Die Reise ist das Ziel – 14 Tage Abenteuer Russland

In diesem Blog erzähle ich euch meine Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke meiner 14 tägigen Reise durch Russland. Ich bin von München aus mit dem Flugzeug nach Moskau gestartet wo ich ein paar richtig tolle Tage verbracht habe. Von dort aus ging es dann ganze vier Tage lang mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Irkutsk, von wo aus es dann per Mietwagen bis zum Baikalsee ging und am Ende via Luftkissenboot zum Endpunkt auf die Insel Olchon! Ich glaube, allein die Beschreibung der Reiseroute hört sich schon spannend an… Lasst euch überraschen! Ich kann nur eines vorweg nehmen – ich werde dies Reise meinen Lebtag nicht vergessen! Was ich noch anmerken möchte – mir ging es bei dieser Reise nicht darum eine Masse an Bildern zu ernten, mir ging es um das Erlebnis.

 

1.1.2017

Gleich nach Sylvester ging es pünktlichst zum Bahnhof. Der Zug, mit dem ich zum Münchner Flughafen fahren wollte hatte dann auch gleich mal 50 Minuten Verspätung. Ich konnte aber auf einen Ersatzzug ausweichen und bin dann satt mit dem ICE, mit der InterRegio Bahn zum Flughafen gefahren und bin trotz allem noch überpünktlich angekommen. Vom Bahnsteig IMG_0459ging es gleich direkt nach oben ins Terminal, wo ich auch nahtlos ohne Wartezeit mein Reisegepäck abgeben konnte. Somit hat sich die Schlepperei schon mal halbiert als die Reisetasche auf´s Band lief. Danach bin ich in aller Ruhe zur Sicherheitskontrolle. Einer der Sicherheitsbeamten fragte mich warum ich mit Wanderschuhen unterwegs bin, während sein Kollege kurz vor Herzinfarkt stand als mein Rucksack durch den Scanner lief. Der übliche Ablauf eines Fotografen bei der Sicherheitskontrolle. Nach einem kurzen und netten Gespräch bin ich aber dann weiter zum Restaurant und habe mir noch ein „Abschiedsschnitzel“ mit Kartoffelsalat gegönnt, während ich auf den Abflug nach Moskau wartete. Irgendwann war es dann endlich so weit, der S7 Flieger stand am Gate und ich saß auf meinem Platz. Das Warten hatte mich etwas müde gemacht, dass ich nicht einmal mehr den Start mitbekommen habe. Ich bin schon vorher eingeschlafen! Als ich aufgewacht bin und auf das iPhone geschaut habe um zu kucken wie spät es ist sah ich – das Handy ist ja noch an! Upssss… ich hatte vollen Empfang eines tschechischen Mobilfunkanbieters. Ich hab das Telefon natürlich sofort in den Flugmodus versetzt und habe weiter geschlafen. Das war ein wirklich angenehmer Flug nach Moskau.

Für die Weiterfahrt, vom Flughafen zum Hotel hatte ich mir vorab einen Transfer gebucht. Ich wollte einfach nur mein Gepäck holen, in ein Taxi einsteigen das auf mich wartet und zum Hotel fahren. Ich nahm also mein Telefon und rief zur Sicherheit nochmal im Hotel an um mitzuteilen, dass ich nun angekommen bin und um den Transfer klarzumachen. IMG_0472Am Telefon hieß es aber dann… es ist Feiertag, Taxis sind sehr schwer zu bekommen und kosten heute das doppelte als sonst – ich soll doch bitte in den Aeroexpress Zug einsteigen und vom Flughafen bis zur Endstation fahren. Von dort werde ich dann abgeholt. Also – ab zum Aeroexpress, Ticket gelöst und eingestiegen und etwa 25 Minuten später war ich angekommen, an der Final Destination – Endstation. Das schöne war, ich war da nur mein Transfer war irgendwie nicht da.IMG_0482 Nach einem weiteren Telefonat mit der Hotelmanagerin wartete ich weiterhin auf das Taxi, aber es wollte einfach nicht kommen! Irgendwann war es dann schon so weit, dass mich andere Taxifahrer angesprochen haben ob ich denn nicht ein Taxi brauche, was ich mehrmals ablehnte denn mein Transfer ist ja unterwegs. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich dann nach Rücksprache mit dem Hotel doch noch mit einem anderen Taxi gefahren. Das zog sich echt wie Kaugummi… Die Taxifahrt kostete mich glatte 1000 RUB und der Taxifahrer fragte mich während der gesamten Fahrt immer nur ob ich denn nicht Geld bei ihm tauschen möchte. Und das alles, kommuniziert über ein Smartphone mit Translator App. Als der Taxifahrer dann anhielt und sagte dass wir da sind kam auch schon die Hotelmanagerin auf den Wagen zu, um mich abzuholen. Sie entschuldigte sich etliche male für den durchgeknallten Taxifahrer, zwinkerte mir zu und nickte mit dem Kopf – Los, lass uns gehen! Wir ließen den Kerl da stehen und gingen rein. Das Hotel ist in der 8. Etage des Gebäudes, der Fahrstuhl fuhr aber nur bis zur 4. Etage – alle klar oder?! Das ganze Gerödel musste nach oben geschleppt werden. Aber ganz ehrlich, irgendwie war mir das völlig egal – ich bin heil im Hotel angekommen und das zählte in diesem Moment für mich.
IMG_0621Das Hotel, das ich gebucht hatte heißt Art Hotel Capsule Molotoff und ist ein ganz neu eröffnetes Kapselhotel mitten in Moskau. Nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte und ein bisschen durchgeatmet habe bin ich einfach nochmal runter und raus, einfach raus und ein bisschen umsehen wo ich denn hier überhaupt gelandet bin. Ich muss zugestehen, ich habe meinen Lebtag noch nicht sooooooo viel Weihnachtsblingbling gesehen. IMG_0496Alles mögliche funkelte und blinkte vor sich hin, Bäume die in Lichternetze eingewickelt sind, Straßenlaternen die Wasserfälle mit LED Leuchten imitieren und noch vieles vieles mehr – der reinste Wahnsinn. Nach einem kleinen Spaziergang und einer heißen Dusche bin ich in mein Bett gefallen und hab mich erstmal richtig ausgeschlafen. Das war dann sozusagen meine Ankunft, oder mein erster Tag in Moskau.


2.1.2017

Ausgeschlafen und ausgeruht bin ich heute raus, in die Stadt zum bummeln. Ich wollte mir heute, am ersten richtigen Tag in Moskau einfach einen ruhigen machen – kein Stress, kein Druck, einfach dasein. Ganz ohne Kamera und ohne Gepäck, es reicht auch das iPhone wenn man mal ein Erinnerungsbild machen will. Ich war offen für alles und wollte einfach alles mögliche auf mich einprasseln lassen – Eindrücke aufnehmen, erleben und für mich mitnehmen. Es war wirklich sehr beeindruckend und interessant.

IMG_0554Ich saß zum Beispiel in einem kleinen, netten Lokal um etwas zu essen. Die Bedienung/Servicekraft verstand kein einziges Wort Englisch und ich kein Wort von dem was sie so sagte. Schon irgendwie witzig wenn man sich sprachlich so gar nicht verständigen kann. Aber irgendwie haben wir uns dann doch verstanden was der eine vom anderen wollte, mit Händen und Gesten und nettem Lächeln – wir hatten wirklich unseren Spaß uns zu verständigen. Oft hat sie mich von weiten schon angelächelt, weil es ihr irgendwie etwas peinlich war kein englisches Wort zu verstehen. Das war aber kein verzweifeltes Lächeln sondern ein herzhaftes Lächeln, ich muss gestehen – mir ging es genauso und genau das ist es doch was aus normalen Momenten besondere Momente macht. Läuft also – könnte man auch abgekürzt dazu sagen. Das Essen war übrigens lecker.

Danach ging es wieder für einige Stunden raus auf die Moskauer Strassen, ich lief ohne Plan und ohne Ziel. IMG_0568Wo mich meine Nase hin führte oder was mich von weiten neugierig gemacht hat, das habe ich mir von nahen angeschaut und bin am Ende einige Kilometer durch Moskau gelaufen – am Kreml vorbei, hier und da und dort. Die Stadt wirkte unendlich auf mich aber genau das gefiel mir und darum war ich ja auch hier. Etwas neues sehen und erleben! Nach meiner Bummel- und Orientierungstour bin ich langsam wieder zurück Richtung Hotel gelaufen und habe dabei den Feierabendverkehr in Moskau erlebt. Der reinste Wahnsinn… 5 Spuren mitten in der Innenstadt – knackevoll, nichts geht mehr. Es wird gehupt und mit hängen und würgen irgendwie die Fahrspur gewechselt, aber keiner kommt großartig voran. Chaos pur – und ich lief ganz gemütlich an all den verzweifelten Gesichtern in ihren Wagen vorbei, mit einem Schmunzeln im Gesicht und der Glückseligkeit dass ich hier nicht mit dem Auto unterwegs bin. Für mich stand aber fest, ich will morgen unbedingt raus zum Fotografieren. Ich möchte hier bisschen was machen, nichts besonderes – einfach nur raus und sich treiben lassen.

IMG_0687Bevor ich ins Hotel bin habe ich mir aus dem FixPrice Markt noch ein Bierchen mitgenommen, selbstverständlich ein lokales Bier (Localbeer) um zu probieren wie das Bier hier in Russland so schmeckt. Zusammen mit dem Hotelmanager saß ich dann am Abend noch in der gemütlichen Lobby und wir gönnten uns ein Bier, tauschten uns aus und verbrachten einen schönen Abend. Das Bier war gut, zumindest hat es uns beiden geschmeckt. Ich fühlte mich wohl in Moskau! Danach ging ich in mein Bett und stellte mir den Wecker, denn ich wollte ja schließlich am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang draußen sein – zum Fotografieren. Auf meiner Wunschliste stand die weltbekannte Kirche mit den vielen Zwiebeltürmen – die Basilius Kathedrale am roten Platz. Die muss man einfach ablichten wenn schon mal in Moskau ist, da führt kein Weg dran vorbei.


3.1.2017

Für heute früh habe ich mir den Wecker gestellt, ich wollte gern zum IMG_0596Sonnenaufgang raus und vielleicht ein bisschen fotografieren. Was ich natürlich auch gemacht habe. Ich bin die Straße runter und hinein ins Zentrum – dort hin, wo die weltbekannte Kirche mit den Zwiebeltürmen steht. Die Basilius Kathedrale am roten Platz. Der Anblick oder besser gesagt, das Motiv ist wirklich imposant und schön – der Himmel gab nicht wirklich wirklich viel her, ausser ein bisschen Schneefall. Aber egal, ich war einfach mal da, habe das alles mit eigenen Augen gesehen und das beste daraus gemacht (blaue Stunde geht immer). Nachdem es langsam hell wurde bin noch etwas weiter gelaufen, um mir ein schönes Motiv für den Abend zu suchen – was mir auch nicht wirklich schwer gefallen ist.

Moskau-Klassik

IMG_0626Nach einem gepflegten Mittagsschlaf und einer kleinen Mahlzeit bin ich auch schon wieder los zu meinem auserwählten Motiv. Es ist hier so vieles in Sichtweite, aber am Ende rennt man dann doch eine gefühlte Ewigkeit. Was mir aber irgendwo auch völlig Wurscht ist denn ich habe A) Urlaub und B) Zeit – also kein Gedrängel! Der Spot selbst war wirklich gut, mir gefiel es, dass es dann am Ende doch wirklich so ausgesehen hat wie ich es mir vormittags in meinem Kopf ausgemalt hatte. Gut, eine „Krone“ war nicht beleuchtet – ist halt so… kann man nichts machen. Und wenn ich es jetzt nicht gesagt hätte, hätten es garantiert 50% der Leser/Betrachter nicht einmal bemerkt – also die, die jetzt nochmal genau auf das Bild kucken und sich angesprochen fühlen. Mir gefällt es aber trotzdem, egal ob die dritte Krone leuchtet oder nicht und darum stelle ich es auch online.

Moskau-City-Christian-Ringer-Photography

Nach der kurzen Fotosession bin ich dann auf etwas anderen Wegen wieder Richtung Hotel, wo ich dann doch mal in einer Straße gelandet bin die mir ein leicht mulmiges Gefühl einhauchte. Aber – das täuschte beim ersten Anblick. Keiner der auf dem Gehweg lungernden Leute sagte etwas zu mir oder versuchte mich anzubetteln – KEINER! IMG_0627Nach ein paar Metern hat sich mein anfangs komisches Gefühl ganz schnell in Luft aufgelöst, ich lehnte meinen Rucksack an die Wand und packte ganz gemütlich meine Kamera vom Stativ in den Rucksack. Anschließend bin ich in eine Imbissbude und habe mir so eine Art Türkische Pizza gekauft und dazu einen Red Bull getrunken. Also alles O.K. hier in Moskau – und es war lecker!

Auf dem Weg zum Hotel musste ich gezwungener Maßen  durch das Megagetümmel am und um den Weihnachtsmarkt herum. Der pure Wahnsinn – wirklich! Ich hab dazu ein kleines iPhone Video gemacht, welches ich hier irgendwann mal mit online stelle. Definitiv nichts für Leute die Platzangst haben oder Menschenmassen nicht ausstehen können. Bildschirmfoto 2017-01-22 um 21.09.23Eigentlich muss man sich einfach nur hinstellen und man wird von ganz allein durch die Unterführung auf die andere Straßenseite geschoben – ein zurück gibt es da nicht. Man kann sich nur treiben lassen und es sich dabei gut gehen lassen oder eben angenehm gestalten. Ich habe mir vorher meine Marshall Kopfhörer aufgesetzt und einen richtig geilen Song aufgelegt und bin dann durch die Unterführung. Keine Geräusche von den anderen, keine Stimmen nur meine brüllend laute Musik auf den Ohren und Stumme Gesichter in die ich blickte – das war echt ein geiler Film!

Gelaufen bin ich an diesem Tag 10,9 Kilometer, habe 21.025 Schritte zurück gelegten bin 15 Stockwerke Treppen gestiegen – so sagte es zumindest die Health App am iPhone. Und es war mal wieder ein klasse Tag, den ich mit einem Bierchen in der Lobby ausklingen hab lassen.


4.1.2017

Auch an diesem Tag klingelte um 6:30 Uhr der Wecker, ich kuckte kurz aus dem Fenster und es schneite mal wieder – aber das war mir wie am Vortag völlig egal. Ich wollte raus und die Zeit hier in Moskau nicht ungenutzt/unversucht verstreichen lassen. Ich bin ja schließlich nicht jeden Tag hier. Selbst wenn ich nur einen Morgen zur Verfügung gehabt hätte, dann hätte ich auch diesen garantiert genutzt und wäre nicht im warmen Bett liegen geblieben. Das könnte ich einfach nicht mit mir, und meinem Fotografenherz vereinbaren. Also raus aus dem Bett, rein in die Klamotten und los geht´s.IMG_0696 Auch wenn´s nix wird, ich kann zumindest sagen, ich hab alles versucht und gegeben und war nicht faul im Bett gelegen. Bei leichtem Schneefall bin ich dieses mal einfach in die andere Richtung gelaufen, am Kreml vorbei weiter westlich. Ohne großartigen Plan und ohne Ziel – einfach treiben lassen und wenn es passt, dann wird die Kamera aufgebaut. Und wie das oft so bei mir ist, wenn ich ohne Erwartungen irgendwo hingehe wird es meist richtig gut. Es dauerte auch nicht wirklich lange und ich hatte ein Motiv für mich gefunden und das schönste dabei war, im Fluß waren Eisschollen die da so langsam vor sich hin trieben. Damit hatte ich nämlich überhaupt nicht gerechnet, die waren nämlich am Vorabend noch nicht da! Tja – da sieht man mal wieder wie schnell es gehen gehen kann und wie einzigartig jeder Tag und jeder Moment ist. Das sind so Sachen die für mich unheimlich wichtig sind – es schätzen zu wissen was einem gerade „geschenkt“ wird – Dinge die man einfach nicht beeinflussen kann, aber doch auf eine gewisse Art und Weise für einen wie gemacht sind.

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Kurz nachdem ich mein Bild gemacht hatte fing es auch schon wieder zu schneien an, sodass ich meine Kameraausrüstung wieder brav eingepackt habe und mich langsam auf den Rückweg gemacht habe. IMG_0703Vorbei beim Bäcker und direkt rein ins Hotel. Nach einer heißen Dusche habe ich mich fast den ganzen Tag in der Lobby aufgehalten. Ich habe dort ganz gemütlich gefrühstückt, gelesen, geschrieben und immer wieder mal mit den anderen anwesenden geplaudert – Chillen oder Abhängen könnte man es auch nennen. IMG_0716Es war schön und ich verspürte irgendwie keinen Drang mehr nach draußen zu gehen bei dem Schmuddelwetter, ich fühlte mich wohl, so wie es grad war. Ich verbrachte auch unheimlich viel Zeit mit dem Hotelchef und der Hotelmanagerin an diesem Tag – wir unterhielten uns über dies und das und jenes. Dazwischen machten wir sogar eine kleine Fotosession, haben uns gegenseitig Porträtiert und hatten echt was zu lachen – wir hatten also alle so richtig Spaß!

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Irgendwann am Abend klingelte dann mein Handy – mein Freund Adam aus Berlin ist in Moskau angekommen und steht vorm Hotel. Ich bin natürlich gleich runter um ihn abzuholen. Nachdem wir wieder oben im achten Stock angekommen waren und er seine Sachen verstaut hatte, haben wir noch ein Gläschen getrunken. Wir hatten leckersten Rotwein am Tisch und noch ein paar Bier, die ich vorher vom FixPrice Markt geholt hatte. IMG_0750Bedienen konnte sich jeder der anwesend war – das hab ich für alle mitgebracht. Nach dem einen Glas Wein sind wir nochmal runter, über die Straße und rein in die Pizzeria die uns die Hotelmanagerin empfohlen hatte. Was soll ich sagen – die Pizza war leckerst und der Wein dazu ebenfalls – Gut war´s! Wir saßen eine Zeit lang und plauderten ein wenig, bis wir uns wieder dazu entschlossen habe zurück ins Hotel zu gehen, um uns noch ein bisschen in die Lobby zu setzen. Adam wurde aber an dem Abend nicht alt und ging relativ zeitig ins Bett, ich blieb noch ein bisschen sitzen und habe mir noch ein Bier gegönnt und mich ein bisschen unterhalten. Ich glaube ich saß noch gute zwei Stunden bis ich dann auch mal ins Bett gegangen bin. Das war wirklich ein total entspannter Tag – gefällt mir! Und ich habe es genossen da zu sein!


5.1.2017

Heute ist es so weit, für heute Mittag hatten wir unser Zugticket bereits schon in der Hand. Die abenteuerliche Zugfahrt von Moskau nach Irkutsk mit der Transsib, der Transsibierischen Eisenbahn stand bevor. Auf uns warteten gute 5500km und 4 Tage Aufenthalt non Stop im Zug von A nach B. Manch einer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt – wie kann man nur, das dauert ja ewig. Aber hey, das geht ganz einfach- Ticket buchen, einsteigen und los geht´s… wenn man Lust hat und das machen will, dann geht das schon. Macht man ja nicht alle Tage, also ist der Erlebnisfaktor schon gleich mal ein ganz anderer als mit der Bahn von Frankfurt nach München zu fahren.

Die Hotelmanagerin mich an diesem Morgen um 6 Uhr geweckt, damit ich dann anschließend den Adam wecken konnte weil er gern noch die Kirche mit den Zwiebeltürmen – die Basilius Kathedrale am roten Platz fotografieren wollte. Nachdem ich ihn zwei mal geweckt hatte, hat er sich dazu entschlossen im warmen Bett liegen zu bleiben – keine Lust. Ok, kein Ding – dann nicht, ich war ja schon dort mir macht das nichts. Ich bin aber dann trotzdem aufgestanden, bin runter zum Duschen und hab mich danach noch in die Lobby gesetzt um einen Kaffee zu trinken. Bis alle anderen so langsam aus ihren Betten gekrochen und aufgestanden sind habe ich mich mit den Leuten vom Hotel unterhalten. Nachdem Adam dann auch frisch geduscht und fertig auf der Matte stand sind wir unsere acht Stockwerke runter gedackelt und direkt ins Kaffee zum Frühstücken. Schön gemütlich… Danach war es aber an der Zeit, unsere Sachen zu packen – das Taxi zum Bahnhof war für 12:30 Uhr bestellt. Zwei Mann (Mitarbeiter) vom Hotel schleppten unser Reisegepäck vom 8. Stock nach unten und ließen sich natürlich nichts anmerken, dass die Taschen hundsschwer waren. Sie sagten immer kein Problem, Service. Als ich mich noch von den anderen im Hotel verabschiedete stand auch die nette Inderin im Flur – mit ihrem Gepäck, fertig zum Abreisen. Wir plauderten noch ein paar Worte, erzählten uns wo es nun für jeden von uns hin geht und dann brachte ich ihr Gepäck nach unten. Sie bedankte sich etliche male bei mir, dass ich ihr ihren Koffer bis runter geschleppt habe und danach tauschten wir noch Visitenkarten aus – denn sie wollte/möchte gerne sehen wie es da am Baikalsee so ist. Dieses Reiseziel stand nämlich auch noch auf ihrer Liste sagte sie – aber jetzt geht es für sie nach Indien sagte sie. Und so machten wir uns alle auf den Weg, wir mit dem Taxi das tatsächlich pünktlich war um uns zum Bahnhof zu bringen. Die Fahrt dauerte nicht lange, vielleicht 10 Minuten und wir waren da – mittendrin im Chaos angekommen.

IMG_0762Um überhaupt mal den Bahnhof betreten zu dürfen musste man erst durch eine Sicherheitskontrolle. Das Gepäck wurde geröntgt und man selbst musste auch durch ein Kontrollstation durch, ähnlich wie am Flughafen. Als ich dann mit meinem Gerödel in der Bahnhofshalle stand habe ich etwas verdattert gekuckt, es wuselten so irre viele Leute durch die Gegend mit ihren teilweise sehr kreativ zusammengebundenen Gepäck. Da ich völlig planlos war sagte ich zu Adam – da machen wir jetzt gar nicht lange rum, lass uns gleich mal zur Info gehen und nachfragen wo wir hier überhaupt hin müssen da der Bahnhof zwei Stockwerke hatte und etwas fernab auch noch Gleise waren. Außerdem konnte keiner von uns beiden die Anzeigetafel lesen, es stand ja alles nur in Kyrillischer Schrift geschrieben – klasse. Da fühlt man sich doch gleich wie Analphabet von einer auf die andere Minuten. Das war schon etwas bedrückend. Also ab zur Info – die sagte uns: Raus, rechts und dann geradeaus zu den Fernzügen. Welches Gleis? Sie weiß es nicht… vielleicht auf Gleis 2 oder 4. Aha – also husch husch raus und kucken was Sache ist, denn den Zug konnten wir auf gar keinen Fall verpassen – das wäre fatal gewesen! Auf dem Weg zu den Gleisen, wo die Fernzüge ankommen und abfahren habe ich gleich dem nächstbesten uniformierten das Zugticket unter die Nase gerieben. Zum Glück hatte ich es daheim in kyrillischer Schrift ausgedruckt, so zur Sicherheit… somit konnte der Herr das garantiert lesen. Er wusste nun wo wir hin wollen, er kuckte, funkte kurz mit seinem Kollegen und änderte die Abfahrtszeit auf meinem Zugticket ab. Aber zu welchen Gleis wir müssen wusste er auch nicht. Also musste wohl oder übel gleich der nächste dran glauben. Wir fragten einen Zeitungsjungen, damit meine ich denjenigen, der die Züge mit Tageszeitungen und Magazinen versorgt. Er sagte uns dass unser Zug auf Gleis 1 oder Gleis 4 einfährt, es dauert aber noch ein bisschen bis der Zug ankommt. Okay, also vertrauten wir ihm mal und gingen derweil zu einem Kiosk wo ich mir noch etwas zum trinken kaufte. Wir warteten und kuckten uns das Treiben am Bahnhof etwas aus der Ferne an.

Als auf Gleis 4 ein Zug einrollte hatte ich so das innere Gefühl – DAS ist der Zug, das ist unser Zug! IMG_0773Damit aber auch wirklich nix schief läuft bin ich am Bahnsteig direkt zum Lockführer und habe ihm mein Ticket gezeigt. Nachdem er das ganze Zugticket von oben nach unten durchgelesen hatte nickte er mit dem Kopf – RICHTIG! Ab diesem Moment war alles gut, es ist der richtige Zug – Entspannung kehrte wieder bei mir ein. IMG_0776Wir hatten einen weiten Weg bis nach vorn bis zum Wagon Nummer 9, wo wir das Abteil 5 und die Plätze 17 & 19 zugewiesen bekommen haben. Das wurde aber nicht vor Ort zugewiesen sondern wurde alles schon vorab, bei der online Buchung erledigt. Wir brachten also das ganze Gepäck rein und die Kabine war auf einen Schlag proppenvoll – nur mit unseren Taschen, upssss. Ich hatte uns im Abteil die unteren beiden Betten der insgesamt vier Betten gebucht, die oberen Betten waren noch frei als wir dann auch schon langsam losgefahren sind. Wir verstauten in aller Ruhe unser Gepäck, dazu klappten wir unsere Betten hoch. Darunter hatten die Reisetaschen und die Fotorucksäcke genügend Platz, damit sie uns und keinem anderen im Weg standen. Man kann sich das vorstellen als hätte man einen Bettkasten, Klappe hoch – Gepäck rein und fertig. Kurz darauf kam auch schon die Schaffnerin zu uns ins Abteil und fragte uns was wir denn gern haben möchten – Abendessen oder Frühstück denn eine Mahlzeit ist beim IMG_0789Zugticket inklusive. IMG_0784Wir entschieden uns beide für das Abendessen. Als sie uns kurze Zeit später das „Diner“ ins Abteil gebracht hatte packten wir auch gleich die warmen Schachteln aus. Was drin war seht ihr auf dem Bild – es war nichts großartiges aber es war völlig OK und ich habe mein „Diner“ auch schön aufgegessen. Ich glaube ich habe meinen Lebtag noch nie Hirse gegessen… zur etwas späteren Stunde haben wir uns aus dem Speisewagen noch ein Bier geholt und es uns gut gehen lassen.

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Dazwischen holten wir natürlich immer wieder mal unsere Kameras aus dem Rucksack um hier und da Bilder im Zug, oder an den verschiedenen Bahnhöfen zu machen. Dabei entstanden teilweise richtig tolle Momentaufnahmen wie diese. Irgendwann haben wir unsere Betten bezogen und uns schlafen gelegt während der Zug vor sich hin rollte. Es war schon ein tolles Gefühl da im Abteil in seinem Bett zu liegen, während draußen ab und zu die Laternenmasten an einem vorbei zogen. Hin und wieder hielt der Zug an einem Bahnhof und fuhr ein paar Minuten später wieder weiter – aber fragt mich nicht wie oft der hielt. Ich habe es nicht mitgezählt, es war wirklich sehr sehr oft – was mich aber nicht weiter störte. Ich habe nur mitbekommen, dass nachts irgendwann irgendwo noch jemand zu uns ins Abteil gekommen ist, den wir dann morgens erst begrüßen konnten – nachdem wir ausgeschlafen hatten.


6.1.2017

Unser Mitreisender war ein ganz ruhiger und netter Kerl, der wie er uns sagte etwa 1000 Kilometer vor Irkutsk aussteigen wird weil er dort arbeitet. Schon der Wahnsinn welche Wege die Menschen in Russland auf sich nehmen um ihrer Arbeit nachzugehen. Es ist halt eben ein wirklich weites Land. Ich verbrachte den Tag mit Musik hören, aus dem Fenster schauen, Video am iPhone schauen (ich habe mir nämlich vorab über Amazon Prime ein paar Filme auf´s Handy geladen), mit Dösen – Schlafen, im Speisewagen essen und am Abend noch ein Bier trinken. Wenn der Zug anhielt und die Wartezeit am Bahnhof etwas länger dauerte bin ich auch oft mit raus, Jacke drüber und mit den Schlappen im Schnee stehen um frische, kalte Luft zu schnuppern. Im Laufe des Tages kam auch noch der vierte Mann zu uns ins Abteil. Ein relativ junger Bursche der ebenfalls zur Arbeit fuhr, ebenfalls ein paar tausend Kilometer.

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Als wir am Abend nach dem Bierchen im Speisewagen zurück in unsere Kabine kamen saß der neue mit seinem Kumpel/Kollegen bei uns am Tisch, aßen und tranken ihren Wodka dazu. Russische Gastfreundschaft besteht darin, den Gast gar nicht lange zu fragen und somit dauerte es auch keine 5 Minuten und wir hatten auch schon einen Wodka Becher in der Hand. Also kippten wir uns alle ein bisschen was von dem brühwarmen Wodka rein und versuchten uns wieder auf alle möglichen Arten zu verständigen. Kurz darauf haben die beiden das Abteil verlassen und wir hauten uns auf´s Ohr. War ja soooooo anstrengend heute :-) Ich hatte an dem Tag ein paar schöne Momentaufnahmen im Zug und aus dem Fenster gemacht. Es war wirklich alles sehr entspannend!


7.1.2017

Nach der heutigen, etwas schlaflosen Nacht – weil ich wohl tagsüber viel zu viel geschlafen hatte und nicht ausgelastet war fing der Morgen bei mir erst gegen 11:30 Uhr Ortszeit an. Das erste was ich machte, ich kuckte mir in aller Ruhe einen Film am Handy an.IMG_8491 Danach habe ich mich mal ein bisschen frisch gemacht denn so langsam machte sich der Mief breit. Was sein muss, muss sein und danach fühlt man sich doch gleich wieder viel wohler. Auch heute hielt der Zug immer wieder mal an um neue Reisende aufzunehmen oder andere aussteigen zu lassen. Natürlich bin ich wieder in meinen Hausschuhen hinaus in den Schnee, ein bisschen die Beine vertreten, am Kiosk Kaffee und Hörnchen kaufen und um immer mal zu kucken wie kalt es denn überhaupt da draußen so ist. Es war aber völlig ok, mit den Sommerschlappen bei Minus 13 Grad im Schnee zu stehen.

Irgendwann am Nachmittag machten wir uns einen Kaffee und ich fragte den recht stillen Mitreisenden der über mir lag ob er auch einen Kaffee mag, ich hatte etwas mehr von den Kaffeepäckchen am Kiosk gekauft. IMG_0824Er nickte mir freundlich und dankend zu und setzte sich auch gleich zu uns mit runter an den Tisch. Wir kuckten auf die Landkarte und er zeigte uns wo er aussteigt und arbeitet. Das GPS am Handy zeigte uns ja immer den aktuellen Standort wo wir uns gerade befanden – auf unserer ewig lagen Route quer durch Russland. Wir unterhielten uns mit hängen und würgen aber es ging irgendwie. Nach einiger Zeit stand Raman auf (so hieß unser Mitreisender) und ging hin zum Spiegel, der hinter der Schiebetür im Abteil angebracht war. Ich habe nicht weiter gekuckt was er da machte, ich muss ja nicht alles wissen… Dann setzte er sich wieder neben mich, schaute mich an, nahm meine Hand und gab mir zu verstehen dass ich meine Hand öffnen solle – und dann legte er mir seine silberne Halskette mit einem Kreuz Anhänger in meine Hand. Ich schaute total verdattert und wusste in diesem Moment nicht was los ist – ich fragte ihn mehrmals: warum? Warum legst Du mir Deine Halskette in meine Hand? Er grinste mich an und sagte dass er mir die Kette einfach schenken möchte – es kommt von Herzen sagte er! DSCF6560---KopieIch muss gestehen, ich war echt baff und konnte das grad irgendwie nich glauben und bedankte mich mehrere male bei ihm und machte die Kette an meinen Hals und reichten uns noch die Hand. Unfassbar – echt. Adam musste dann natürlich gleich noch ein Bild von uns beiden machen, dass ich ihm nach der Reise gern per Mail zusenden will. Ich hab ja echt schon einiges erlebt, aber so etwas noch nicht. Man muss sich das mal bewusst vor Augen halten, der Raman hatte glaube ich nicht wirklich viel und schenkte mir einfach etwas, dass ihm bestimmt viel Wert war. Das hat mich schon irgendwo berührt! Und ich kann euch sagen, ich trage seit diesem Tag noch immer  diese Kette.

DSCF6619---KopieEine Wahnsinns Reise, wenn man dafür offen ist und die Momente zu schätzen und genießen weiß. Irgendwann packte mich der Hunger und ich ging wieder in den Speisewagen wo ich erneut diesen Fleisch/Kartoffel/Gemüseeintopf gegessen habe. Der war wirklich lecker und nahrhaft und vor allem schön heiß – geht ja nix über eine warme Mahlzeit am Tag. Nachdem ich fertig war bezahle ich und habe noch drei Bier mitgenommen welche wir auch recht zügig im Abteil geleert haben (Adam, Raman und ich). Raman sagte, bei nächsten Stop hält der Zug eine ganze Stunde lang.IMG_0838 Wir standen also eine ganze Stunde lang in Novosibirsk, gingen ein bisschen am Bahnhof zu den Kiosken und beobachteten die einheimischen die am Bahnsteig versuchten ihren getrockneten Fisch an die reisenden zu verkaufen. Der vierte Mann aus unserem Abteil war in der Zeit mit seinem Kumpel beim Einkaufen und dann platze unser Abteil wirklich wahr fast aus allen Nähten. DSCF2614---KopieWir saßen nun zu sechst in der Bude und wurden ohne zu fragen mit Bier versorgt. Das Bier schmeckte echt gut, süffig und auch nicht zu alkoholisch – aber bevor die 1,5 Liter Pulle nicht leer war, war gar nicht an Feierabend zu denken. Tja, andere Länder – andere Sitten, die man einfach akzeptiert oder eben für sich selbst ein Problem hat wenn man damit nicht klar kommt. Ich fand das eigentlich ganz spannend – es war halt einfach anders, anders weil man es so nicht kennt oder gewohnt ist.

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Nachdem die Pulle leer war und der Zug gerade noch einmal hielt ging es aber dann doch mal in die Federn. Mittlerweile hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren und konnte auch diese Nacht wieder nicht richtig schlafen. Adam sägte das Abteil auseinander, dass auch die anderen beiden aus den oberen Betten runter kuckten, sich wälzten und auch nicht schlafen konnten. Ich setzte mir meine Kopfhörer auf, schaltete mir Musik an und hockte mich ans Fenster um mir die nächtliche Schneelandschaft anzuschauen. Als es aber dann langsam zu dämmern begann und Adam wach war konnte auch ich noch gute drei Stunden schlafen.

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8.1.2017

Heute war der Tag, an dem Raman sich verabschiedete weil er am Ziel angekommen war. Er verabschiedete sich bei uns und wünschte uns noch eine gute Weiterfahrt nach Irkutsk und viel Spaß am Baikalsee. Ich hatte am Tag zuvor an einem Kiosk Zigaretten für ihn gekauft, die ich ihm nun zum Abschied zugesteckt hatte. Einfach eine nur als eine nette Geste weil er wirklich ein sehr sympathischer Mitreisender war. Als wir dann weiter gefahren sind hielt der Zug nach etwa zwei Stunden erneut an und unser letzter Mitreisender im Abteil verließ nun auch den Zug – dessen Platz aber gleich wieder durch einen neuen „Mitbewohner“ belegt wurde.

Die Jungs, die am Abend zuvor mit uns ein bisschen Bier getrunken haben schenkten Adam und mir eine klassische Transsib Tasse. Die Tassen sind so richtig klassisch russisch… Aber mir gefiel das Teil und es ist nun eine schöne Erinnerung, daheim in meinem Küchenschrank. Adam hat mir seine auch noch gegeben und somit habe ich nun zwei davon und nutze diese Tassen auch ab und zu für einen Tee oder Kaffee. Ich bin ehrlich gesagt noch immer schwer beeindruckt von dieser Reise – Menschen, die mit uns reisen und kaum Geld haben schenken uns Touristen etwas! Das ist für mich eine riesige, unbezahlbar Geste und das ist irgendwie genau mein Ding – mit Kleinigkeiten anderen eine Freude machen.

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Nach einem angenehmen Nachmittagsschlaf wollte ich wieder in den Speisewagen um etwas zu essen, ich hatte Hunger. Ich bestellte mir wieder das selbe Töpfchen wie gestern und vorgestern, weil es mir einfach schmeckte. Danach wollte ich dann unbedingt mal durch so einen richtig großen Schlafsaal/Schlafwagon. Ich musste das einfach mal mit eigenen Augen sehen. Zwei Wagons weiter war auch schon solch ein Schlafsaal und es war schon ein etwas anders Gefühl dort durchzugehen und in die vielen fremden Gesichter zu kucken. Von jung bis alt war dort wirklich alles vertreten, die einen spielten Karten, andere hatten ihr Buch in der Hand oder schliefen. Selbstverständlich wollte ich das alles auch in Bildern festhalten, aber das musste dort ganz unauffällig passieren also stellte ich meine X-Pro2 auf Intervall mit einem Abstand von einer Sekunde und stellte die Filmempfindlichkeit sehr hoch damit am Ende auch etwas dabei raus kommt. Die Kamera hing um meinen Hals und ich ging ganz langsam durch den Wagon und drehte meinen Körper immer mal nach Links und Rechts während die Kamera pausenlos auslöste – meine Hände waren dabei in den Hosentaschen und kein Mensch bemerkte irgendetwas.

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Nach diesem kleinen kulturellen Ausflug in der Transsib ging ich wieder zurück in meine Kabine, schnallte mir meine Buch-TranssibMarshall Kopfhörer auf und ließ mir Musik auf die Ohren ballern während ich aus dem Fenster schaute oder in meinem Büchlein schrieb. Transsib-EssenZwischendrin kam eine Mitarbeiterin aus dem Speisewagen durch die Wagons und verkaufte wie jeden Tag die mit Teig ummantelten Würstchen. Ich nahm ihr auch heute wieder zwei davon ab – eine Kleinigkeit zwischendrin geht ja schließlich immer. Als sie dann irgendwann wieder am Rückweg war und bei uns vorbei kam hatte ich meine Kamera in der Hand und fragte Sie ob ich ein Bild von ihr machen darf. Sie rückte auf Anhieb das Tablett zurecht, brachte sich in Pose und ich schaltete meine Kamera an, das Display leuchtete und als ich auslösen wollte war mein Akku leer!!! Genau in diesem Moment – das darf doch nicht wahr sein sagte/schimpfte ich: Ringer Du Depp – Du Versager, Du hast es verkackt!!! So etwas ist mir ja echt noch nie passiert – aber bekanntlich ist ja irgendwann immer mal das erste Mal und heute war ich eben fällig. Was aber schön war, ein paar Minuten später lief sie wieder durch den Gang woraufhin ich sie gleich stoppte und zu Verstehen gegeben habe das mein Akku leer war und ich kein Bild von ihr machen konnte – Sie lächelte nur, lehnte sich an die Wand vom Abteil und ließ ein Bild von sich machen. Ich zeigte es ihr dieses mal gleich auf dem Display und sie zeigte mir „Daumen hoch“ mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Service-Transsib

Danach bin ich dann nochmal in den Speisewagen um mir ein Bier zu holen, ein letztes Bier am letzten Abend in der Transsib bevor es dann los ging die Tasche zu packen. Es war mittlerweile 18 Uhr bei uns, also Ortszeit – in Moskau wäre es zu dem Zeitpunkt 14 Uhr gewesen und in Deutschland 12 Uhr mittags. Bei uns war es somit schon stockdunkel und wir packten unsere Reistaschen fertig da wir am kommenden Morgen um 6:30 Uhr in Irkutsk ankommen und ein Zug verlassen werden – da muss alles fix und fertig griffbereit sein.


9.1.201

Pünktlich um 6:30 Uhr rollte der Zug in Irkutsk am Bahnhof ein – richtig pünktlich, ohne jetzt irgendwie über die DB frözeln zu wollen… IMG_0913Wir stiegen nun nach 5185km Fahrt aus der Transsibirischen Eisenbahn und machten uns auf den Weg ein Taxi zu suchen, was auch in Irkutsk nicht schwer fällt denn die Taxis stehen wie bei uns direkt vorm Bahnhof und warten auf Kundschaft. Wir suchten uns den auf am seriösesten wirkenden Wagen/Fahrer aus der uns dann auch gleich zum Flughafen brachte, wo der Mietwagen schon auf uns wartete.Nachdem wir den Wagen in Empfang genommen haben sind wir erst einmal in eine Art „Diner“ wo wir uns eine riesige Pizza bestellt haben – die wir natürlich nicht geschafft haben! Aber was zählte war, dass unsere Bäuche voll waren, so richtig SATT gegessen. Wir mussten uns schon regelrecht aufraffen um unsere Fahrt zum Baikalsee in Angriff nehmen zu können.

Long-Road-To-Baikal-Christian-Ringer-Photography

Und nun ging es los, zur final Destination der Russland Reise – ab zum Baikalsee. Wir setzten uns in den Wagen, aktivierten das Navi und fuhren los… Wir fuhren vom Parkplatz rechts rum auf die Hauptstraße, kurze Zeit später erneut einmal nach Rechts weg und etwa 5km später noch einmal Rechts weg und von da an ging es die knappen 300km bis zum Ziel immer nur gerade aus – das Navi war also völlig überflüssig. Wir landeten nach einigen Stunden Fahrt direkt am Fähranleger von wo aus uns die Fähre auf die Insel Olchon bringen sollte. IMG_0916Auf der großen Anzeigetafel standen die Ankunft- und Abfahrtszeiten, wir kuckten auf die Uhr und kuckten uns etwas verunsichert an denn die Fähre sollte genau in diesem Moment von hier aus abfahren. Aber da war keine Fähre, da war GAR NICHTS!!! Der ganze Fähranleger war eine einzige riesige Baustelle, verlassene Holzbuden und Baufahrzeuge sonst nichts! Klasse… und wie sollen wir jetzt auf die Insel ins Hotel kommen? Nach ein paar Telefonaten mit dem Hotel auf der Insel warteten wir noch immer am Fähranleger weil man uns sagte „da kommt gleich wieder ein Luftkissenboot das uns auf die Insel bringt, wir sollen uns gedulden…!“ tja – wir geduldeten uns Stunden aber es kam nichts, null Komma null und das fühlte sich einfach nicht gut an. Ich rief also wieder die selbe Telefonnummer an und telefonierte mit Olga, die ein wenig deutsch sprechen konnte und bat Sie um Hilfe denn wir brauchten unbedingt ein Hotel am Festland – auf die Insel kommen wir heute eh nicht mehr, das hatten wir schon abgehakt. Die liebe Olga hat uns aber dann nach einer guten halben Stunde nicht unweit vom Fähranleger ein Zimmer in einem Gästehaus organisiert, worüber ich ihr sehr dankbar war denn ich hatte echt keine Lust bei minus 32 Grad die nacht im Auto zu verbringen.

IMG_0936Wir führen also zur Unterkunft und die gastfreundliche Besitzerin erwartete uns auch schon! Sie grinste und war wohl recht erfreut, dass sich jemand zu ihr „verirrt“ hat… Ich selbst musste mir wirklich das Lachen verkneifen denn der Anblick und das Zimmer waren mir echt ein Bild wert, das musste ich festhalten – das würde mir sonst keiner glauben. Ich weiß auch nicht warum ich bei diesem Anblick immer nur Cindy aus Marzahn im Kopf hatte… Letztendlich waren wir aber trotzdem froh ein Dach über dem Kopf zu haben und uns mal heiß duschen zu können – das tat echt gut. Ihr könnt euch ja vorstellen wie ausgiebig jeder von uns geduscht hat, die letzte Dusche lag vier Tage zurück.

Ich hatte mir für die Nacht das Bett am Fenster ausgesucht. Als ich vorm zu Bett gehen noch einmal zum Fenster raus schaute sah ich ein Schiff das am Anleger steht und von Eis umgeben war, Luftlinie etwa 100 Meter – weiter war das Ufer nicht weg. Ich sagte zu Adam „ich stehe morgen früh auf um vor Sonnenaufgang schon am festgefrorenen Schiff zu sein!“. Ich dachte mir, das nehme ich mir mit (fotografisch natürlich) um den Morgen nicht verstreichen zu lassen – oder anders gesagt „das Beste daraus machen!“ Und somit hatten wir für den nächsten Morgen auch schon wieder ein Ziel vor Augen. Wir stellten unsere Wecker und hauten uns in unsere „Toight like a tiger“ Betten…

IMG_0940---Kopie


10.1.2017

…folgt! 😉


Faszination Milchstrasse

Jeder ambitionierte Hobby Fotograf oder Landschaftsfotograf möchte sie doch gerne einmal selbst fotografieren und somit bildlich festhalten – die Milchstrasse. Stimmt´s oder hab ich Recht?! Ich weiß doch wie das ist…

Was braucht man denn, um die Milchstrasse gut ablichten zu können? Was wir dazu brauchen steht auf einem anderen Blatt Papier aber ich kann euch sagen was von Vorteil wäre oder aber auch wie ich an die Aufgabe ran gehe.

• Das Objektiv

Beim Vorhaben Milchstrasse ein ganz entscheidender Faktor! Ich bevorzuge hierfür meine FUJINON XF Objektive mit einer Lichtstärke von 1.4 um das maximale an Licht, durch mein Objektiv auf den Sensor zu bekommen und selbstverständlich um die Verschlusszeiten recht kurz zu halten, um eine punktförmige Abbildung der Sterne zu erreichen – und keine Startrails. Mir ist bewusst, dass solche Objektive ein bisschen mehr kosten als welche mit Anfangsblende 4 oder so etwas in der Art. Objektive kauft man aber in der Regel nur einmal, während man die Bodys meist gegen neuere Nachfolgemodelle austauscht. Es wäre also vielleicht doch mal eine Überlegung wert oder?

• Das Stativ

Eine solche Aufnahme der Milchstrasse zu realisieren funktioniert einfach nicht ohne ein vernünftiges und stabiles Stativ. Auch wenn es wie in meinem Fall hier nur 15 Sekunden Belichtungszeit waren – es wäre ohne Stativ nicht möglich gewesen.

• Die Kamera

Die Kamera ist in diesem Fall ehrlich gesagt drittrangig für mich. Warum? Ganz einfach, aktuelle Modelle die im High ISO Bereich arbeiten können sind selbstverständlich von Vorteil um ein astreines und sauberes Ergebnis zu erhalten. Kameras die vielleicht bis maximal 6400 ASA/ISO gehen können aber die Milchstrasse genauso gut ablichten! Klar rauscht es da eventuell ein klein wenig aber hey – das sind eine Million kleiner weißer Punkte (Sterne) auf dem Bild, da fällt das Rauschen nicht sooooo sehr auf. Man kann ja bei der RAW Entwicklung ein klein wenig den Luminazregler bewegen und schon wird das Rauschverhalten viel besser! Probier es aus, es ist in der Tat so!

Und da hätten wir sie nun, die drei wichtigsten Sachen wobei wie bereits erwähnt Punkt 1 und 2 die wichtigsten sind. Punkt 3 ist ja eh schon mal Grundvoraussetzung um die anderen Punkte in Betracht zu ziehen.

Ich habe euch hier mal mein originales RAW File und mein fertig entwickeltes RAW File als Before/After bereitgestellt. Zieht den Schieber ruhig ein paar mal hin und her. Sollte das Bild nicht gleich sichtbar sein, bitte einfach im Browser die Seite aktualisieren!

Milchstrasse RAW File Milchstrasse-Christian-Ringer-Photography

Lightroom Protokoll Milchstrasse

Wir stellen fest, das fertige Bild sieht doch viel spektakulärer aus als das unangetastete RAW. Wer es wie gesagt schon mal versucht hat die Milchstrasse abzulichten, der wird mir Recht geben. RAW Files der Milchstrasse sehen eigentlich fast immer so fad aus. Man hat sie nämlich immer nur spektakulär im Kopf, von Bildern die man schon mal irgendwo im Internet oder in Zeitschriften gesehen hat.

Ich kann euch also versichern, in jedem Milchstrassen Bild das annähernd oder so ähnlich aussieht wie mein fertiges Bild steckt eine sehr intensive Entwicklung des RAW´s! Ich muss aber dazu sagen – zumindest für meinen Geschmack sehr intensive Entwicklung denn so lange fummel ich normalerweise nicht an meinen RAW Files herum. Das dauert mir A zu lange und B fallen diese ganzen Vorgänge ansonsten eh nicht an – oder zumindest nur ein Bruchteil davon. Ich bin ehrlich gesagt selbst ein wenig erschrocken als ich gesehen habe wie lang das Protokoll geworden ist.

Das Lightroom Entwicklungsprotokoll habe ich euch hier auch einmal mit beigefügt, damit könnt ihr genau sehen und nachvollziehen was ich da alles in Bewegung gesetzt habe um eine richtig knackige und spektakuläre Milchstrasse ans Licht zu bringen.

Man darf aber nicht vergessen – es handelt sich einzig und allein um eine RAW Entwicklung! Das heisst, die Infos die ans Tageslicht kommen stecken alle in diesem einzigen RAW – man muss sie nur gezielt ausarbeiten. Ein besonderes Rezept habe ich aber hierfür ehrlich gesagt nicht, das mach ich einfach nur nach eigenem Geschmack und Gefühl.

Was ich damit sagen will ist: Wenn eure ersten RAW Files der Milchstrasse auch so fad aussehen wie zum Beispiel das meine, dann seid nicht enttäuscht weil es so bescheiden aussieht – es sieht nun mal so aus. Entwickeln und probieren, dann wird das schon!

Ich wünsch viel Erfolg und vor allem Spaß – beim Projekt Milchstrasse.

Euer Christian

PS: hier noch die EXIF/Kamera- Aufnahmedaten von genau diesem Foto.Kameradaten-Milchstrasse

 


Ausdauer in der Landschaftsfotografie

Eine der wichtigsten Disziplinen eines Landschaftsfotografen – Ausdauer und Geduld. Aus der Sicht eines professionellen Landschaftsfotografen ist die ganze Geschichte eher unspektakulär, da es für uns (in diesem Fall für mich) völlig selbstverständlich erscheint stundenlang auf das passende Licht – den richtigen Moment zu warten. Neulich war ich mal wieder unterwegs, ich hörte am Vorabend im Radio „Föhnlage am Alpenrand mit 18° bis 20° und Hochnebel“ und das im Spätherbst gegen Ende Oktober. Da klingelten natürlich die Alarmglocken! Da muss ich hin, da muss ich anwesend sein, das kann nur gut werden – wenn nicht sogar spektakulär.

Mein Motiv hatte ich bereits vor Augen, bevor ich überhaupt meine Sachen gepackt habe und los gefahren bin. Reine Anfahrtszeit waren 2 Stunden und 15 Minuten für 220km. Um alles Dingfest zu machen habe ich vorher noch mit meiner Smartphone App den Sonnenaufgang abgefragt um die Abfahrtszeit festzulegen. Wo die Sonne dort aufgeht wusste ich, da ich schon öfter an dieser Location war. Somit stand fest – Abfahrt 4:30 Uhr um eine Stunde vor Sonnenaufgang vor Ort die Kamera aufzubauen. Die Fahrt zum Sylvenstein verlief dann relativ planmäßig, der dichte Nebel auf der Autobahn hatte mich zeitlich ein wenig zurück geworfen. Das war aber nicht so schlimm denn ich hatte ja einen Puffer von etwas mehr als einer Stunde eingeplant.

Als ich dann langsam meinem Ziel näher kam traute ich meinen Augen nicht – der Himmel war glasklar, unzählige Sterne waren am Himmel zu sehen! Ich dachte mir nur eins: JACKPOT jetzt nur noch ein paar Nebelfelder über dem Sylvensteinspeicher und ich habe gewonnen. Also voller Vorfreude weiter, sind ja nur noch 40km bis zum Zielort aber wie es nun mal so ist kommt es meistens etwas anders als man denkt… Kurz vorm Ziel fuhr ich in eine wahnsinnig dichte Nebelsuppe, ich dachte mir noch immer: Okay, etwas viel Nebel. Aber ich wollte ja Nebel über dem Stausee, also alles gut. Am Ziel angekommen habe ich mich kurz umgezogen und warm eingepackt, der nasskalte Nebel zieht nämlich ordentlich an der eigenen Körperwärme und ich hatte echt keine Lust auf Frieren und dann ging es auch schon los. Hirnbirn (Stirnlampe) an und rein in den Wald, was habe ich gesehen? Nichts – alles war weiß! Das Licht war viel zu grell und der Nebel zu dicht, sodass ich im Endeffekt nur eine weiße Wand vor mir hatte. Also kurzer Prozess, Lampe aus und im Dunkeln weiter… Je länger man sich im Dunkeln ohne Lampe bewegt, umso mehr gewöhnt sich das Auge daran und dann sieht man auch im Dunkeln recht gut. OK, man sieht nicht wirklich alles aber es reicht – zumindest mir. Nachdem ich meinen kurzen, holprigen und rutschigen Aufstieg durch das Waldstück hinter mir hatte stand ich an meiner Location, es war der Steilhang am Sylvensteinspeicher. Von dort aus hat man einen traumhaften Ausblick auf die Berge, den Stausee mit seiner Brücke, und man ist relativ hoch oben um im Idealfall über der Nebeldecke zu sein. Als ich aber da war sah ich nix, null Komma null minus 500! Außer einer grauen Wand war nichts zu erkennen! NebelwandMein erster Gedanke – bitte nicht schon wieder… das hatten wir doch schon oft genug, sollte ich meinen Plan vielleicht doch über den Haufen werfen und rasch wo anders hin?! Ich hätte ja noch ein paar Locations die auch funktionieren (Sonnenstand usw.) aber ich blieb eisern und sagte mir NEIN ich bin jetzt hier und ich gehe volles Risiko ein. Wenn es dumm läuft stehe ich jetzt die nächsten 5 Stunden im Nebel, oder aber es reißt auf und ich habe ich das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

So saß ich da, auf einem dieser Lawinenhölzer die dort im Hang fest verankert sind und wartete und wartete und wartete. Mittlerweile waren schon zwei Stunden vergangen, die ich im dichten Nebel verbracht habe. Ab und zu konnte man die Bäume im näheren Umfeld von etwa 10-15 Meter erkennen und zumindest die Kamera halbwegs ausrichten und positionieren. Kurz nachdem ich die Kamera justiert hatte traute ich meinen Augen nicht, innerhalb von Sekunden verschwand die dichte Nebeldecke – ich hatte eine glasklare Sicht auf die gegenüberliegenden Berge! Unfassbar! Aber es passte nicht, die untere Nebelschicht direkt über dem See war noch so hoch und dicht, dass man nichts erkennen konnte. „So ein Mist“ hat man da natürlich im Kopf während man bettelnd in die Landschaft schaut und hofft das sich der restliche Nebel auch noch verzieht. Tja – hoffen kann man ja, aber ich hatte natürlich das große Los gezogen das es noch schlimmer kam –  ein Schwall von rechts und alles war wieder dicht! Ganz fein… das kann doch jetzt echt nicht wahr sein?! Ist es aber und daran kann und werde ich auch nichts ändern können. So ist das nun mal in der Natur – es ist wie es ist und wenn es nicht sein soll, dann soll es eben nicht so sein. Oft genug habe ich solche Situationen schon erlebt und über die Jahre hinweg gelernt damit umzugehen. Es macht keinen Sinn sich über das Wetter aufzuregen oder deshalb schlechte Laune zu haben. Es wird schon seinen Grund haben, warum es gerade jetzt so ist wie es ist.

Wie ich eben schon sagte, ich weiß damit umzugehen und mir die oftmals langen Wartezeiten sinnvoll zu vertreiben. Also harrte ich weiter aus, dort oben auf dem Lawinenholz. Der Blick auf die Uhr sagte mir 9:15 Uhr, die Sonne ist also schon längst über den Horizont gekrochen und ist auf dem Weg bald über die Berge zu spitzen. Dann kann es ja nicht mehr lange dauern denn das kräftige Sonnenlicht presst den Nebel aus dem Kessel, in dem Sylvensteinspeicher-Nebelich mich gerade befinde. Kurz darauf war es dann auch so weit, durch den dichten Nebel konnte ich die Sonne wunderbar beobachten wie sie langsam über den Berg kam. Meine Blicke schweiften von der Sonne hinab ins Tal und wieder zurück und das permanent, um den Moment nicht zu verpassen wenn sich der Nebel löst. Alles im Blick, alles im Griff ich bin bereit – waren meine Gedanken! Plötzlich sah ich durch den Nebel die Brücke, dann die Brückenpfeiler und immer mehr und mehr… JA der Nebel löste sich, und das in einem Tempo mit dem man wirklich nicht gerechnet hätte. Das ganze Schauspiel dauerte nicht länger als drei oder vier Minuten und der Kessel war vom dichten Nebel befreit! Dieses kleine Zeitfenster konnte ich natürlich voll ausnutzen und auskosten da ich ja über vier Stunden auf genau diesen Moment gewartet habe. Das Resultat ist eine Aufnahme die man eben so nicht alle Tage zu Gesicht bekommt – und das freut mich ungemein! Denn genau SO wie es ist, so habe ich es mir vorgestellt und gewünscht – und ich hab es!

Für Außenstehende oder nicht ganz so ambitionierte Fotografen hat man in deren Augen oft nicht alle Tassen im Schrank wenn man stundenlang an einer Location ist und auf das Licht wartet, das man sich wünscht damit das Resultat so aussieht wie man es im Kopf hatte – bevor man überhaupt los gefahren ist. Ich habe kein Problem damit Stunden über Stunden an einem Ort zu verweilen um den passenden Moment abzuwarten. Manchmal hat man Glück und manchmal eben nicht, nichts kommt so wie man es plant – das Wetter lässt sich nun mal nicht beeinflussen – und das ist auch gut so! Es gehört eben immer eine ordentliche Portion Glück dazu!

In diesem Sinne wünsche ich euch – GUT LICHT!


Obertauern und mein Handicap

Neulich ging es mal wieder raus in die Natur, genauer gesagt ging es mal wieder zum Wandern in die Berge. Die geplante Tour war laut Routenbeschreibung nicht sonderlich spektakulär oder anstrengend – aber genau so sollte es auch sein. Einfach nur ganz gemütlich in den Bergen wandern, die Ruhe, die Natur, die Sonne und das Leben genießen, ohne Stress und vor allem ohne Zeitruck. Und genau deshalb sind wir am Freitag Abend schon in Österreich, in der Nähe von Hallein gewesen und haben dort in einer kleinen Pension geschlafen. Die Pension war übrigens echt der Hit, die Duschkabine war einfach so in eine Ecke des Zimmers hinein gebaut – das habe ich so auch noch nie gesehen. Aber egal, es ging darum das wir ganz normal schlafen, am nächsten Morgen frühstücken und die letzten Kilometer nach Obertauern fahren konnten – ausgeschlafen. Das war mir wichtig, denn ich wollte mich nicht vor dem Wandern mit der Anreise abplagen.
In Obertauern angekommen haben wir uns erst einmal schlau gemacht von wo aus unsere Route los geht. Das hat auch nicht wirklich lange gedauert denn so groß ist Obertauern ja auch wieder nicht. Wir sind uns vorgekommen als wären wir die einzigen die gerade zu Besuch da sind, alle Läden waren geschlossen, zwei oder drei Restaurants hatten geöffnet – ansonsten „tote Hose“. Da merkt man gleich, dass Obertauern seine Hauptsaison im Winter hat, und da rollt der Rubel, bei solch einem traumhaften Skigebiet. Wir haben auf jeden Fall ein kleines Restaurant/Kneipe gefunden und sind gleich mal dort rein um etwas zu essen. Der Laden hieß Route 99 – muss wohl ein angesagter Motorradschuppen sein, so wie es sich auf den Werbeflyern gelesen hat. Das Essen war aber wirklich Top! Da gibt es nix zu meckern.
Nach Speis und Trank sind wir dann direkt zum Parkplatz unseres Ausgangspunktes gefahren, haben dort unsere Rucksäcke startklar gemacht und uns anschließend noch umgezogen damit wir dann auch endlich los marschieren konnten – in der prallen Mittagssonne. Wir gingen glaube ich keine 100 Meter, dann schauten meine Frau und ich uns gegenseitig an und sagten: Oh Gott, diese elende Schlepperei und Hitze – wollen wir nicht lieber wieder umkehren?! War natürlich von keinem von uns beiden wirklich ernst gemeint und haben wir auch nicht gemacht. Wir sind schön brav weiter gelaufen und haben unsere Blicke in die Berge schweifen lassen. Nach wenigen hundert Metern war auch schon der erste See zu sehen – und ein Parkplatz – Mist, hätte ich ja doch noch weiter mit dem Auto hin fahren können… Aber es war nicht der Rede wert und irgendwie auch ein gutes Gefühl, weil man eben nicht noch näher ran gefahren ist, um weniger laufen zu müssen. Kurz nachdem wir am See vorbei gegangen sind kam nochmal ein kleines „Dorf“ (zwei oder drei Hotels und ein Skilift) wo wir uns mal kurz in den Schatten gesetzt, etwas Wasser getrunken und durchgeschnauft haben – es war so brütend heiß an dem Tag!
Bei mir war es so, dass mich jetzt schon die Neugier im Griff hatte. Ich wollte weiter rauf, auf den Berg, zu dem See den ich für uns zuhause heraus gesucht habe. Die Trekkingstöcke hatte ich bereits im Einsatz und konnte damit richtig anschieben, damit ich den steilen Part gut und zügig voran kam. Mein Frau hatte zu diesem Zeitpunkt ein wenig zu kämpfen, der Kreislauf machte ihr zu schaffen. Also machten wir einfach etwas langsamer – wir hatten ja Zeit und keine Eile. Das ist glaube ich heut zu Tage schon fast etwas Luxus, keinen Zeitdruck zu haben… Es muss ja immer alles husch husch husch und noch schneller gehen oder passieren! Jedenfalls waren wir mittlerweile eine knappe Stunde unterwegs und hatten ein entspanntes Tempo für uns gefunden. Nach ein paar kurzen Steigungen und Serpentinen kamen wir über ein Kuppe und siehe da – wie waren schon da, am Krumschnabelsee. Die Wanderung dort hin ist ehrlich gesagt ein Klacks – und ob man das wirklich Wanderung nennen kann, das wage ich zu bezweifeln. Ist aber jetzt völlig egal, denn wir waren da. Wir sind gleich direkt zum See und einmal ums Ufer herum, um uns ein schönes Plätzchen zu suchen – welches natürlich nicht schwer zu finden war. Wir haben erst einmal unsere Rucksäcke in die Wiese gelegt und die Isomatten ausgerollt, einen Trekkingstock vorn und einen am anderen Ende durch die Isomatte in die Erde gerammt damit uns die Teile nicht davon fliegen. Meine Frau genoss es in vollen Zügen da zu sein, nahm ihr Buch und setzte sich ans Wasser um ein bisschen zu lesen. Ich hingegen lag auf meiner Isomatte und hab ein wenig die Augen zu gemacht – einfach mal Pause gemacht wenn ihr versteht was ich meine.
Inzwischen war es fast 17 Uhr und wir hatten Lust auf einen Kaffee und was zu Essen bekommen. Nicht weit von unserem Sonnenplatz entfernt war eine Alm oder besser gesagt Bergwirtschaft, die Tische waren gedeckt – das konnte man von Weitem erkennen. Also Rucksack und Wertsachen auf den Rücken und ab zur Alm, aber aus dem Kaffee wurde dann ein kühles Radler und eine Kleinigkeit zu essen. Jetzt war ich mal an der Reihe, nach dem ersten Bissen wurde es mir schlagartig weiß vor Augen und ich hatte ein wenig zu kämpfen damit ich nicht gleich von der Bank falle. Die permanente pralle Sonne hatte mir da echt eine verpasst denke ich… Nach ein paar Minuten haben wir das aber wieder in den Griff bekommen – zum Glück, denn ich wollte gerade jetzt so kurz vor Sonnenuntergang ganz bestimmt nicht vom Berg runter marschieren. Ich hatte ja schon so ein schönes Plätzchen gefunden wo ich am Abend ein/zwei Bilder fotografieren wollte und genau dort hin machten wir uns, nachdem wir bezahlt haben wieder auf den Weg. Mittlerweile war kein Mensch mehr außer uns dort oben am See, wir – ganz allein auf 1995 hM an einem herrlichen sonnigen Tag. Es war bereits an der Zeit das Zelt aufzustellen und den Schlafplatz ein wenig herzurichten, denn wenn die Sonne so kurz vorm untergehen ist, dann ist dafür keine Zeit mehr. Das Licht wartet ja nun mal nicht auf mich!
Als ich dann so schön gemütlich an der „Pfütze“ in der Wiese saß, das Stativ aufstellte und die Kamera montierte scheinte mir die Sonne mit ihren letzten warmen Strahlen ins Gesicht – es war herrlich. Dazu fehlt aber noch was – eine schöne heiße Tasse Kaffee. Während meine Frau auf einem von der Sonne aufgeheizten Fels saß und in ihrem Buch „abgetaucht“ war, brühte ich uns mit dem kleinen Esbit Kocher zwei Tassen heißen Cappuccino auf. Ein Traum… Mit dem heißen Kaffee in der Hand und der Fluppe im Mundwinkel drückte ich dann auch mal auf den Auslöser meiner Kamera. Das erste Anblick am Display gab mir ein beruhigendes Gefühl das zu mir sagte – Perfekt, alles richtig gemacht, top Wetter, ein tolles Licht und einen schönen Spot, der Natur pur und Ruhe pur vermittelt – abschalten eben. Nachdem ich das Filtersetup während des Fotografierens, Kaffee trinkens und Fluppe rauchens etwas umgestellt und verfeinert habe waren die folgenden Aufnahmen ein Augenschmaus. Die Fotos davor waren auch nicht schlecht, aber die letzten Aufnahmen gefielen mir einfach besser. Das lag aber einzig und allein an der Lichtsituation, das Mischlicht der beginnenden blauen Stunde und das Restlicht des Sonnenuntergangs finde ich persönlich einfach am Spannendsten. Nachdem das letzte rötliche Licht am Himmel verschwand dachte mir – Zeit die Kamera abzumontieren und den lieben Gott einen lieben Gott sein zu lassen.
Regina und ich beschlossen, dass wir uns jetzt in unsere Schlafsäcke verkriechen und schlafen gehen. Es war ein langer, heißer und schöner Tag, da tut es dann auch gut wenn man mal etwas zeitiger als sonst zu Bett kommt. Mein Stativ aber habe ich an dem Wasserloch noch vom letzten Bildaufbau stehen gelassen denn der Plan für mich war ja der, dass ich nachts aufstehe und den Sternenhimmel, der sich natürlich schön in dem Wasserloch spiegeln sollte, ablichten wollte. So war zumindest der Plan denn der Himmel war wie blank geputzt, nicht eine einzige Wolke war zu sehen. Wir rauchten noch eine und sagten uns – ach komm, wir machen uns jetzt noch einen letzten heißen Cappuccino und dann gehen wir schlafen – gute Idee…
Und es war wirklich eine verdammt gute Idee! Als ich gerade erst den Esbitkocher angeschmissen hatte und die erste Tasse mit Wasser drauf gestellt hatte, traute ich meinen Ohren nicht. Ich hörte Kuhglocken!!! Verdächtig nah!!! Ganz verdächtig nah!!! Keine 30 Sekunden später stand die erst Kuh, etwa 10 Meter weit von uns entfernt auf einem Hügel und kuckte logischerweise neugierig in unsere Richtung. Mein Herz fing gleich mal an einen Zahn zuzulegen! OH NEIN dachte ich mir nur – bitte nicht noch mehr davon… Tja, mein innerliches Betteln half aber rein gar nichts, denn schwupp di wupp standen gleich noch ein paar Kühe auf dem Hügel. Langsam wurde mir wirklich anders, die ersten Adrenalinstöße machten sich bemerkbar, meine Knie zuckten schon – und das ist echt nicht lustig. Die Kühe waren alle auf einem Haufen, jede Kuh hatte seine Hörner am Köpf, die mir noch mehr ins Gewissen redeten – „ihr müsst hier weg, die Kühe kommen, die trampeln Dich zusammen, die spießen Dich auf“ und so weiter und so fort. Die erste Kuh ging vom Hügel Richtung Wasserloch, verflixt – da steht mein Stativ!!! Innerlich habe ich das Carbon schon knacken gehört, aber erstaunlicher Weise blieb es still, nur ein leises „kling“ war zu hören als die Kuh mit ihren Hörnen meine Alu Trekkingstöcke zur Seite gekickt oder besser gesagt geköpft hat. Puhhh, das ging gut, mit der ersten Kuh. Es folgten aber noch einige im Schlepptau, wie viele Kühe es waren – keine Ahnung, ich war viel zu aufgeregt um jetzt Kühe zu zählen. Die Krönung allerdings war eine weiße Kuh, die (leider) etwas neugieriger war als die anderen. Sie konnte es einfach nicht lassen und musste uns unbedingt näher kommen, vor lauter Panik habe ich gleich mal das Wasser vom Kocher, das mittlerweile bloß noch geblubbert hat, direkt in den Kocher gekippt um das Feuer zu löschen. Dabei habe ich mir gleich mal die Finger verbrannt – hurra. Die Kuh kam immer näher und ich zitterte echt wie sonst was – ich hatte das Gefühl, ich stehe kurz vorm Herzinfarkt und kippe gleich um!!! Und kein Defibrillator weit und breit. Toll… Ich sagte zu Regina: „Wenn die jetzt irgendeine ruckartige Bewegung mit Ihren Hörnen macht, dann lauf, lauf den Schotterweg entlang und gib alles, damit wir auf die andere Uferseite kommen und erst mal etwas Land gewinnen!!! Vollgas – hörst Du!!!“ Die Kuh stand mittlerweile maximal 1,5 Meter vor uns, sie schnaufte (für mein Empfinden) richtig angsteinflößend, wie ein Stier vor einem roten Tuch. Sie schnupperte an meinen Fotorucksack, an Reginas Rucksack (der mit dem Proviant), dann kuckte sie uns wieder an, Regina und ich machten keinen Mucker mehr, kein Ton, keine Bewegung – nichts! Die Kuh hatte sich nun scheinbar satt gesehen und drehte langsam ab, sie bewegte sich ganz gemächlich in Richtung Rest der Herde und ließ uns in Ruhe. Jetzt kam unsere Chance, denn genau gegenüber von unserem gewählten Schlafplatz war ein eingezäunter Bereich am Ufer des Sees. Ich sagte zu Regina: „Wir müssen da rüber, das ist die Safetyzone, KUHFREI!!!“ Gesagt, getan – keine zehn Minuten später waren wir in der sicheren Zone und ließen all unseren Sache zurück, wir sind einfach nur geflüchtet und fühlten uns nun richtig sicher. Langsam beruhigte sich auch wieder mein Puls, was für eine Aktion – nachts, inmitten einer Kuhherde.
Das sind Dinge die die Welt nicht braucht.
Nachdem wir einige Zeit im sicheren Gehege verbracht hatten, wollten wir uns nun endlich etwas hinlegen und schlafen. Das Problem das wir aber hatten war – unsere Sachen sind noch bei den Kühen. F**K wir müssen da nochmal rüber und unser Zelt holen, es führt kein Weg dran vorbei. Also packten wir all unseren Mut zusammen und gingen ganz langsam und leise in Richtung Zelt. Wir kamen gerade mal über den ersten Hügel, da stand die erste Kuh auch gleich wieder auf und blickte zu uns! NEE, DAS DARF NICHT WAHR SEIN!!! Wir hatten natürlich die Hosen voll und sind auf der Stelle zurück in die Safetyzone – NIX WIE WEG! In der sicheren Zone angekommen kuckten wir uns an und sagten uns: „das kann doch echt nicht wahr sein!“ Also setzten wir uns todmüde auf die Holzbank und harrten weiterhin aus – irgendwann müssen die doch auch mal schlafen, aber die Kuhglocken bimmelten immer und immer wieder… Nachdem eine gute Stunde vergangen war sagten wir uns, wir versuchen es jetzt erneut unsere Sachen zu holen. Wir schlichen über die Hügel, schauten immer um uns herum wo die Kühe sind und was sie gerade machen. Wir kamen unserem Zelt immer näher, DAS war unsere Gelegenheit, wir zogen die Heringe aus dem Boden, warfen alles was vorm Zelt lag in das Zelt hinein, noch kurz zum Wasserloch und das Stativ holen, einer vorn am Zelt, einer hinten, ab auf die Schulter und Abmarsch im Eiltempo! Bis die Kühe gekuckt haben waren wir über die ersten Hügel hinweg gespurtet und rein in die Safetyzone! GESCHAFFT – wir haben´s geschafft und konnten endlich aufatmen! Endlich schlafen!
Meine Nachtaufnahmen konnte ich natürlich abhaken, aber mein Gott, was soll´s. Ich will mich ja nicht platt trampeln oder aufspießen lassen. Es gibt ja auch noch einen Sonnenaufgang, den lass ich natürlich auch nicht sausen, denn dafür sind wir ja hier. Aber es kam wie es kommen musste, als ich früh morgens aus dem Zelt gekrabbelt bin traute ich meinen Augen nicht – die Kühe waren immer noch da! NEIN… muss das denn sein?!? Verflixt nochmal, ich kann nicht an meinen Spot. Nun ja, ich nenne es einfach mal höhere Gewalt, dass ich nicht ans Wasserloch gehen konnte und schätzte mich einfach glücklich dass ich ein schönes Bild bei Sonnenuntergang machen konnte. Man muss sich ja die Situation ein bisschen schön reden. Als es mittlerweile schon richtig hell geworden war, verflog auch ein klein wenig die Panik vor der Kuhherde. Trotzdem blieben wir erst einmal noch im abgezäunten Bereich und kochten uns einen Kaffee, machten uns etwas frisch und zählten im Anschluss mal die Kühe auf der anderen Seite des Sees. Es waren 25 Kühe die sich in ihrem Revier breit gemacht und wohl gefühlt haben – und so soll es auch sein. Das war und ist einfach deren Bereich und das sollte man respektieren! Hätten wir es vorher geahnt das wir uns im Revier der Kuhherde befinden, hätten wir gar keinen Gedanken daran verschwendet dort unser Zelt aufzuschlagen. Zum Glück ging ja alles nochmal gut, nochmal muss ich so etwas aber echt nicht erleben!


Das Abenteuer Taugl Schlucht

Mitte Februar 2015 war ich mal wieder unterwegs um ein Bild zu machen (ja – eins! Ein gutes reicht mir ). Zusammen mit meinem Freund Adam Selemba habe ich unsere Destination festgelegt. Den Spot den ich endlich einmal erreichen, sehen und ablichten wollte hängt seit etwa zwei Jahren bei mir in der Warteschleife! Aber wie gesagt – letzte Woche waren wir dann endlich mal da! Es war ein wahnsinnig tolles Abenteuer… insgesamt waren wir knappe 5 Stunden in unseren Wathosen unterwegs, haben darin geschwitzt wie sonst was, haben uns Berg auf, Berg ab und durchs Wasser abgekämpft! Ja – man kann sagen DAS Bild haben wir uns regelrecht erarbeitet und verdient ! Es war schon ein tolles Gefühl, der Natur mal wieder so richtig nahe zu sein! Die Kraft des Wassers zu spüren und um uns herum nichts, bis auf die Felswände. So eine Wathose ist schon echt was feines… Man kommt an Stellen, wo man ohne solch einer Klamotte regelrecht abbrechen muß – weil einem sonst die Füße abfallen, in diesem eiskalten Wasser.

Adam und ich haben die Ruhe und die Natur richtig genossen, kein Stress und keine Hektik! Das einzige Problem das ich hatte – ich war total frustriert weil wir an einer anderen Stelle in der Schlucht waren, als ich sie im Kopf hatte! Wir mussten also wieder zurück, raus aus der Schlucht und wo anders wieder rein! Als wir uns auf den Rückweg machen wollten standen wir noch kurz am Ufer und plauderten, während dessen machte es einen Rums und wir guckten zu wie auf der gegenüber liegenden Seite eine kleine Schneelawine abging. Direkt neben uns klatschte der ganze Schnee ins Wasser! Wären wir ein paar Minuten zuvor auf die andere Seite gewechselt um aus der Schlucht zu kraxeln, dann hätte es uns garantiert die Füße weg gezogen und wir wären  baden gegangen – gut das wir eine geraucht haben. Der Aufstieg aus der Schlucht war jedenfalls auch ohne Schneelawine „nicht ohne“. Wir haben uns echt tierisch geplagt wieder rauf zu kommen! Adam sagte im Nachhinein, dass es für ihn der schlimmste Moment des Tages gewesen sei… Es war wirklich verdammt rutschig und wenn man sich während des Aufstiegs mal umgeschaut hat, dann ging es da wirklich ganz schön steil runter. Kleine Bäume und Äste mussten herhalten damit wir uns nach oben hangeln konnten, unsere Stative sahen danach aus als ob wir es in Schlamm gebadet hätten, so sehr haben wir es als Aufstiegshilfe hergenommen und immer wieder in den rutschigen Boden gespickt. Nachdem wir aber endlich oben angekommen waren, haben wir auch wieder lachen können und uns gegenseitig ausgelacht, weil wir in den Wathosen irgendwelche Schluchten hinauf klettern. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits schon nasse Füße, aber nicht weil Wasser rein gelaufen ist, nein – weil ich in der Kluft so sehr geschwitzt habe. Wir waren aber noch nicht am heiß ersehnten Ziel angekommen!!! Das kommt erst noch – und das war auch noch so eine Nummer… Nur anders!

Als wir dann endlich auf dem richtigen Weg waren kam die nächste Hürde – ein riesiger Felsbrocken versperrte uns den Weg! Adam hat hier gleich mal ein Bild mit dem iPhone gemacht, um euch ein wenig den Größenvergleich näher zu bringen. Der Supergau war die dicke Schnee-/Eisschicht, die auf dem Fels lag. Einfach drüber klettern – unmöglich. Unten durch – ebenfalls Fehlanzeige. Direkt durch´s Wasser – keine Chance! Adam war schon ein wenig am verzweifeln – „hier kommen wir nicht weiter, lass uns zurück!“ sagte er zu mir… In der Zwischenzeit habe ich aber schon mit einem Stück Holz angefangen, den tiefgefrorenen Schnee vom Fels zu pickeln. Als ich dann auch noch gesehen habe das genau dahinter DER Spot ist, den ich mir seit Jahren gewünscht habe – habe ich mich wie ein PitBull festgebissen und gepickelt und gepickelt und immer feste weiter gepickelt!!! Ich wollte und innerlich musste ich für mich dort irgendwie durchkommen. Gefühlt waren es etwa 5 Minuten die ich da gepickelt habe, tatsächlich war es dann aber doch eine knappe halbe Stunde. Schei….egal – es musste ein Durchgang her! Je mehr Schnee und Eis von oben runter fiel, umso höher kam ich. Adam stand hinter mir, guckte zu und rauchte ganz genüsslich. Dann kam der Spruch „lass uns umkehren, das wird nix, das schaffst Du nie…“ Ich dachte ich hör nicht richtig!!! Geht nicht gibts nicht – und jetzt erst recht! Er reichte mir mein Stativ und ich pickelte immer schön fleißig weiter bis wir endlich einen kleinen aber ausreichenden Durchgang hatten! Das allerletzte Stück Eis klopfte Adam dann weg, während ich in aller Ruhe eine geraucht hab. Dann hieß es – einer muss drüber, der andere reicht die Ausrüstung und kommt dann selbst hinterher! Nach wenigen Metern die wir nun noch durchs Wasser gewackelt sind, waren wir dann ENDLICH angekommen!!! Ich hatte in diesem Moment so ein irres Glücksgefühl – WIR haben es geschafft sagte ich immer wieder zu Adam, klopfte ihm auf die Schulter und war total happy!

Abschließend möchte ich gerne noch sagen, dass diese Aufnahmen für mich persönlich einen ganz hohen Stellenwert haben. Allein durch das, was wir dort erlebt haben und  mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, diese Schlucht endlich einmal zu fotografieren, sind diese Fotos für mich richtig wertvoll! Das sind Momente, die kann man mit keinem Geld der Welt irgendwo erkaufen, das sind wundervolle – unvergessliche Momente für das Herz und die Seele, Momente die man zusammen mit einem Freund teilen kann und geteilt hat! Und das ist es, was es ausmacht und für mich einfach so besonders und wertvoll macht! Eins steht auf jeden Fall fest, ich werde garantiert irgendwann mal wieder dort sein – und wer weiß, welches Abenteuer dann dort auf einen wartet. Ich hoffe, dass ich euch mit meinem Blogeintrag ein wenig mitnehmen und begeistern konnte, beim Abenteuer Taugl Schlucht!