Wie es der Titel schon sagt, alles für´n Appel und ´n Ei – das ist scheinbar die heutige Moral die bei uns Einzug gehalten hat und nicht mehr verschwinden will. Alles muss billig sein und am besten sogar gleich noch umsonst sein, das wär doch richtig toll!
Ich finde es einfach nur ätzend und frage mich echt, wohin soll das noch führen?

Wie viele andere Fotografen erreichen auch mich des öfteren eMails mit Bildanfragen, mal von privat Personen, mal von Firmen und/oder Agenturen. Dann heißt es für mich, finde den richtigen Preis.

Ganz im Ernst, bei mir ist es so, dass ich nichts an private Haushalte abgebe. Damit meine ich die digitale Datei. Oft heißt es: Könnte ich die Datei haben, damit ich mir das Bild drucken lassen kann? Ich gebe sie auch nicht weiter, es wäre für mein Wohnzimmer…
Das finde ich ja ehrlich gesagt wirklich toll, wenn sich jemand meine Bilder in seine Wohnung hängen möchte – aber eine digitale hochauflösende Datei gebe ich da nicht raus. Ich kann euch sagen wie ich das mache, ich lade das gewünschte Bild in meinen Online Shop, und dort kann der Kunde sich aussuchen was er will. Leinwand, Acryl, Tassen, Kissen, etc. alles ist möglich und das zu völlig normalen Online Druckservice Preisen. Das ich dafür eine Provision erhalte ist klar und kein Geheimnis. Reich wird man davon auch nicht aber Kleinvieh macht auch Mist. Was ich aber auch hier, bei dieser mehr als fairen Variante in Erfahrung gebracht habe – auch das ist dem Endkunden scheinbar noch zu teuer. Am Ende ist es nämlich so, dass sagen wir mal 8 Leute anfragen und einer davon dann wirklich sein Bild im Shop bestellt. Ich finde dieses Verhalten schon recht seltsam… was meint ihr?

Bei Anfragen von Agenturen oder Firmen sieht die Sache schon etwas anders aus, meint man zumindest…
Guten Tag, wir sind ein Startup Unternehmen und wollen weltweit mit unserem Artikel durchstarten. Für unseren Artikel benötigen wir noch ein Etikett, darauf soll Ihr Bild kommen! Hätten Sie Interesse daran? Was würde so etwas kosten?

Nun ja – bevor ich hier überhaupt eine Hausnummer abgebe, hake ich natürlich noch einmal ordentlich nach. Welches Produkt, wie groß auf dem Produkt, Stückzahlen, Credit oder nicht Credit und so weiter und so fort. Erst wenn ich alle für mich relevanten Angaben habe, erst dann kann ich auch kalkulieren/einen Preis finden. Ich muss dazu sagen, bei meiner Preisfindung halte ich mich in der Regel immer an die aktuellen Tabellen und Preisrechner.

Also, nun meine Mail an das Startup Unternehmen mit einer ganz normalen Hausnummer, ohne Aufschlag oder sonst was. Und jetzt ratet mal was da zurück kam… Oh, wir sind ganz frisch im Geschäft und wir haben nicht viel Geld. Wir haben bisher unsere Sachen bei Stock Agenturen gekauft – alles klar, Stock Agenturen…

Ganz ehrlich Leute, es interessiert mich relativ wenig ob ihr wenig Geld habt oder ein Startup oder kein Startup seid. Wobei ich eigentlich schon jemand bin, mit dem man über alles reden kann und für gewisse Aktionen jemanden auch mehr als entgegen komme. Irgendwann reicht es aber mal… Ich finde es einfach nur kackendreist immer und immer wieder auf der Jammer- und Billigschiene daherzugleiten. Wenn ich kein Budget für Werbemaßnahmen habe, dann kann ich keine Werbung machen – so einfach ist das. Wenn ich für einen bestimmten Artikel kein Geld ausgeben möchte, dann bekomme ich auch keinen – logisch oder?! Es gibt nun mal nichts umsonst. Wenn ich zum essen gehe, dann muss ich mein Geld auch auf den Tisch legen – da kann ich auch nicht sagen: ich bin ein Startup oder so, kann ich das billiger haben?!

Meine lieben Sparfüchse und Billigheimer – was meint ihr eigentlich wie solche traumhaften, einzigartigen Fotos zustande kommen?! Mit dem iPhone vielleicht beim Sightseeing?
NEIN – als Fotograf hat man eine Fotoausrüstung, eine Kamera mit mehreren Objektiven und wichtigen Zubehör. Das alles zusammen hat eine ganze Stange Geld kostet und über Jahre hinweg erweitert und modifiziert, um auf dem aktuellen Stand der Dinge zu sein und weiterhin zu bleiben. Wir sprechen hier teilweise von fünfstelligen Beträgen – aber nicht Kolumbianische Peso, NEIN – wir sprechen von EURO.

Jetzt stellt sich aber nur noch die Frage – wie kommen all die schönen Motive aus meiner Kamera?! Das kann ich euch ganz einfach beantworten: REISEN, REISEN, REISEN und nochmal REISEN. Ja – wir reisen zu den Locations die wir uns vorher in mühseliger Arbeit zu hause am Rechner herausgesucht haben – anders kommen wir nicht an das Motiv ran. Was jetzt noch kommt ist: dass alles muss zur richtigen Zeit passieren. Motive leben nur von ihrer Lichtstimmung. Was also machen, wenn es beim ersten Versuch nicht geklappt hat wie man es sich vorgestellt hat? Weil es vielleicht geregnet hat oder die Sonne von den Wolken verschluckt wurde oder aber gar keine Wolke am Himmel war?  Ja, es hilft alles nichts – ich muss nochmals in die Tasche greifen um erneut den Spot zu besuchen und das ist wahrlich KEINE Ausnahme! Ich habe hier in meinem Portfolio ein Bild das mir erst beim SIEBTEN Besuch so gelungen ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Wie man also sieht, wenn man ein wenig Realist bleibt – alle Motive die hier auf dieser Webseite zu sehen sind, sind mir nicht zugeflogen – ICH HABE MICH FÜR JEDES EINZELNE MOTIV AUF DEN WEG GEMACHT ES ZU REALISIEREN!

Ich wünsche mir für uns Landschaftsfotografen wirklich etwas mehr Respekt und Anerkennung, außerdem würde es mich auch freuen wenn ich Dich ein wenig zum nachdenken gebracht habe 😉

Herzliche Grüße, Christian