in den 3. Stock der Berghütte und legte mich erst einmal für ein paar Stunden hin, ich musste ja etwas Schlaf nachholen.
Nach einer ordentlichen Mütze voll Schlaf habe ich mir gleich mal eine heiße Dusche gegönnt und anschließend einen leckeren Cappuccino. Zusammen mit meiner Tasse und meinem iPad saß ich nun auf der Sonnenterrasse und machte mir sozusagen einen ganz gemütlichen Nachmittag. Bevor es dann wieder so weit war und das Abendessen serviert wurde, richtete ich bereits meinen Rucksack her, um gleich nach dem 3. Gang meines Menüs abdampfen zu können. Ich wollte ja noch einmal zum Sonnenuntergang raus und ein schönes Bild machen. Ich fasse mich kurz – daraus wurde leider nichts! Das Wetter ließ es einfach nicht zu, denn es gewitterte und goss wie aus Eimern. Tja – so schnell kann es gehen und der Sonnenuntergang fällt ins Wasser. Weinen musste ich deswegen aber jetzt auch nicht, denn ich hatte ja schon ein richtig schönes Bild gemacht (für meinen Geschmack versteht sich). Ich bin also nochmals raus auf die Terrasse, hab mir eine „Feierabendzigarette“ gegönnt und hab mich anschließend in mein Bett verkrochen – Schlafen kann ja nicht schaden. Wenn man überhaupt von Schlaf reden kann. Da das Bettenlager von Samstag auf Sonntag schlagartig randvoll war, war es echt heftig nun dort zu nächtigen. Ich kam mir vor wie in einem stickigen Sägewerk. Kaum Luft zum atmen, und das Schnarchen mancher „Bettenlagergenossen“ war für mich wirklich unerträglich, so dass ich einfach nicht einschlafen konnte. Ich drehte mich von links nach rechts und wieder zurück – es ging nicht, ich konnte nicht schlafen! So quälte ich mich einige Stunden lang, bis es mittlerweile auch schon kurz nach 3 Uhr geworden war. Kurzerhand beschloss ich für mich – es reicht… ich steh jetzt auf und geh raus, egal wie das Wetter jetzt ist.
Gesagt, getan – und die Belohnung für die qualvolle Nacht war… Eine absolut sternklare Nacht!!! Ich konnte die Milchstraße problemlos sehen und bestaunen – sie sprang mich förmlich an.

 

Sofort kamen Glücksgefühle in mir auf, alles richtig gemacht. Ich schnallte mir meine Hirnbirn (Stirnlampe) auf und marschierte in flottem Schritt zum Stellisee. Dort angekommen, kletterte ich auf einen kleinen Fels und baute meine Sachen auf – natürlich fotografierte ich das Matterhorn unter dem Sternenmeer der Milchstraße. Traumhaft. An dem Morgen war auch noch ein weiter ambitionierter Fotofreak vor Ort, er hat genauso alles richtig gemacht. Er hat im Zelt, direkt am See genächtigt (er konnte wenigstens schlafen). Während des Fotografierens sind wir dann ins Gespräch gekommen und haben uns wirklich fein unterhalten. Kurz darauf kam aber dann eine richtige Lichterkette von der Fluhalp herab marschiert – weitere Fotofreaks, die das Matterhorn gern ablichten wollten. So langsam füllte sich das Areal um den Stellisee aber man stand sich nicht im Weg. Ich war noch immer auf meinem Platz, denn genau von dort aus wollte ich das glühende Hörnli ablichten. Vor mir standen mittlerweile drei Leute, nette Engländer die mich vorher ganz höflich gefragt hatten ob sie mir denn im Bild stehen (das kenne ich auch anders…). Sie hatten jede Menge Spaß, denn das Matterhorn war noch immer ganz klar und deutlich zu sehen – was mich natürlich auch sehr erfreute. Man lächelte sich an, wechselte ein paar Worte und dann war es so weit, das Hörnli fing langsam an zu glühen – also alle wieder zurück auf Position und drauf auf den Auslöser, Filter wechseln, Temperatur nachkorrigieren und KLICK. Als der „Glühpunkt“ seinen Höhepunkt erreicht hatte, hatte ich dann ehrlich gesagt genug. Ich war happy, dass ich ein für mich, schönes Bild vom Matterhorn machen durfte. Also packte ich meine Sachen wieder ein, schnallte meine Kopfhörer auf und ließ mir auf dem Weg zurück zur Fluhalp ein paar Songs von Audioslave auf die Ohren pfeffern. Es war ein erfolgreicher und toller Start in den Tag, schon früh morgens um 3. Abschließend möchte ich sagen, es war ein geniales, erfolgreiches und nicht gerade billiges, aber für den Fotofunfaktor unbezahlbares tolles Wochenende. Mission Matterhorn 2.0 erfolgreich abgeschlossen!

Liebe Grüße, Christian