Ich habe mich vor einiger Zeit etwas dazu verleiten lassen, mir dann doch einmal eine kleine, spiegellose Systemkamera ins Haus zu holen. Zusätzlich zu meiner digitalen Spiegelreflexkamera von Nikon habe ich mir die Olympus OM-D E-M5 MarkII besorgt, um einfach eine kleine starke Kamera für immer dabei zu haben. Zugegeben, die kleine Olympus ist schon ein richtig schönes Gerät in ihrem Retro Design zumal sie auch kein spürbares Gewicht mit sich bringt, im Gegensatz zu meiner Nikon Df oder D3s. Von den Objektiven für die Olympus mit MFT Anschluss ganz zu schweigen, die wiegen nämlich wirklich nur einen Bruchteil von dem, was meine Nikon Gläser auf die Waage bringen. Im Grunde genommen schon gleich mal ein schlagkräftiges Argument für eine kleine Systemkamera, wenn man auf das Gewicht achtet. Der direkte vergleich einer Systemkamera zu einer digitalen Spiegelreflexkamera ist zugegeben schon etwas Unfair. Man macht es aber ganz automatisch, wenn man beide Systeme zur Hand hat. Auf die Idee kam ich aber ehrlich gesagt erst, als bei den ersten Bildern mit der Olympus so seltsame Phänomene auftraten. Anfangs dachte ich, es liegt am Objektiv, also kam ich zum Entschluss verschiedene Objektive heranzuziehen. Meine Nikon Df habe ich dann mehr oder weniger nur mit dazu genommen um am Ende zu sehen, auf welchen Qualitätsniveau sich die Olympus befindet.

Ich habe die OM-D E-M5 MARK II mit mehreren Objektiven bis an ihr Limit ausgereizt um für mich persönlich klar auf der Hand zu haben – was geht und was eben nicht geht. Mir ging es bei diesem Test nicht um die tollen Features die in der Olympus stecken sondern ausschließlich um das was am Ende raus kommt. Alles hat seine Vor- und Nachteile, die eierlegende Wollmilchsau gibt so oder so nicht – da kann ich euch beruhigen. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben, garantiert. Um zu den Objektiven zu kommen, die ich im Einsatz hatte – das war zum einen das 12-50mm M.Zuiko Kit Glas das bei der Kamera dabei war. Zusätzlich hatte ich noch das M.Zuiko 9-18mm und das hochgelobte 12-40mm 2.8 Objektiv aus der PRO Serie. Alles in allem sind das gut verarbeitete und sehr handliche Gläser zu einem erschwinglichen Preis mit geringem Gewicht.

Um einen direkten Qualitätstest zu machen habe ich keinen Siemensstern oder irgendwelche Stilleben fotografiert. Ich bin raus, um alles unter realen Bedingungen zu testen – denn darauf kommt es ja letztendlich an. Hierfür bin ich an einen Ort, der viel Mischlicht und Details mit sich bringt und habe dort mein Stativ aufgestellt. Ihr seht hier vier Aufnahmen, die alle samt mit der gleichen Brennweite, der selben Blendenöffnung, der gleichen Verschlusszeit und der der identischen Filmempfindlichkeit (ASA/ISO) aufgenommen wurden, der Weißabgleich stand bei allen Aufnahmen auf AUTO WB. Das waren jeweils 12mm (entsprechen 24mm Kleinbild) an der Olympus OM-D E-M5 MarkII mit einer Sekunde Belichtungszeit, bei einer Blende von 5,6 und 200 ASA/ISO – an der Nikon Vollformat habe ich mein 17-35mm auf 24mm justiert, um eben genau den gleichen Bildausschnitt zu erreichen.

Alle Fotos im direkten Vergleich für den Gesamteindruck.

Alle Fotos im direkten Vergleich für den Gesamteindruck.

Wie man sieht, so schlecht sehen die Bilder im direkten Vergleich, vom Gesamtbild gar nicht aus. Wie ich finde, hebt sich die Nikon Df hier aber schon sichtbar ab. Das Erscheinungsbild ist dann doch irgendwie ein ganz ein anderes. Um es aber bis auf die Spitze zu treiben, schaue ich mir Bilder generell immer in der 100% Ansicht an. Ich will ja schließlich sehen was ich da wirklich habe und was nicht. Für mich waren in diesem Fall die Lichter/Lampen/Laternen von oberster Priorität – und dann kommt er auch schon, der Supergau – der der spiegellosen Systemkamera von Olympus das Genick gebrochen hat.

Flecken-Christian-Ringer

Jedes der montierten Objektive haut einem Blendflecken ins Bild, das einem fast schon der Spaß vergehen könnte. Selbst das Objektiv der PRO Serie bekommt diese häßlichen Flecken nicht in den Griff. Zugegeben – es ist nicht ganz so schlimm wie bei den anderen M.Zuiko Gläsern aber dafür, dass es an die 1000€ kostet muss ich sagen habe ich mir mehr erwartet.

Was mich persönlich aber total enttäuscht hat, das sind diese wirklich seltsamen Abrisse die direkt um die Lichtquelle zu sehen sind. So etwas habe ich ehrlich gesagt noch nie gesehen. Anfangs dachte ich es kommt vom günstigen Kit Objektiv, das es einfach minderwertig ist – deshalb auch der Test mit anderen Objektiven, von günstig bis teuer. Aber egal welches Glas man dran hat, diese seltsamen Erscheinungen sind definitiv in jedem Bild! Nur nicht bei einem – beim Bild mit der Nikon Df und dem 17-35mm Objektiv. Beachtet auch rein Spaßeshalber mal das Plakat an der Wand, oder die Kante der Hausmauer – upsss.

Detail-Christian-Ringer

Ich denke anhand der Detail Ausschnitte kann man die Unterschiede wahrlich erkennen. Mag sein, dass es jammern auf hohem Niveau ist – aber ganz ehrlich, für mich geht das gar nicht! Ich kann mich damit einfach nicht anfreunden, zumal ich es ja bei der Aufnahme im Hinterkopf hätte wie die Lichtquellen am Ende aussehen. Man stelle sich vor, man ist an einem wundervollen Ort, das Licht ist grandios und die Sonne oder eine andere Lichtquelle strahlt Dir in die Linse – ein unwiederbringlicher Moment und Du weißt genau – das Foto ist qualitativ einfach nur Schrott, um es etwas übertrieben auszudrücken. Sicherlich sehen das die wenigsten und für den ganz normalen Hausgebrauch ist das sicherlich alles mehr als nur ausreichend! Aber hey, ich will qualitativ hochwertige Files aus meiner Kamera bekommen. Files die eine wunderbare Bildqualität wiedergeben, Bilder über die sich Agenturen etc. freuen wenn sie die Daten in Printprodukten oder egal was verarbeiten. Und genau aus diesen Gründen ist eines für mich klar – in meinen Fotorucksack ist nur Platz für meine Nikon Df. Eine weitere Gespielin ohne Spiegel hat da nichts zu suchen. Das wäre für mich so, als würde ich von einem Rennpferd auf einen Esel steigen. Und für eine „immer dabei“ – Allround Kamera muss ich ehrlich sagen – ist mir der Preis von über 2000€ inkl. PRO Objektiv viel zu hoch. Da tut es dann eine kleine digitale Hosentaschenkamera für 200/300€ genauso.

Viele Grüße, Christian Ringer